Rechte für Wale und Delfine - eine Frage der Überlegenheit?

bottlenose dolphin
Einer der Gründe, Walen und Delfinen - und Tieren ganz generell - keine weitreichenderen Rechte zuzugestehen, beruht auf der Annahme, dass Menschen etwas Besonderes bzw. anderen Spezies überlegen wären und dadurch Rechte hätten, die wir anderen nicht zugestehen.

WDC beteiligt sich mit wissenschaftlichen Beweisen und neu entstehenden philosophischen Betrachtungsweisen an dieser Debatte. Wir erkennen durchaus an, dass es unterschiedliche kulturelle und religiöse Standpunkte zu diesem Thema gibt. Die grundlegende Voraussetzung unserer Arbeit für Wal- und Delfinrechte besteht jedoch darin, dass die Wissenschaft unserer Meinung nach mittlerweile eindeutig belegt, dass es sich bei Walen und Delfinen um hoch empfindsame Lebewesen handelt und viele von ihnen zu komplexem sozialen und emotionalen Leben fähig sind. Wir sprechen uns daher dafür aus, dass es nunmehr unsere moralische Pflicht ist, diese Tiere zu schützen, und zwar nicht nur als Spezies und Populationen, sondern auch als Individuen.

Arroganz des Menschen

Charles Darwin, der durch seine Evolutionstheorie darlegte, dass der Unterschied zwischen den Spezies eher im Grad als in der Art besteht, schrieb in seinem Buch „Die Abstammung des Menschen”:

 In seiner Arroganz hält sich der Mensch für ein großes Werk, das des Eingreifens Gottes würdig ist, bescheidener und ich glaube zutreffend ist die Annahme, dass er aus Tieren hervorgebracht wurde.

Diese biologische Perspektive einer evolutionären Kontinuität ist für die Untersuchung wichtig, welche anderen Spezies auf der Erde auch hoch intelligent, empfindsam und weise und daher dazu in der Lage sind, sowohl physisch als auch psychisch Leid zu empfinden.

Dieses Dokument aus dem Jahr 1993 enthält einen interessanten Dialog zwischen Gelehrten über kognitive Ethologie (die Erforschung des Geisteszustandes bei Tieren), Evolutionsbiologie und individuelles Wohlergehen und untersucht das mit Speziezismus einhergehende Risiko.  

Kognitive, emotionale und moralische Fähigkeiten

Dass die Wissenschaft des 21. Jahrhunderts unseren Blick auf andere Spezies verändert, steht außer Frage. Marc Bekoff, emeritierter Professor der Ökologie und Evolutionsbiologie, argumentiert, dass viele Spezies verschiedenartige kognitive, emotionale und moralische Fähigkeiten besitzen.

Professor Donald Griffin, der oftmals als Gründer der kognitiven Ethologie zitiert wird, behauptete, die Fähigkeit mancher Spezies, sich an unvorhersehbare, veränderte Bedingungen anzupassen, zeige, dass sie sich ihrer selbst bewusst und fähig seien einzuschätzen, was in einer bestimmten Situation zu tun sei. Er stellte fest, dass es weniger darum ginge, ob sich einige andere Spezies ihrer selbst bewusst seien, wichtig sei vielmehr, warum sich dieses Bewusstsein gebildet habe.

Für alle, die noch mehr erfahren möchten, eignet sich diese Präsentation des Lehrbeauftragten Jaak Panksepp, in der es zwar nicht um Meeressäuger im Besonderen, aber um die Emotionen anderer Spezies, deren geistige Entwicklung und die geistigen Grundlagen geht. Panksepp berücksichtigt außerdem die ethischen Auswirkungen unseres wachsenden wissenschaftlichen Verständnisses.

Darüber hinaus untersucht Professor Steven Best in einer eingehenden Analyse den Wahnwitz dessen, was er als ‚menschlichen Exzeptionalismus‘ bezeichnet. Ganz gleich, ob Sie das dramatische Weltbild Bests teilen oder nicht, er wirft zweifelsohne einige wichtige Fragen darüber auf, wie es zu unserem bestehenden Verhältnis mit anderen Spezies gekommen ist.

Menschlicher Exzeptionalismus

Best und andere vertreten den Standpunkt, dass wir die Vorstellung unserer Einzigartigkeit überdenken müssen. Sicherlich haben Menschen viele einmalige Fähigkeiten, vom Gedichteschreiben über den Städtebau und die Erforschung des Universums bis hin zum Lösen komplexer mathematischer Probleme. Aber auch andere Spezies verfügen über Merkmale und Fähigkeiten, die wir nicht besitzen. Aus der Perspektive eines Pottwals ist das menschliche Tauchen mit angehaltenem Atem wenig beeindruckend. Wie wir die Bedeutung gewisser Eigenschaften und Fähigkeiten bewerten, hängt zwangsläufig von der Perspektive der eigenen Spezies ab.

Risso's dolphin in North East Lewis proposed MPA!
Risso's dolphin in North East Lewis proposed MPA!

Perspektive des Betrachters

Douglas Adams sagte dazu:

„Für klüger als die Delfine hielten sie [die Menschen] sich, weil sie das Rad, New York, Kriege und anderes erfunden hatten, während die Delfine nur im Wasser herumtobten und es sich gut gehen ließen. Die Delfine wussten dagegen, dass sie schlauer waren, als die Menschen, und zwar genau aus denselben Gründen.“

Sicherlich sind wir Menschen etwas Besonderes, für uns selbst und für andere. Wir besetzen eine spezielle ökologische Nische und haben einzigartige und besondere Eigenschaften und Fähigkeiten. Nichtsdestotrotz macht uns dies aus biologischer Sicht weder überlegen noch sollte es uns daran hindern, anzuerkennen, dass auch andere Spezies besonders sind.

Unterstützen Sie die Rechte der Wale und Delfine

WDC setzt sich nicht für menschliche Rechte (im Sinne der Menschenrechte) für Wale und Delfine ein, sondern vielmehr für eine einzigartige Reihe von Rechten, die diesen Tieren unserer Meinung nach zugesprochen werden müssen, um sie schützen zu können. Sie können auch dabei helfen und uns bei diesem Anliegen unterstützen!