Einführung zum WDC Artenführer

Damit jeder mehr über Wale und Delfine lernen kann, hat WDC einen umfassenden Leitfaden zu den 89 derzeit bekannten Arten zusammengestellt. Tauchen Sie ein in die faszinierende Vielfalt der Wale und Delfine und erfahren Sie mehr über ihre Verbreitung, ihre Besonderheiten und die Bedrohungen denen Sie sich ausgesetzt sehen.

Die Evolution der Wale und Delfine

Nach traditionellem Verständnis stammen Cetaceen von an Land lebenden Huftieren ab. Neuere molekulare Daten legen jedoch eine enge Verwandtschaft mit Paarhufern (Artiodactyla) nahe, einer Ordnung, zu der auch Giraffe, Kamel und Flusspferd gehören. Es ist möglich, dass Wale irgendwann als Unterordnung der Gruppe der Cetartiodactyla klassifiziert werden, für den Moment gehören sie allerdings der Ordnung Cetacea an.

Die Ordnung Cetacea wird in zwei Unterordnungen unterteilt: Mysticeti – die Bartenwale (bestehend aus 4 Familien, 6 Gattungen und 14 Arten), und Odontoceti – die Zahnwale (bestehend aus 10 Familien, 33 Gattungen und 75 Arten). Insgesamt gibt es derzeit 89 bekannte Arten von Walen, Delfinen und Schweinswalen.

Die Taxonomie der Cetaceen befindet sich noch im Anfangsstadium. Vielfach gibt es unterschiedliche Auffassungen, wo die eine Art endet und die andere beginnt. In verschiedenen Fällen stellt sich heraus, dass Individuen, die wir ursprünglich ein und derselben Art zugeordnet haben, in Wirklichkeit in zwei oder mehr Arten angehören. So wurden erst kürzlich beispielsweise die beiden unterschiedlichen Populationen der in Südamerika vorkommenden Delfinart Sotalia fluviatilis in zwei verschiedene Spezies reklassifiziert: Sotalia fluviatilis, auch Tucuxi genannt, die Flusspopulation, und Sotalia guianensis, der, die Küstengewässer bewohnende Guinea Delfin. Basierend auf deutlichen Unterschieden hinsichtlich Verhalten, Nahrungsvorlieben sowie dem physischen Erscheinungsbild gibt es außerdem starke genetische Indizien, dass Orcinus genera – derzeit eine einzige Spezies (Orcinus orca) – in Zukunft in unterschiedliche Arten unterteilt werden wird.

Mehr Informationen zu Walen und Delfinen, unterteilt nach Unterordnung und Familie oder direkt zu den einzelnen Arten über den WDC -Artenführer.

Was bedeuten diese unterschiedlichen Klassifikationen

Im Artenführer sind eine Reihe verschiedener Auflistungen und Klassifikationen zu finden. Diese umfassen die grundlegenden Übereinkommen zum Schutz von Walen und Delfinen. Außerdem kann so ein guter Überblick über die Art und Weise vermittelt werden, auf welche die Weltgemeinschaft den Grad der Bedrohungen zu ermitteln versucht, denen sich Wale und Delfine ausgesetzt sehen. Und obwohl diese Auflistungen einen guten Einstieg bieten, darf nicht vergessen werden, dass es Länder gibt, die die Schutzbemühungen für Wale und Delfine nicht unterstützen – die Listen unterliegen somit also stets auch dem politischen Druck innerhalb der verschiedenen Konventionen und Abkommen.

Die Rote Liste gefährdeter Arten der Weltnaturschutzunion (engl.: International Union for Conservation of Nature and Natural Resources IUCN)

Die Kriterien und Kategorien der Roten Liste der IUCN sollen hinsichtlich des Risikos des weltweiten Artensterbens ein umfassendes und leicht zu verstehendes Klassifizierungssystem bieten. Für ein breites Artenspektrum stellt es einen eindeutigen, objektiven Rahmen zur Kategorisierung bereit, anhand dessen die jeweilige Wahrscheinlichkeit ihres Aussterbens bestimmt werden kann.

