Kanada: Umfangreiche Schutzmaßnahmen für bedrohte Glattwale

Die kanadische Regierung hat umfangreiche Schutzmaßnahmen für die noch verbleibenden Nordatlantischen Glattwale angekündigt. Nur noch ca. 400 Individuen gibt es von dieser Art weltweit, allein in den letzten elf Monaten wurden 18 dieser stark bedrohten Wale tot aufgefunden. Zwölf von ihnen an der Kanadischen Atlantikküste, sechs weitere an der US-Ostküste. Als Haupt-Todesursachen wurden bei der Untersuchung der toten Wale Verfangen in Fischereiausrüstung und Schiffskollisionen festgestellt.

Nordatlantischer Glattwal
Nordatlantischer Glattwal

Nun haben Kanadas Fischereiminister und der Minister für Transport und Verkehr eine Reihe von Maßnahmen vorgestellt, die das Risiko von Schiffskollisionen und Verfangen in Fischereiausrüstung im Golf von St. Lorenz reduzieren sollen:

  • Einführung einer Geschwindigkeitsbegrenzung zwischen dem 28. April und 15. November. Schiffe ab 20m Länge dürften in einem bestimmten Gebiet im westlichen Golf von St. Lorenz nur noch 10 Knoten (19 km/h) fahren. Sollten vorher Glattwale gesichtet werden, tritt die Geschwindigkeitsbegrenzung zu einem früheren Termin in Kraft. Entlang der Ostküste der USA gibt es bereits eine solche Regelung, das Risiko von Kollisionen konnte so um 80-90% reduziert werden.
  • Die Saison für den Krabbenfang soll früher beginnen, damit die Quoten bereits zum größten Teil erfüllt sind, bevor die Glattwale im Gebiet ankommen.
  • Es wird neue Ausrüstung für den Krabbenfang getestet, die weniger Leinen enthalten soll, in denen sich Wale verfangen könnten.
  • Die Reusen werden bis zum 30. Juni aus den Gewässern entfernt, in denen sich die Glattwale aufhalten (zwei Wochen früher als bisher).
  • Im Nahrungsgebiet der Glattwale gilt ab 28. April ein Fangverbot.
  • Gebiete, in denen Glattwale gesichtet, werden temporär für den Fisch- und Krabbenfang mit festinstallierter Ausrüstung geschlossen. Dies gilt für ein Minimum von 15 Tagen und das Gebiet wird erst wieder freigegeben, wenn bei Observationsflügen keine Wale mehr gesichtet werden.
  • Einführung eines Verfahrens, um die Ausrüstung einzelner Schneekrabben-Fischer besser identifizieren zu können.
  • Ausbau der Meldepflichten für Schneekrabben-Fischerei
  • Alle Interaktionen mit Meeressäugern müssen von kommerziellen Fischern gemeldet werden.
  • Erheblicher Ausbau der Beobachtungen mit Flugzeugen und im Wasser.

Zudem soll es auch zukünftig wieder ein Team geben, das für die Befreiung von Walen aus Fischereiausrüstung zuständig ist. Nach dem tragischen Tod von Joe Howlett, der bei einer Befreiungsaktion ums Leben kam, wurden diese eingestellt, bis der Vorfall vollständig aufgeklärt ist. Kanada hat nun eine Million Dollar pro Jahr bereitgestellt, um diese wichtige Arbeit fortzusetzen.

Erst kürzlich hat die private Organisation Marine Stewardship Council (MSC , Entwickler eines Umweltsiegels für Fisch aus nachhaltiger Fischerei) ihre Zertifizierung für Schneekrabben aus dem Golf von Lt. Lorenz vorübergehend aufgehoben. Der Grund sind mehrere Vorfälle, bei denen sich bedrohte Nordatlantische Glattwale in Krabbenfischerei-Ausrüstung verfangen hatten und dabei zu Tode kamen.

Während Kanada nun bedeutende Maßnahmen zum Schutz der bedrohten Glattwale ergreift, hat die US-Regierung nach den letzten Todesfällen noch nichts unternommen, um den Schutz der bedrohten Wale in US-Gewässern voranzutreiben. Wie nötig weitere Schutzmaßnahmen sind, zeigt die Tatsache, dass in diesem Jahr noch kein einziges Baby bei den Nordatlantischen Glattwalen dokumentiert werden konnte.

„Die von Kanada angekündigten Maßnahmen sind ein wichtiger Schritt auf dem Weg zur Rettung dieser Art“ so Regina Asmutis-Silvia, WDC-Geschäftsführerin in Nordamerika. „Die Nordatlantischen Glattwale zu retten ist nicht kompliziert, wir müssen lediglich damit aufhören, sie schneller zu töten, als sie sich fortpflanzen können. Jetzt ist die US-Regierung an der Reihe!”