Für Delfine vor Gericht

Akteneinsicht im Delfinarium Nürnberg

Delfin im Delfinarium Nürnberg
Delfin im Delfinarium Nürnberg

Zwischen Mai 2006 und Juni 2007 starben im Nürnberger Delfinarium fünf Jungtiere und ein Muttertier. Diese Häufung von Todesfällen wollte WDC mithilfe eines internationalen Expertenteams genauer untersuchen. Nach einer anfänglichen Zusage durch den stellvertretenden Bürgermeister der Stadt Nürnberg wurde das Angebot von WDC seitens des Delfinariums leider abgelehnt. Daraufhin sah sich WDC 2008 dazu gezwungen, Akteneinsicht vor Gericht einzuklagen.  Am 26. Mai 2011 entschied der Bayerische Verwaltungsgerichtshof, dass WDC der vollständige Zugang zu Informationen, die die Delfinhaltung im Tiergarten Nürnberg betreffen, zu gewähren ist.

Das Urteil stellt ein Grundsatzurteil  für die Anwendung des Umweltinformationsgesetzes in Bezug auf die Haltung von Wildtieren in Zoos und Tierparks dar und ermöglicht erstmals eine unabhängige, wissenschaftliche Evaluierung sämtlicher Akten über Haltungsbedingungen von Delfinen in einem Delfinarium innerhalb der Europäischen Union. 

Vertreter des Tiergartens hatten zuvor argumentiert, dass die Delfinhaltung keinerlei Auswirkung auf das Leben der Artgenossen in freier Wildbahn habe und als so genannte „Blackbox“ zu betrachten sei – und sahen den Anspruch auf Einsicht der Akten durch die Öffentlichkeit als nicht gegeben. WDC konnte jedoch klar darlegen, dass sowohl der Nachschub als auch die Präsentation von Delfinen in Zoos und Vergnügungsparks in Europa durchaus eine direkte Auswirkung auf frei lebende Artgenossen hat. Insbesondere sind aber auch die Delfine im Tiergarten selbst weiterhin sogenannte Umweltbestandteile. Das bedeutet, dass alle Maßnahmen, die diese betreffen, somit unter das Umweltinformationsgesetz fallen, das diese Maßnahmen für die Öffentlichkeit transparent gestalten soll.

Momentan arbeiten Mitarbeiter von WDC unter Hochdruck an der Aufbereitung der Akten, um dann durch eine umfassende Evaluierung der Daten durch unabhängige Experten Rückschlüsse auf Haltung, Verhalten und Gesundheit und Wohlbefinden der Tiere ziehen zu können sowie um eine Antwort auf die Frage nach der Ursache der hohen Jungtiersterblichkeit zu finden.

Bisherige Hinweise aus den Akten deuten auf eine Medikation der Delfine u.a. mit Psychopharmaka zur Verhaltenskontrolle hin.