Der Blackfish-Effekt – Teil II

Bereits vor einigen Tagen haben wir über den „Blackfish-Effekt“ berichtet: Ereignisse im Zusammenhang mit der Dokumentation BLACKFISH. Besonders in den USA schlägt der Film hohe Wellen, das Thema Orcas in Gefangenschaft ist nun nicht mehr nur Gegenstand von Diskussionen unter Wal- und Delfinfans oder Tierschützern sondern ist auch in andere Bereiche vorgedrungen. Fans von Musikern, die ihren Auftritt bei SeaWorld abgesagt haben, diskutieren nun ebenso über SeaWorld und Co., wie Schüler, die bisher wie selbstverständlich ihren Schulausflug in einen SeaWorld-Park unternommen hatten.

Nein zu SeaWorld Motivwägen

Bei der jährlichen Parade der Warenhauskette Macy’s in New York City am 28. November 2013 sprang die 12-jährige Rose McCoy über die Absperrung, um gegen die Teilnahme von SeaWorld mit einem Motivwagen an der Parade zu protestieren, wie ABC News berichtet. Bereits im Vorfeld hatte es Petitionen gegeben, die die Warenhauskette aufforderten, den Motivwagen von SeaWorld nicht an der Parade teilnehmen zu lassen.

Auch bei der „Rose Parade“, die traditionell am Neujahrstag in Pasadena, Kalifornien, USA statt findet gab es Proteste. 19 Personen wurden festgenommen, unter den Festgenommenen war eben jene Rose McCoy, die bereits im November bei der Macy’s Parage gegen den SeaWorld Motivwagen protestiert hatte. In einem Interview mit CBS Los Angeles sagt Rose: „Ich war schon immer gegen die Haltung von Tieren in Gefangenschaft. Ich denke nicht, dass Tiere nur dazu dienen sollten, uns zu unterhalten. Durch den Film BLACKFISH habe ich viel gelernt“.

Tatsächlich hat weder der Name des Motivwagens „Sea of Surprises“ (Meer der Überraschungen) noch die Aufmachung (zwei große und ein kleiner Orca inmitten anderer Meeresbewohner im farbenfrohen Ozean) etwas mit der Realität der in Marineparks gehaltenen Schwertwale zu tun: sie müssen in sterilen Betonbecken leben, bekommen toten Fisch zu fressen, müssen unnatürliche Verhaltensweisen in Shows vorführen und werden zum Teil bereits im jungen Alter von ihren Müttern getrennt.

Hat SeaWorld eine Online-Umfrage manipuliert?

Nur ein paar Tage nach der Neujahrsparade machte SeaWorld erneut Schlagzeilen: die Zeitung Orlando Business Journal hatte seine Leser am 31.12.2013 zu folgender Frage abstimmen lassen: „Hat die CNN-Dokumentation ‚Blackfish‘ ihre Meinung über SeaWorld geändert?“ Zwei Tage später sah das Ergebnis überraschend klar aus: 99% der Stimmen entfielen auf die Antwort „Nein“. Beim näheren Hinsehen entdeckte man allerdings Unregelmäßigkeiten: 54% der 328 abgegebenen Stimmen kamen von einer einzigen IP-Adresse… und diese gehört … seaworld.com! SeaWorld Sprecher Nick Gollattscheck äußert sich dazu wie folgt: „Unsere Angestellten fühlen sich dem Unternehmen und den Parks stark verbunden und wir ermutigen sie dazu, ihre Meinung kundzutun. Wenn eine Umfrage bezüglich SeaWorld online gestellt wird haben unsere Angestellten wie jeder andere auch das Recht, abzustimmen und ihre Meinung zu äußern. Wir wissen nicht, warum das hier in Frage gestellt wird. In diesem Fall wurde jede Stimme, die von der SeaWorld-Domain abgegeben wurde, von einem Angestellten abgegeben, der mit Leidenschaft hinter der Arbeit von SeaWorld und den Erfahrungen, die unsere Parks bieten, steht.“ Mittlerweile wurden die fleißig abstimmenden SeaWorld-Angestellten aber eindeutig überstimmt: 86% der Stimmen entfallen nun auf die Antwort „Ja“.

Journalisten mit ehrlichen Worten

Der Journalist James McWilliams aus Austin, Texas, USA, hatte bereits zwölf Artikel für das weltweit erfolgreiche Wirtschaftsmagazin Forbes Magazine geschrieben. Aber der dreizehnte Artikel, eine kritische Betrachtung von SeaWorld im Zusammenhang mit Blackfish, sollte sein letzter sein. Auf seiner Webseite schreibt McWilliams: „Nach dem der Artikel online ging, verlangte das Management Änderungen, die ich nicht mit meinem Gewissen vereinbaren konnte. Also wurde der Artikel von der Webseite genommen (nach 77.000 Aufrufen an einem Tag) und ich verließ das Magazin“. Der Artikel ist nun auf McWilliams eigener Webseite zu lesen. Seine Folgeartikel „Leidet ein Orca nicht in Gefangenschaft?“  mit einem Interview mit der Biologin und Orca-Expertin Dr. Naomi Rose ist eine spannende Zusammenfassung, vieler wissenschaftlicher Erkenntnise.
 
Trotz dieser Entwicklungen gab SeaWorld bekannt, dass die Parks des Unternehmens im 4. Quartal 2013 Rekord-Besucherzahlen verzeichnen konnten und das Jahreseinkommen des Unternehmens 2013 das höchste in der 50-jährigen Geschichte des Unternehmens sei. Man kann nur hoffen, dass sich das bald ändert, denn Rekord-Umsatzzahlen auf Kosten intelligenter und sensibler Meeressäuger und anderer Tiere sind nicht akzeptabel.

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