Gesetzentwurf zum Verbot der Orca-Haltung in Kalifornien: Entscheidung vertagt

Wie WDC bereits berichtete, liegt dem kalifornischen Parlament derzeit ein ambitionierter Gesetzentwurf vor, der die Gefangenschaftshaltung von Orcas zu Unterhaltungszwecken im „Golden State“ für immer beenden könnte. Dieser Gesetzentwurf wurde am 8. April 2014 bei einer Anhörung im Ausschuss für Wasser, Parks und Wildtiere des kalifornischen Parlaments diskutiert. Die endgültige Entscheidung über den Entwurf wurde vertagt.

Gegenstand der Anhörung vom Montag war der Gesetzentwurf AB 2140, der „Captive Orca Welfare and Trainer Safety Act“ - mittlerweile auch als „BLACKFISH-BILL“ (=Blackfish-Gesetzentwurf) bekannt - aus der Feder des Abgeordneten Richard Bloom. Angehört wurden sowohl der Autor des Gesetzentwurfs und seine Experten (unter anderem Dr. Naomi Rose, die bereits seit 20 Jahren gegen die Gefangenschaftshaltung von Walen und Delfinen kämpft und der ehemalige SeaWorld-Trainer John Hargrove) sowie Vertreter von SeaWorld. Auch Anwesende im Saal konnten vor ein Mikrophon treten und ihre Unterstützung für den Gesetzentwurf oder eben ihre Ablehnung kundtun. Die Zahl der Befürworter überstieg die Zahl der Gegner bei weitem und während die Befürworter eine bunte Mischung aus Vertretern von Organisationen und Einzelpersonen aus verschiedenen Alters- und Berufsgruppen war (Mütter mit und ohne ihre Kinder, Schüler, aber auch Geschäftsinhaber etc.), äußerten sich vor allem Vertreter der Tourismus-Industrie, Mitlieder des Verbands der Zoos und Aquarien, Mitarbeiter von SeaWorld und andere Personen, die im Gesetzentwurf eine Bedrohung ihrer wirtschaftlichen Existenz sehen, gegen AB 2140.

Vorsitzender äußert sich positiv zum Gesetzentwurf

Am Ende der Anhörung schlug der Vorsitzende Anthony Rendon vor, den Gesetzentwurf nicht sofort zur Abstimmung zu bringen, sondern zur weiteren Bearbeitung in eine „interim study“ zu schicken, da die Zeit in einer Anhörung einfach zu knapp sei, einem solch komplexen Thema gerecht zu werden. Dieser Vorschlag wurde von allen Beteiligten angenommen. AB 2140 wird also erst 2015 wieder zur Abstimmung vor den Ausschuss kommen. Bis dahin werden sich die Mitglieder des Themas annehmen und auch der Gesetzentwurf selbst wird wohl noch einmal überarbeitet werden, denn einige Forderungen, wie z. B. die Zuständigkeit und Zeitplanung bei der Auswilderung der Schwertwale in abgesperrte Meeresareale, müssen noch spezifiziert werden. Mr. Rendon sagte: „Ich möchte mich bei Mr. Bloom bedanken, dass er dieses wichtige Thema vor den Ausschuss gebracht hat. Wie Sie wissen, Mr. Bloom, habe ich als Vorsitzender des Ausschusses die Empfehlung gegeben, mit ‚ja‘ abzustimmen und ich befürworte diesen Gesetzesentwurf aus ethischen und philosophischen Gründen.“ Und später führte er an: „… Und es ist erfreulich, eine Konversation zu erleben, die sich darauf konzentriert, was am besten für diese Orcas ist anstatt eine Konversation über den Wert dieser Wale was Unterhaltung betrifft oder als Bestandteil eines Finanzportfolios eines großen Unternehmens.“

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung

„WDC begrüßt die Initiative des Abgeordneten Bloom und die klaren Worte des Vorsitzenden Rendon und wir werden den Entscheidungsträgern auch zukünftig mit Hintergrundinformationen zur Gefangenschaftshaltung und Hilfe bei Zeitplänen und Durchführbarkeitsanalysen zur Verfügung stehen.“ so Courtney S. Vail von Whale and Dolphin Conservation - WDC, zur sogenannten „BLACKFISH-BILL“.

„Der vorliegende Gesetzentwurf ist ein erster Schritt um Wildfänge aus der freien Wildbahn, den Import und die Gefangenschaftshaltung von Orcas zu Unterhaltungszwecken zu beenden und die Diskussionen im Umfeld der ersten Anhörung machen deutlich, dass sich auch die Öffentlichkeit klar gegen die Haltung von Orcas in kleinen Betonbecken ausspricht.“ so Courtney S. Vail weiter.

Starke soziale Bindungen

Orcas haben zweifelsfrei eine der ältesten tierischen Kulturen auf unserem Planeten. Die Bedeutung ihrer Kultur und dem damit verbundenen Wissenstransfer von einer Generation zur Nächsten wird deutlich, wenn man berücksichtigt, das beispielsweise Orcamännchen weit über 20 Jahre bei ihrer Mutter leben. Man könnte vielleicht von einem Weltrekord im Ödipuskomplex sprechen. In Gefangenschaft werden die Tiere bereits mit drei oder vier Jahren von ihren Müttern getrennt. Das traurige Resultat: Die traumatisierten und unsozialisierten Jungtiere wachsen ohne ihre Kultur auf und neigen als ausgewachsene Tiere zu Aggressionen gegen sich selbst, ihre Artgenossen aber auch Menschen.

„Es ist höchste Zeit, dass wir unser Verhalten überdenken und die Haltung von Orcas in Gefangenschaft für immer Beenden. Kalifornien geht einen ersten Schritt in die richtige Richtung und wir können nur Hoffen, dass am Ende dieses Weges die Freiheit für Orcas weltweit steht.“ fasst Verhaltensbiologe Dr. Karsten Brensing von WDC die Situation nochmals zusammen.