Für den Natur- und Tierschutz ist der Grad der Gefährdung einer Art, worauf die Rote Liste ihren Fokus legt, allerdings nicht das einzige Kriterium für Schutzbemühungen. Hinzu kommt zum Beispiel, dass – obwohl eine Spezies vielleicht keines Schutzes bedarf – für eine einzelne Population dieser jedoch sehr wohl erforderlich sein kann.

Ausgestorben (engl.: Extinct EX)

Eine Art gilt als ausgestorben, wenn es keinen vernünftigen Zweifel gibt, dass auch das letzte Individuum gestorben ist. Es wird davon ausgegangen, dass eine Art ausgestorben ist, wenn umfassende Erhebungen in bekannten und/oder vermuteten Lebensräumen, in angemessenem Zeitrahmen (täglich, saisonal, jährlich), im gesamten historischen Verbreitungsgebiet keine Individuen finden konnten. Der Zeitrahmen der Untersuchungen sollte an den Lebenszyklus und die Lebensform der Art angepasst sein.

In der Natur ausgestorben (engl.: Extinct in the Wild EW)

Eine Art gilt als in der Natur ausgestorben, wenn bekannt ist, dass sie ausschließlich in der Zucht, Landwirtschaft, Gefangenschaft oder als eingebürgerte Population außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebietes lebt. Es wird angenommen, dass eine Art in der Natur ausgestorben ist, wenn umfassende Erhebungen in bekannten und/oder vermuteten Lebensräumen, in angemessenem Zeitrahmen (täglich, saisonal, jährlich), im gesamten historischen Verbreitungsgebiet keine Individuen finden konnten. Der Zeitrahmen der Untersuchungen sollte an den Lebenszyklus und die Lebensform der Art angepasst sein.

Vom Aussterben bedroht (engl.: Critically Endangered CR)

Eine Art gilt als vom Aussterben bedroht, wenn die besten verfügbaren Daten nahelegen, dass es eines der Kriterien A bis E für vom Aussterben bedrohte (s. Absatz V) erfüllt, und daher das Risiko des Aussterbens in der Natur extrem hoch ist.

Stark gefährdet (engl.: Endangered EN)

Eine Art gilt als stark gefährdet, wenn die besten verfügbaren Daten nahelegen, dass es eines der Kriterien A bis E für stark gefährdete (s. Absatz V) erfüllt, und sich somit einem sehr hohen Risiko des Aussterbens in der Natur gegenübersieht.

Verletzlich (engl.: Vulnerable VU)

Eine Art ist als verletzlich eingestuft, wenn die besten verfügbaren Daten nahelegen, dass es eines der Kriterien A bis E für verletzlich (s. Absatz V) erfüllt, und somit das Risiko des Aussterbens in der Natur hoch ist.

Potentiell gefährdet (engl.: Near Threatened NT)

Eine Art ist potentiell gefährdet, wenn zwar anhand der Kriterien derzeit noch nicht als vom Aussterben bedroht, stark gefährdet oder verletzlich eingestuft wurde, es die Kriterien jedoch nur knapp unterschritt und es wahrscheinlich ist, dass es die Kriterien in naher Zukunft erfüllen wird.

Nicht gefährdet (engl.: Least Concern LC)

Eine Art wird als nicht gefährdet eingestuft, wenn es die Kriterien für vom Aussterben bedroht, stark gefährdet, verletzlich oder potentiell gefährdet nicht erfüllt. Weitverbreitete sowie häufig vorkommende Arten fallen in diese Kategorie.

Ungenügende Datengrundlage (engl.: Data Deficient DD)

Eine Art fällt in diese Kategorie, wenn die Informationen zur direkten oder indirekten Bewertung des Aussterberisikos auf Grundlage seiner Verbreitung und/oder der Bestandssituation unzureichend sind. Eine Art dieser Kategorie kann durchaus gut erforscht sein und dennoch ein Datendefizit bezüglich Verbreitung und/oder Populationsgröße besitzen. Ungenügende Datengrundlage ist somit keine Gefährdungskategorie. Die Auflistung in dieser Kategorie legt nahe, dass mehr Daten erforderlich sind und räumt gleichzeitig die Möglichkeit für zukünftige Forschungsarbeit hinsichtlich des Bedrohungsgrades ein. Es ist notwendig, sämtlich verfügbare Daten bestmöglich und sinnvoll zu verwenden. In vielen Fällen ist es wichtig, vorsichtig zwischen einer Einstufung als DD oder einer gefährdeten Kategorie zu entscheiden. Falls anzunehmen ist, dass das Verbreitungsgebiet einer Art relativ begrenzt ist und seit der letzten Dokumentation ein erheblicher Zeitraum liegt, könnte die Einordnung in eine gefährdete Kategorie gerechtfertigt sein.

