Russische Behörden empfehlen eine Fangquote von zehn Orcas für 2014

Das Institut TINRO, das pazifische Forschungsinstitut für Fischerei und Ozeanografie, hat am 19. März seine Empfehlung für eine Fangquote von 10 Orcas im fernen Osten Russlands bekannt gegeben.

Sechs Schwertwale wurden im August und Oktober 2013 im Ochotskischen Meer in Russland gefangen genommen (ursprünglich war von sieben gefangen Orcas die Sprache, diese Zahl wurde vom Institut TINRO nun aber auf sechs korrigiert). Das bereits 2012 gefangene Orcaweibchen „Narnia“ und ein männlicher Orca wurden im Dezember 2013 nach Moskau transportiert, mindestens zwei weitere der gefangenen Orcas wurden anschließend nach China, in das neue Aquarium Chimelong Ocean Kingdom, geflogen.

Im Oktober 2013 hatte die Ökologiebehörde Russlands der Fischereibehörde – die für die Vergabe von Fangquoten für Wildfänge verantwortlich ist – die Empfehlung gegeben, eine Null-Quote für den Fang von Orcas zu vergeben. Diese erfreuliche Empfehlung fußte auf der hohen Zahl an gefangenen Orcas 2013 und der Tatsache, dass im Ochotskischen Meer vermutlich zwei unterschiedliche Ökotypen von Orcas leben, deren Bestand unabhängig voneinander betrachtet werden muss. Für ihre Erforschung sind dringend weitere wissenschaftliche Studien notwendig, bevor man in die einzelnen Gruppen eingreift.

Zusätzliche „ökologische Expertise“ kommt zu keiner neuen Erkenntnis

Doch die Empfehlung der Ökologiebehörde wurde von der Fischereibehörde zurückgewiesen, mit der ungewöhnlichen Begründung, dass sich die Behörde zusätzliche „ökologische Expertise“ einholen möchte. Der nun vorliegende Vorschlag von TINRO entspricht 1:1 den Quoten, die die Fischereibehörde bereits in den vergangen Jahren veröffentlicht hatte. In jedem Fall werden die Quoten am 17. April bei einer öffentlichen Anhörung in Wladiwostok diskutiert und zusätzliche wissenschaftliche Expertise herangezogen, bevor die Fischereibehörde die Quoten für 2014 offiziell bekannt gibt.

Verlorene Individuen und zerrissene Familien

Russland ist zurzeit die einzige Region, in der Fangquoten für Orcas erteilt werden und Orcafänge stattfinden. Die Region bedient seit einigen Jahren die weltweite Nachfrage nach Walen und Delfinen (Orcas, aber v.a. auch Weißwale (=Belugas)) für Delfinarien und Aquarien. Nachschub an „frischen Tieren“ wird aufgrund des Todes von Orcas in Gefangenschaft benötigt, um den Bestand an Tieren in diesen Einrichtungen aufzufrischen und durch den Bau neuer Einrichtungen, v.a. in Asien.

Kommt es zum Fang von Orcas in Freiheit, dann bedeutet dies nicht nur ein Leben in Gefangenschaft für einzelne Individuen, sondern auch einen großen Einschnitt für die soziale Gemeinschaft, aus der die Orcas gerissen werden. Die weitreichenden Auswirkungen auf die Populationen in den Fanggebieten können wir nur erahnen. An der Nordwestküste der USA und Kanadas sind Orca-Populationen heute noch immer gefährdet als Folge der intensiven Bejagung vor ca. 40 Jahren.

WDC-Forschungsprojekt FEROP in Russland

Leider werden die Orcas in Russland in einem abgeschiedenen Gebiet gefangen, fern von den Augen der Öffentlichkeit, fern unseres Einflussbereiches. Umso wichtiger sind daher die jahrelangen Bemühungen von WDC und dem lokalen Forschungsteam von FEROP in Russland. Nur durch fundierte wissenschaftliche Studien zum Bestand der Orcas und ihrer Verbreitung können wir die Kenntnisse über die Orcas Russlands verbessern und damit ihren dringend notwendigen Schutz vorantreiben.

Rund um die Lebendfänge im Ochotskischen Meer gab es in den vergangen Jahren viele Spekulationen. Es ist leider unmöglich, immer sofort an offizielle und vertrauenswürdige Informationen zu gelangen: über die Zahl der tatsächlich gefangenen Tiere, ihr Geschlecht und ihr Alter. Es ist an der Zeit, dass die Informationen zu den Fängen auch offiziell bekannt gegeben werden, zur gleichen Zeit ist es sehr wichtig, dass keine weiteren Fänge getätigt werden, bevor ausführliche Studien zur Verbreitung, den unterschiedlichen Ökotypen und Populationen im Ochotskischen Meer und dem fernen Osten Russlands vorliegen.
Derzeit bereitet sich das FEROP-Forschungsteam auf die neue Saison vor, in der nicht nur die Orcas im Ochotskischen Meer näher erfasst werden sollen. Das Team aus jungen russischen WissenschaftlerInnen wird, unterstützt durch Ihre Spenden, auch in Kamtschatka, in der Region der Kommandeur-Inseln – wo neben Orcas auch Buckelwale und Baird-Schnabelwale leben – und in der bisher kaum erforschten Region von Tschukotka, tätig sein.

Helfen Sie uns, die Orcas Russland näher zu erforschen und damit die Lebendfänge in Zukunft zu verhindern. Unterstützen Sie das FEROP-Forschungsteam mit einer Spende!