Delfinjagden in Japan

Jedes Jahr werden tausende Kleinwale und Delfine in sogenannten Treibjagden getötet.

Unsere aktuelle Petition: Helft uns, die Treibjagden in Japan zu beenden!

Die Quote für die Saison 2015-2016 erlaubt es, 1873 Delfine im Rahmen der Treibjaden zu töten. In der letzten Saison (2014-2015) wurden 800 Delfine getötet und zusätzlich 80 Individuen für die Delfinarienindustrie gefangen. 2013-2014 waren es 834 getötete Delfine und 158 gefangengenommene Individuen.

Neben der Treibjagd dürfen die Fischer auch andere Methoden anwenden: die Handharpunen-Jagd und den Küstenwalfang, bei dem Harpunen vom Bug der Boote abgefeuert werden. Die Handharpunen-Jagd wird in verschiedenen Orten in Japan praktiziert und findet auf offener See statt, was dazu führt, dass Delfine praktisch ganzjährig gejagt und traumatisiert werden. Die Gesamtquote für alle Jagdmethoden zusammen beträgt für die Saison 2015-2016 nun 15066 Individuen. Eine besonders umstrittene Methode sind die Treibjagden ("oikomiryou" auf Japanisch), bei der Delfine und Kleinwale von Booten umzingelt und teilweise zu Hunderten in flaches Wasser getrieben werden, wo sie dann geschlachtet werden.

Die Delfine werden jedoch nicht nur für den menschlichen Verzehr sondern auch als Bestandteil von Düngemittel oder im Rahmen eines so genannten „Schädlingsbekämpfungsprogramms“ der Fischer in angeblicher Konkurrenz um Fisch getötet. Die Fischereikooperative arbeitet mit nationalen und internationalen Aquarien und Meeresthemenparks zusammen, um Delfine für die Gefangenschaftshaltung auszusuchen. Dort müssen sie Tricks vorführen oder Besucher schwimmen mit ihnen in kleinen Becken. In der Bucht von Taiji sterben einige Tiere, die für Delfinshows ausgewählt sind, noch bevor sie abtransportiert werden können.

Diese Jagden stellen sowohl aus Tierschutz- als auch aus der Bestandsschutzperspektive eine erhebliche Bedrohung der Meeressäuger dar. Sie finden entgegen den Empfehlungen der IWC und deren Wissenschaftsausschuss statt und Japans Regierung behauptet nach wie vor, damit eine Politik zur nachhaltigen Nutzung mariner Ressourcen zu verfolgen.

Darüber hinaus sind die essbaren Produkte der Delfine aus diesen Jagden oft hochgradig mit Schadstoffen wie Quecksilber und organischen Verbindungen wie PCB belastet, die den Konsum dieser Produkte für den Verbraucher gefährlich machen.

Trotz intensiver internationaler Kritik an den brutalen Schlachtungsmethoden und Hinweisen auf einen zukünftig möglichen Verzicht auf die Jagden durch einige japanische Provinzen, kristallisiert sich die Nachfrage an lebenden Tieren durch die ansteigende Anzahl von Meeresthemenparks und Aquarien als die eigentliche Triebfeder für die Jagden heraus.

Falsch gekennzeichnetes und kontaminiertes Fleisch

Im Jahr 1999 untersuchen zwei unabhängige japanische Toxikologen gemeinsam mit amerikanischen Gentechnikern im Auftrag von WDC Proben von rohem und gekochtem Fleisch, Speck und Organen von Meeressäugern, die in Japan verkauft werden, um festzustellen, welche Schadstoffe sie enthalten und von welchen Arten sie stammen. Dabei fanden sie mit Hilfe von DNA-Techniken heraus, dass ein Viertel der Proben falsch etikettiert war. So enthielten manche Proben beispielsweise zusätzlich oder ausschließlich DNA einer anderen Art. Außerdem enthielten 75% der falsch-etikettierten Proben mindestens einen Schadstoff, der in seiner Menge die Grenzwerte der internationalen Behörden überschritt. Beinah alle falsch gekennzeichneten Proben enthielten Gewebe von Delfinen, die als am stärksten kontaminiert unter marinen Lebewesen gelten, da sie an der Spitze der Nahrungskette stehen und somit den höchsten Belastungsgrad im Gewebe aufweisen. Japans Ministerium für Gesundheit, Arbeit und Sozialwesen führte eigene Tests bei fünf Arten von Meeressäugern durch. Die 2002 veröffentlichten Resultate zeigten einen ähnlichen Grad der Kontamination wie zuvor im Jahr 1999. In einer separaten Studie identifizierte die Regierung ebenfalls falsche Etikettierungen von Walfleisch.

