Klimawandel und Treibhauseffekt

Der Klimawandel stellt eine der größten Bedrohungen für Wale und Delfine dar. Das Klima ändert sich so rasch, dass manche Wal- und Delfinpopulationen wohlmöglich nicht dazu in der Lage sein werden, sich anzupassen. Für Waltiere bedeuten klimatische Veränderungen in vielen Regionen vor allem den potentiellen Verlust von Lebensraum, Veränderungen in der Beutetiervielfalt betreffend der Qualität und Verbreitung, und den potentiell steigenden Wettkampf um Nahrung durch die Ausweitung der Lebensräume anderer Spezies. Auch wird der Druck auf einzelne Populationen steigen und sich menschliche Aktivitäten – wie z.B. durch die Erschließung der Arktis – häufen, die weitere negative Auswirkungen für die Meeressäuger mit sich bringen. Die WDCS treibt wissenschaftliche Forschung zu diesem Thema voran und betreibt gemeinsam mit anderen Gruppen Aufklärungsarbeit. Nur dann können Regierungen, Institutionen und einzelne Personen spezifische Schutzmaßnahmen initiieren, die diese Arten zu schützen helfen.

Klimawandel – eine Einführung

Die Temperatur, derer man sich auf der Oberfläche unseres Planeten erfreuen darf, ist natürlich zunächst einmal ein Resultat der dort ankommenden Sonnenstrahlung. Während nun die Ozonschicht eine Abschirmung schädlicher Strahlung darstellt, sind bestimmte Gase dabei behilflich, einen Teil der Wärmeenergie in der Atmosphäre zurückzuhalten. Diese Gase, zu denen auch Kohlendioxid gehört, sind unter dem Begriff "Treibhausgase" bekannt geworden. Sie stellen gewissermaßen eine Decke dar, die den Planet warm, aber nicht zu warm hält. Was passiert nun, wenn wir zusätzliche "Decken" hinzufügen, z.B. durch einen übermäßigen, bei verschiedensten unserer Aktivitäten entstehenden Ausstoß von Kohlendioxid in die Atmosphäre? Die mittlerweile allgemein anerkannte Antwort ist die, dass eine globale Erwärmung stattfinden wird.

Das wichtigste Treibhausgas, das der Mensch in die Atmosphäre pumpt, ist Kohlendioxid, das bei der Verbrennung von fossilen Brennstoffen (Kohle, Öl, Gas) entsteht, die wir dazu nutzen, um unsere Fabriken mit Energie zu versorgen, unsere Autos zu fahren und unser Zuhause zu heizen sowie zu beleuchten. Der Anstieg der Treibhausgase in der Atmosphäre führt zu einer Erhitzung des Planeten. Zur gleichen Zeit schmelzen dadurch die Eiskappen der Pole – das Licht reflektierende Eis schwindet also, was die Erwärmung zusätzlich beschleunigt. Zudem werden in großem Stil Regenwälder zerstört. Auch dabei gelangt viel CO2 in die Atmosphäre.

Bedenken über diese Entwicklungen gibt es schon seit einiger Zeit und vor ein paar Jahren haben weltweit Regierungen eine Institution ins Leben gerufen, die als Zwischenstaatlicher Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change IPCC) bekannt ist und in der Wissenschaftler aus aller Welt beratend Auskunft geben und Studien durchführen. Der IPCC überwacht die Entwicklung der Temperatur und die Atmosphäre und nutzt hochentwickelte Computersysteme, um Prognosen und Entwicklungen einzuschätzen und voraus zu sagen. Der Ausschuss hat eine Reihe von Berichten veröffentlicht, die erklären, was wir wissen und was wahrscheinlich als nächstes passieren wird. Seine vierte und jüngste Einschätzung wurde im Jahr 2007 veröffentlicht. Sie sagt aus, dass die durchschnittliche Erdtemperatur im Zeitraum von 1906 bis 2005 um 0.74 Grad angestiegen ist und dass die durchschnittliche Temperatur auch weiterhin steigen wird.

Dieser Temperaturanstieg mag nicht dramatisch klingen – seine Auswirkungen sind es jedoch. Der Anstieg ist nicht überall auf der Welt der gleiche. An Land ist der Erwärmungseffekt stärker als auf See, deshalb erwärmt sich die Erde der nördlichen Hemisphäre stärker als in der südlichen.

Zeitgleich mit der Erderwärmung ist auch der Meeresspiegel gestiegen, die Häufigkeit starker Stürme und Hitzewellen hat sich erhöht und das Eis an den Polen und auf den Bergen schmilzt schneller. All diese Phänomene werden mit der Klimaerwärmung in Zusammenhang gebracht und sollen in Zukunft verstärkt auftreten.
Nach IPCC-Bericht zählen zudem elf der zwölf Jahre zwischen 1995 – 2006 zu den wärmsten Jahren seit 1850, als man mit der Aufzeichnung begann.  Seit 1978 hat sich die Eisfläche des arktischen Meeres um 2,7% pro Jahrzehnt verringert (mit einem Anstieg von Eisflächen im Sommer von 7,4%). Es ist möglich, dass das spätsommerliche Eis der Arktis in der letzten Hälfte unseres Jahrhunderts bereits vollständig verschwunden ist.

