WDC-Forschungsprojekt in Argentinien: Südliche Glattwale

Südkaper
Südkaper
Südliche Glattwale wurden durch den kommerziellen Walfang stark dezimiert. Seit 1936 genießen sie besonderen Schutz und die Populationen erholen sich langsam. In Argentinien liegt die jährliche Populations-Wachstumsrate dieser Art bei 5,9 %.

Wale als “nationales Naturdenkmal”

Die Südlichen Glattwale - auch Südkaper genannten – leben auch an der Spitze Afrikas und vor der Südküste Australiens. „Right Whale“ nannten die Walfänger die Südlichen Glattwale, denn ihre Lebensgewohnheiten und ihre Veranlagung machten sie zur „richtigen“ also leichten Jagdbeute: Sie leben in Küstennähe, bewegen sich langsam fort und ein getöteter Wal sinkt oft nicht ab. Durch die intensive Bejagung wurden die Südlichen Glattwale fast ausgerottet. Seit 1935 galt ein Fangverbot, an das jedoch weder Japan noch die damalige Sowjetunion gebunden waren. Ab 1949 galt auch ein Fangverbot durch die Internationale Walfangkommission (IWC). Bis in die 1970er Jahre waren illegale Jagden ein großes Problem. Dennoch haben sich in den letzten Jahrzehnten einige Populationen gut erholt, auch wenn es Ausnahmen wie beispielsweise die Population vor Chile gibt. Die vom WDC-Team in Lateinamerika erforschte Gruppe wächst jährlich um fast sechs Prozent.

Heute kann man Südliche Glattwale wieder häufiger beobachten. Aber es gibt auch neue Bedrohungen: Verletzungen oder Tod durch Kollision mit Schiffen (auch die artverwandten Nordkaper im Atlantik sind davon betroffen) oder das Ertrinken in Fischereigeschirr (Netze und Leinen).  

Um das öffentliche Bewusstsein für diese Gefahren zu erhöhen, wurden die Südkaper in Argentinien 1984 sogar zum „Nationalen Naturdenkmal“ erklärt.

Südkaper
Südkaper

"Segelnde" Wale

Diese mächtigen Tiere zeigen eine ganz besondere Verhaltensweise: den „Kopfstand“: Sie treiben mit dem Kopf nach unten senkrecht im Wasser, wobei die Fluke über Wasser gut zu sehen ist. Insbesondere bei Walbeobachtern sorgt das Phänomen des „Segelns“ für Begeisterung: Die Südkaper halten ihre Fluke wie ein Segel über Wasser - so lassen sich die bis zu 12 Meter großen Wale vom Wind antreiben.  Allerdings ist noch nicht geklärt, warum sie dieses Verhalten zeigen.

Beeindruckend ist auch ihr Blas: Da sie zwei Blaslöcher haben, präsentieren sie eine V-förmige Fontäne, die bis zu fünf Meter hoch werden kann!

Foto-ID-Projekt des WDC-Teams

Da die Südkaper in Küstennähe leben, lassen sie sich gut beobachten (auch von Land aus!)  und regelmäßig fotografieren. Auf diese Weise erstellt das WDC-Team einen Katalog der Population im Golfo San Jorge – bereits seit dem Jahr 2000 macht WDC dort Aufnahmen von den Walen, identifiziert Individuen und bekommt so einen Überblick über die Glattwal-Population in Patagonien. Durch diese langfristige Forschungsarbeit konnte 2008 auch ein Albino-Glattwal identifiziert werden – ein weißer Wal ist sehr selten, besonders auffällig und deutlich von anderen Individuen zu unterscheiden. Dank dieses Albino-Wals konnte nachgewiesen werden, dass die Südkaper innerhalb eines Jahres mindestens 500 Kilometer zurücklegen. Darauf aufbauend hat das WDC-Team zusammen mit anderen Forschern einen hypothetischen Verlauf der Wanderung der Südkaper erarbeitet. Unser Team beobachtet, fotografiert und katalogisiert weiterhin Wale, um diese Hypothese belegen zu können.

Walbeobachtung an Bord
Walbeobachtung an Bord

Wissenschaft und Naturschutz

Die Migrationsroute der Wale zu verstehen bedeutet auch zu lernen, wie man sie besser schützen kann: Die Kenntnis der Wanderwege ist wichtig, um sie mit Schiffsrouten abgleichen zu können und über entsprechende Maßnahmen die Zahl der für die Wale oft tödlich endenden Kollisionen zu verhindern. Man lernt dabei auch viel über das Verhalten der Wale, was im Kampf um erweiterte Schutzzonen eine wichtige Argumentationshilfe ist. Die Region Caleta Olivia etwa dient den Walen als „Treffpunkt“, wo sich ihr Sozialverhalten gut studieren lässt, Cabo Vírgenes dagegen wird auf dem Weg zu den Aufzuchtsgebieten der Jungtiere im Süden nur passiert.

Ein weiteres Ziel dieses langfristigen Projekts ist es, die Öffentlichkeit und insbesondere die Bewohner der Küstenstädte auf die Besonderheiten des marinen Ökosystems aufmerksam zu machen und sie so für den Walschutz zu sensibilisieren.

Seit 2016 finden zudem weitere Beobachtungen statt, welche die Futtergründe identifizieren sollen. Sobald diese bekannt sind, kann etwa ihre Belastung durch Fischerei, Klimawandel oder Plastik näher erforscht werden. Denn auch wenn sich die Population der Südlichen Glattwale vor Argentinien langsam erholt, sind die Wale trotzdem neuen Gefahren wie dem Klimawandel, dem Beifang oder der Verschmutzung der Meere ausgesetzt.

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