Große Tümmler im Port River, Adelaide, Australien

Bottlenose dolphins bowriding in the Port River
Bottlenose dolphins bowriding in the Port River
Im Mündungsgebiet des Port River in der australischen Stadt Adelaide lebt eine Gruppe ortsansässiger Großer Tümmler. Dr. Mike Bossley erforscht diese seit 25 Jahren.

Ende 1987 erschien in der Zeitung "Adelaide Advertiser" ein Foto. Auf diesem war ein junger Delfin zu sehen, der zusammen mit einem Pferd in einem Fluss schwimmt. Das Foto weckte das Interesse von Dr. Mike Bossley und seither erforscht er die Delfingruppe im Mündungsgebiet des Port River bei Adelaide.

Group of Port River dolphins

Der Delfin auf dem Foto wurde unter dem Namen Billie bekannt – und ihre Geschichte macht in vielerlei Hinsicht das Schicksal der Delfine in den Gewässern vor Adelaide deutlich. Billie war bereits Waise, als sie 1987 das erste Mal gesichtet wurde. Der Verbleib ihrer Mutter ist unbekannt. In den 25 Jahren ihres Lebens geriet Billie unter anderem in Gefangenschaft und musste miterleben, wie fünf ihrer insgesamt sieben Kälber bereits kurz nach der Geburt verstarben. Eines der überlebenden Jungtiere geriet in einen Industrieschacht und konnte nur durch einen glücklichen Zufall gerettet werden. Warum so viele von Billies Kälbern starben, ist nicht bekannt. Allerdings wird vermutet, dass die verschmutzten Gewässer, welche die Delfine ihr Zuhause nennen, zum frühen Tod beigetragen haben. 

Offensichtlich hat sich Billie während ihrer Zeit in Gefangenschaft das „Laufen auf der Fluke“ von dressierten Delfinen abgeschaut. Und als sie nach ihrer Wiederfreilassung in den Port River zurückkehrte, „lief“ sie auch dort weiterhin auf ihrer Schwanzflosse. Über viele Jahre hinweg war Billie der einzige Delfin, bei dem dieses Verhalten beobachtet werden konnte. Nach einiger Zeit begannen schließlich aber auch andere Delfinen, auf der Fluke zu „laufen“. Dabei scheint es sich offensichtlich um kulturelles Verhalten zu handeln – also Verhaltensweisen, die durch Lernprozesse von Generation zu Generation weitergegeben werden. Leider verstarb Billie bereits 2009 viel zu früh an Nierenversagen. 

Tailwalking dolphin

Mit viel Geduld und Vorsicht beim Beobachten und Fotografieren konnte Mike Bossley zeigen, dass sich etwa 30 Delfine größtenteils im Mündungsgebiet des Port Rivers aufhalten. Etwa genauso viele schwimmen regelmäßig in der Flussmündung und weitere hundert oder mehr Delfine halten sich von Zeit zu Zeit in diesem Gebiet auf. Einige der Delfine sind bekannt; ihnen werden Namen gegeben und ihr Schicksal kann verfolgt werden. Noch immer sind Menschen für viele Verletzungen und Todesfälle verantwortlich – einige davon absichtlich (Erschießen, Erstechen) und andere versehentlich (Kollisionen mit Booten, Beifang). 

Das Gebiet wurde zum Schutzgebiet für Delfine erklärt und wird als solches regelmäßig von Wildaufsehern der Regierung kontrolliert. WDC unterstützt auch weiterhin die Arbeit und Forschung Mike Bossley, der Vorsitzender des Schutzgebiet-Ausschusses ist. Das Schutzgebiet umfasst 118 m² und reicht bis in den St. Vincent Golf hinein. 

Die Lebensbedingungen der Delfine innerhalb des Mündungsgebietes verbessern sich stetig, dennoch ist ihr Lebensraum nach wie vor vielen Belastungen ausgesetzt, beispielsweise durch wachsende Tourismus- und Freizeitaktivitäten, industriellen Fortschritt sowie wachsende Bevölkerungszahlen in der Region. Wir werden uns also weiterhin unermüdlich für den Schutz der Delfine und ihres Lebensraumes einsetzen.