Verbindungen der isländischen Fischerei-Industrie zum Walfangunternehmen Hvalur hf

Whaling boats in Iceland
Whaling boats in Iceland
Hvalur hf ist Islands größtes Walfangunternehmen und das einzige, welches auch Jagd auf bedrohte Finnwale macht. Der Geschäftsführer von Hvalur, Kristján Loftsson, ist zudem auch Vorstandsmitglied und Anteilseigner bei HB Grandi. Rund ¼ aller Frischfische, die jährlich nach Deutschland importiert werden, stammt aus Island. HB Grandi macht davon allein 4 Tonnen Fisch pro Tag aus. Deshalb sieht die WDCS vor allem die deutsche Fischwirtschaft in der Verantwortung.

Walfleischverarbeitung in Akranes

Seit 2006 vermietet HB Grandi ein Fabrikgebäude  auf dem Gelände der HB Grandi eigenen Fischfabrik in Akranes an die Finnwalfangfirma Hvalur hf. In dem Gebäude wird Finnwalfleisch zerlegt und für den Export verpackt. Auf dem Gelände in Akranes verarbeitet HB Grandi unter anderem Rotbarsch, Kabeljau und Seelachs.

Diese Bilder belegen die Zerlegung bzw. Verpackung von Finnwalfleisch für den Export nach Japan (im Hintergrund das alte HB Grandi Logo an der Wand). Das Bild stammt aus dem Jahr 2009, unsere Rechercheergebnisse belegen eine Nutzung der Örtlichkeit auch in den Jahren 2010 und 2011.

Bedrohte Finnwale im Visier der Waljäger

HAFRO, das isländische Meeresforschungsinstitut, hat eine Finnwalquote von 154 Tieren für die Saison 2011/2012 festgelegt, die dreimal höher ist als die Quote, welche die Internationale Walfangkommission (IWC) festlegen würde, wenn das Walfang-Moratorium nicht in Kraft wäre. Bei der letztjährigen IWC-Tagung kritisierten zahlreiche Staaten das isländische Vorgehen.
Der von der WDCS co-verfasste Report "Renegade Whaling" deckt auf, wie Island, internationale Abkommen missachtend, Jagd auf Finnwale macht und in Japan den Markt für das Walfleisch ausweiten will. Der Bericht legt offen, wie Kristjan Loftsson und seine Firma Hvalur hf den Handel mit Finnwalfleisch vorantreiben. In diesem Bericht findet sich eine detaillierte Beschreibung der Verbindungen von HB Grandi und Hvalur hf. Den vollständigen Bericht (in englischer Sprache) finden Sie hier.

Seit 2008 hat Hvalur 273 bedrohte Finnwale erlegt und über 1200 Tonnen des Fleisches und Fettes (mit einem Wert von ca. 17 Millionen US-Dollar) nach Japan exportiert. Über 2500 Tonnen Fleisch und Fett befinden sich in gefrorenem Zustand in Lagerhallen und warten auf einen Verkauf, da Loftsson, der die Transaktionen selbst leitet, die Preise künstlich niedrig hält und einen stärkeren Markt schaffen möchte.

Herstellung von Walmehl geplant

Darüber hinaus ist die WDCS äußerst besorgt über die Ankündigung des Eigentümers von Islands einzigem Finnwalfangunternehmem, der ebenfalls einer der Hauptaktionäre der Fischereifirma HB Grandi ist, in Zukunft auf kommerzieller Basis Walmehl herstellen zu wollen und dieses normalem Fischmehl beizumengen. Wir nehmen an, dass deutsche Verbraucher Fischprodukten aus Aquakulturen, in denen Walmehl zum Einsatz kam, ablehnend gegenüberstehen würden.

Rund ¼ aller Frischfische, die jährlich nach Deutschland importiert werden, stammt aus Island. HB Grandi macht davon allein 4 Tonnen Fisch pro Tag aus. Deshalb sieht die WDCS vor allem die deutsche Fischwirtschaft in der Verantwortung. Während unsere Kollegen in Großbritannien im vergangenen Jahr bereits die britische Öffentlichkeit mit großem Erfolg über die Problematik aufgeklärt haben und sich führende Unternehmen der Fischindustrie sowie große Supermarktketten des Landes- beispielsweise Marks and Spencer - von der Firma Grandi distanzierten, führt die WDCS seit Anfang 2012 ihre Aufklärungskampagne nun verstärkt auch in Deutschland fort und bietet der deutschen Fischindustrie damit die Möglichkeit, sich von Fisch, der mit Walfang in Verbindung gebracht wird, entschieden zu distanzieren.
Der Bundesverband der deutschen Fischindustrie und des deutschen Fischgroßhandels e.V. kam daraufhin dem Aufruf der WDCS nach, seine Mitglieder über die Problematik in Kenntnis zu setzen. Zu einer offiziellen Stellungnahme zur Thematik erklärte sich der Bundesverband jedoch nicht bereit. Die WDCS ist zudem erfreut über die positiven Rückmeldungen viele Unternehmen. Von einigen Unternehmen steht eine Stellungnahme jedoch nach wie vor aus.  


Für weitere Informationen:

Astrid Fuchs
Kampagnen- und Projektbetreuung
WDC – Whale and Dolphin Conservation
Tel.: +49 176 992 441 44
Fax: +49 89 6100 2394
E-Mail: astrid.fuchs@wdcs.org
www.whales.org

Quellen: WDCS, HB Grandi, Vlfa.is, V2