Nicht beurteilt (Not Evaluated NE)

Eine Art gilt als nicht beurteilt, wenn es bisher noch nicht auf die Kriterien hin untersucht wurde.

Mehr Informationen zur Klassifikation der IUCN 

 

Das Übereinkommen zur Erhaltung wandernder wild lebender Tierarten, auch: Bonner Konvention (engl.: Convention on the Conservation of Migratory Species of Wild Animals CMS) 

Anhang I – Vom Aussterben bedrohte wandernde Arten

In Anhang I des Übereinkommens werden sämtliche wandernde Tierarten gelistet, von denen alle oder ein signifikanter Teil der gesamten Spezies vom Aussterben bedroht sind.

Anhang II – wandernde Arten, welche durch (internationale) Abkommen geschützt werden

Wandernde Tierarten mit ungünstigem Erhaltungsstatus oder die signifikant von internationaler Zusammenarbeit durch maßgeschneiderte Abkommen profitieren würden, sind in diesem Anhang gelistet. Aus diesem Grund empfiehlt die Konvention den Arealstaaten, globale oder regionale Übereinkommen zum Schutz und Management einzelner Arten oder einer Gruppe von Arten, die in Anhang II gelistet sind, abzuschließen.

Mehr Informationen zur CMS Auflistung

Das Übereinkommen über den internationalen Handel mit gefährdeten Arten freilebender Tiere und Pflanzen, auch: Washingtoner Artenschutzübereinkommen (engl.: Convention on International Trade in Endangered Species of Wild Fauna and Flora CITES)

 

Anhang I

Die am stärksten gefährdeten der unter CITES gelisteten Tier- und Pflanzenarten sind in Anhang I gelistet. Sie sind vom Aussterben bedroht und daher untersagt CITES den Handel von Individuen dieser Spezies – ausgenommen davon ist der nicht-kommerzielle Handel, beispielsweise zu Forschungszwecken. In diesen Ausnahmefällen darf der Handel stattfinden, vorausgesetzt, er wird sowohl durch Ein- als auch Ausfuhrbescheinigungen (oder Wiederausfuhrbescheinigungen) autorisiert.

 

Anhang II

Unter Anhang II sind Tier- und Pflanzenarten gelistet, die zwar derzeit noch nicht direkt vom Aussterben bedroht sind, es allerdings werden, wenn der Handel mit ihnen nicht streng kontrolliert wird. Der Anhang umfasst auch sogenannte „look-alike“ Arten (etwa: ähnlich aussehende Arten), das heißt Arten, deren Individuen denen geschützter Spezies optisch ähneln. Der internationale Handel mit unter Anhang II gelisteten Arten kann durch Ausfuhr- oder Wiederausfuhrgenehmigungen autorisiert werden. Einfuhrgenehmigungen sind hingegen nicht notwendig (ausgeschlossen davon sind einige Staaten, die strengere Anforderungen als CITES stellen). Genehmigungen oder Zertifikate sollten nur vergeben werden, wenn die zuständigen Stellen sicher sind, dass bestimmte Kriterien erfüllt werden, allen voran, dass der Handel nicht das Überleben der Art in der Natur gefährdet.

Mehr Informationen zu den CITES Kategorien

Internationale Walfangkommission (engl.: International Whaling Convention IWC)

Zwar versucht die IWC nicht, Wale mit Blick auf ihre Schutzbedürftigkeit zu kategorisieren, dennoch bietet sie die Möglichkeit einzuschränken, welche Wale gejagt werden dürfen und welche nicht. Diese Auflistung ist auf der Website der IWC einzusehen.

 

Hier finden Sie den Artenführer