Nicht nur der Eisbär ist betroffen

Das schmelzende Eis der Arktis hat öffentlich Aufmerksamkeit für die Situation der Eisbären erzeugt, für die die Eisoberfläche ein wichtiger Lebensraum ist. Der Verlust des Polareises bedroht sie und auch andere Meeressäuger, die in enger Verknüpfung mit der Eisgrenze und unterhalb des Eises leben. Dazu zählen der Grönlandwal, Belugawale und Narwale. Veränderungen der Eisbeschaffenheit sind sehr wahrscheinlich schlechte Neuigkeiten für sie.

Weitere Folgen der Erwärmung

Das Abschmelzen des Eises in den Polregionen bewirkt wahrscheinlich eine Abnahme der Salinität (des Gehalts an Meeressalz). Ein Ansteigen des Meeresspiegels wird mit einer Kombination von Eisverlust und der thermischen Ausbreitung der Ozeane in Verbindung gebracht. Die veränderte Temperatur und der reduzierte Salzgehalt der Meere wird nicht nur direkte Auswirkungen auf Cetacea (Wale und Delfine) haben, sondern es werden auch das Überleben, die Fortpflanzung und die Verbreitung ihrer Beutetiere beeinflusst. Es ist klar, dass die kombinierten Auswirkungen solch unterschiedlicher Einflüsse auf das Leben und Überleben der Wale sehr schwer vorauszusagen ist.

Es gibt eine Vielzahl von Möglichkeiten, wie die Klimaveränderungen Cetacea beeinflussen können, sowohl direkt, als auch indirekt durch ihre Beutetiere. Eine weitere potentielle Gefahrenquelle sind die kumulativen Wirkungen verschiedener Faktoren, die sich negativ auf einzelne Individuen und Populationen auswirken. Beispiel dafür ist die Belastung einzelner Tiere oder ganzer Populationen durch chemische Umweltverschmutzung, die eine Schwächung des Immunsystems zur Folge hat, was die Tiere wiederum anfälliger für alle Arten von Krankheiten macht, die mit einer Erwärmung des Meereswassers in Verbindung gebracht werden. Auch werden in vielen Klimamodellen eine Zunahme und Verstärkung der Stürme vorhergesagt. Kranke oder geschwächte Wale mit einem schwachen Immunsystem sind möglicherweise nicht in der Lage, schwere Stürme zu überleben.

Die Einflüsse der Klimaveränderungen auf die marine Umwelt werden mit großer Wahrscheinlichkeit vielfältig sein, mit einigen bereits vorhergesagten Effekten, die tiefgründige Folgen für sowohl die marine als auch terrestrische Ökologie haben. Einige Wissenschaftler sagen beispielsweise voraus, dass, wenn die Eiskappen zu schnell abschmelzen, der Zufluss an Süßwasser in die Ozeane in großem Maße Veränderungen in der Struktur der Meeresströmungen bewirken kann. Auf der Nordhalbkugel könnte eine Umleitung des Golfstroms zu viel kälteren Temperaturen in Nordeuropa führen. Eine der vielen Konsequenzen davon könnte sein, dass Arten, die an wärmere Bedingungen angepasst sind, versuchen, aus ihren bestehenden Lebensräumen abzuwandern. Forscher zeigten kürzlich auch, dass der Meeresspiegel schneller an den Küstenlinien der Erde zu steigen scheint als im offenen Ozean. Dies könnte Einflüsse auf die Habitate von küstennahe lebenden Walen und Delfinen haben. Um Auswirkungen auf El Niño- und La Niña-Zyklen und somit den Einfluss dieser auf marine Ökosysteme beurteilen zu können, ist weitere Forschung notwendig.

Tertiäre Effekte des Klimawandels

Veränderungen wie ein Anstieg der Temperatur, Fluten und schwindende Eisbedeckung werden einen Einfluss auf die Menschen haben (und tun dies auch schon’). Menschliche Gesellschaften und Wirtschaftssysteme haben begonnen, sich an alle diese Veränderungen anzupassen, und dieses angepasste menschliche Verhalten wird auch einen Einfluss auf Cetaceen und das Tier- und Pflanzenreich haben. Ein einfaches Beispiel dafür ist die Situation der Fischereigemeinschaft, die unter einem durch den Klimawandel ausgelösten Rückgang der Fischbestände, die sie traditionell befischt haben, leidet. Eine Reaktion der Gemeinschaft könnte sein, sich stattdessen auf Waltiere als Ersatznahrung zu konzentrieren.

Ein anderes Beispiel hängt mit dem Rückgang der Eisschicht der Arktis zusammen, der neue und zugängliche Meeresgebiete freigibt. Das wird Voraussagen zu folge zu vermehrten Schifffahrten, Öl- und Gasabbau und Fischerei führen und daraus resultierend eine vermehrte Lärmverschmutzung und chemische Verschmutzung neben anderen Effekten mit sich bringen.

Es ist wahrscheinlich, dass diese menschlich herbeigeführten Effekte des Klimawandels, die auch “tertiäre Effekte” genannt werden, auf einige Waltierpopulationen von größerer Bedeutung sein werden als die direkten Einflüsse und das ist ein Fakt, der von jetzt an in jedem Plan zu Erhaltung mit bedacht werden sollte. Die Effekte des Klimawandels auf menschliche Gesellschaften werden auf der Welt nicht überall einheitlich sein, bestimmte Gebiete werden ernstere Einflüsse auf physikalische und biologische Systeme erfahren, und einige Gesellschaften haben geringere wirtschaftliche oder kulturelle Möglichkeiten, sich anzupassen. Deshalb werden menschlich herbeigeführte klimatische Einflüsse auf Waltiere wahrscheinlich auch in diesen Gebieten auftreten.

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