Japanese drive hunters taking dolphin for captive display facility

Dennoch hat die Regierung die Menge an Walfleisch auf dem Markt seit dem Jahr 2000 tatsächlich erhöht, den Konsum gefördert und sogar den Verkauf an die Schulkantinen subventioniert.

Aktuelle Marktanalysen zeigen weiterhin außerordentlich hohe Konzentrationen von Quecksilber im Fleisch von Walen und Delfinen, das in Supermarktketten in ganz Japan zu finden ist. Studien aus dem Jahr 2005, bei denen Proben von zehn Kleinwalarten ausgewertet wurden, die für den menschlichen Verzehr bestimmt waren, zeigen, dass die Quecksilber-Konzentrationen erneut das von der Regierung erlaubte Maß übertreffen. Die höchste Konzentration von Methylquecksilber konnte bei einem Streifendelfin festgestellt werden. Der Wert war 87-mal höher als zugelassen. Während die japanische Regierung speziell schwangeren Frauen zu eingeschränkten Konsum von Kleinwalfleisch rät, empfehlen Toxikologen eine dringende Überarbeitung dieser Empfehlung.

Wie engagiert sich WDC gegen die Jagden?

  • WDC arbeitet seit über 10 Jahren rund um das Thema Treibjagden.
  • WDC ist regelmäßig selbst oder vertreten durch freiwillige Helfer vor Ort, um die Jagden zu dokumentieren.
  • Wir unterstützen die japanischen Organisationen, die sich direkt vor Ort engagieren, mit finanzieller, politischer und diplomatischer Hilfe.
  • Der WDC Report „Driven by Demand“ („Angetrieben durch Nachfrage“) zeigt die verheerenden Zusammenhänge zwischen der Delfinarienindustrie und den Treibjagden.
  • In Japan haben wir mit unseren japanischen Kollegen eine Bildungskampagne entwickelt, um die Öffentlichkeit über Wale und Delfine und die Gefahren, denen sie sich stellen müssen, aufzuklären. Dazu haben wir bei der Entwicklung des „Beautiful Whale Project“ (ww.beautifulwhale.com) mitgewirkt.
  • WDC ist Co-Autor einer Analyse der Tötungsmethoden, die derzeit in den Treibjagden angewendet werden. Basierend auf Videoaufnahmen von den Jagden wurde eine unabhängige Analyse von Tierärzten in einem internationalen wissenschaftlichen Magazin publiziert.
  • Wir haben toxikologische Studien von Wal- und Delfinfleisch unterstützt, um die starke Belastung des Delfinfleisches und die Auswirkungen auf die Gesundheit der Menschen in Japan zu belegen.
  • Wir unterstützen die japanische Walbeobachtungsgemeinschaft, und arbeiten darauf hin, dass die Liebe der japanischen Öffentlichkeit für Wale und Delfine eventuell die tödliche Politik der japanischen Regierung maßgeblich verändern kann.
  • WDC unterstützt unsere japanischen Partner und ihre Bemühungen, Meeresschutzgebiete zu sichern, um Schutzgebiete für Delfine in japanischen Gewässern zu schaffen.
  • Letztendlich nimmt WDC jedes Jahr an den Japan Dolphin Days teil, um gemeinsam weltweit die Delfine zu feiern und sich geschlossen gegen die Delfin-Treibjagden in Japan zu stellen.

Video zu den Treibjagden in Taiji