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Das Schicksal in Gefangenschaft lebender Orcas

Schwertwale, auch bekannt als Orcas, werden seit 1961 in Gefangenschaft gehalten. Oft wird ihre Haltung als Bildungsmaßnahme oder Artenschutz gerechtfertigt. Ob der Freiheit entnommen oder in Gefangenschaft geboren, diese Orcas leiden unter Stress und Krankheiten, zeigen Aggressionen und Abweichungen vom normalen Verhalten und haben eine stark verminderte Lebenserwartung.
Morgan, held in captivity at Loro Parque in Tenerife, Spain.

Millionen von Menschen besuchen jedes Jahr eine Orca-Show. In Hochglanzbroschüren werben die Vergnügunsparks mit "Familienunterhaltung und Bildung". Besucher werden in eine Fantasiewelt eingeladen, wo tonnenschwere Orcas scheinbar aus purem Vergnügen Tricks vorführen. Diese einstudierten Kunststücke werden den Zuschauern dann als "natürliches Verhalten" verkauft. Laute Musik und Show-Elemente sollen von den kargen Betonbecken ablenken. Vielen Besuchern entgeht auch, dass die Orcas nach der Show gelangweilt ihre Kreise ziehen. Nicht selten weisen ihre Körper Merkmale sozialer Konflikte untereinander auf und die Rückenflossen der Männchen sind eingeknickt. In freier Wildbahn ragen diese bis zu zwei Meter in die Höhe.

Dennoch gelingt es auch mit ausgeklügelten Marketingstrategien nicht, die Realität komplett zu verstecken. Einige Besucher verlassen die Shows mit einem unguten Gefühl, wissend dass die Schwertwale, die sie gesehen haben, nicht viel mit deren Artgenossen in freier Wildbahn, den majestätischen Jägern der Weltmeere, gemeinsam haben. Ähnliche Gefühle haben Menschen auch beim Anblick gefangener Tiger oder Elefanten zum Beispiel - ein Bewusstsein, dass die Würde dieser Individuen erniedrigt wird.

Weltweit wächst das Bewusstsein für die Realität hinter dem Konzept "Orcas in Gefangenschaft", nicht zuletzt dank der Dokumentantion BLACKFISH. Diese erzählt die Geschichte des Schwertwals Tilikum, der bisher mit dem Tod von drei Menschen in Verbindung gebracht wird und wirft einen kritischen Blick hinter die Kulissen der Delfinarienindustrie. Trotz deren Bemühungen, der negativen Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit entgegen zu wirken, realisieren immer mehr ehemalige und potentielle Besucher weltweit, was die Haltung in Gefangenschaft für die intelligenten und sozial veranlagten Tiere bedeutet. Auch kamen in den letzten Jahren immer mehr Zwischenfälle ans Licht, die aufzeigen, dass die Haltung von Schwertwalen in Gefangenschaft nicht nur den Tieren schadet, sondern auch Gefahren für die Menschen birgt, die mit ihnen arbeiten. Erst waren nur ein paar Vorfälle bekannt, mittlerweile gibt es über 100 dokumentierte Zwischenfälle mit Orcas und deren Trainern. Hinzu kommen Berichte über gesundheitliche Probleme bei den in Gefangenschaft gehaltenen Schwertwalen, Tot- und Frühgeburten sowie Todesfälle von relativ jungen Individuen.

Derzeit (Stand Mai 2017) werden weltweit mindestens 60 Orcas in 14 Delfinarien in 8 verschiedenen Ländern in Gefangenschaft gehalten.

27 von ihnen wurden in freier Wildbahn gefangen, 33 in Gefangenschaft geboren.

Hier können Sie die PDF-Datei dieser Tabelle herunterladen

Schicksal der Schwertwale, die in freier Wildbahn gefangen wurden:

  • Mindestens 156 Orcas wurden seit 1961 gefangen (inkl. Pascuala und Morgan).
  • 129 von ihnen sind inzwischen verstorben.  
  • In freier Wildbahn werden männliche Orcas durchschnittlich ca. 30 Jahre alt (maximal 50 - 60 Jahre), weibliche Orcas werden durchschnittlich ca. 46 Jahre alt (maximal 80 - 90 Jahre).
  • Insgesamt sind mind. 166 Orcas in Gefangenschaft gestorben, plus 30 Fehl- oder Totgeburten.
  • SeaWorld (USA) hält 21 Schwertwale in drei Einrichtungen in den Vereinigten Staaten und besitzt mindestens noch weitere vier Orcas, die im Loro Parque auf der Kanareninsel Teneriffa gehalten werden (Besitzverhältnisse von Adan und Morgan noch ungeklärt). Mindestens 48 Orcas sind in SeaWorld Parks gestorben.
 

So können Sie helfen

Einer der in Gefangenschaft gehaltenen Schwertwale ist Corky. Sie wurde am 11. Dezember 1969 im Alter von ca. drei Jahren ihrer Familie und ihrem natürlichen Lebensraum entrissen. Corky stammt aus der Population der Northern Residents, die vor der Küste British Columbias (Kanada) leben. Sie können eine Patenschaft für ein Mitglied dieser Population übernehmen und tragen so zum Schutz von Corkys Verwandschaft bei.

Weitere Informationen zur Patenschaft für Uma oder Current