Athleten des Meeres wollen nicht nach Sotschi

In wenigen Tagen beginnen die Olympischen Winterspiele im russischen Sotschi. Olympiade steht für wahren Geist der Sportlichkeit und die Ehre der Mannschaften. Doch die Kehrseite der Medaille ist alles andere als glänzend: Russland entwickelt sich zum weltweit grössten „Lieferanten“ von lebenden Kleinwalen für die Vergnügungsparkindustrie. Die Tiere sollen in Sotschi als Zuschauerattraktion der Olympiade und Tourismusmagnet genutzt werden. Die Öffentlichkeit protestiert dagegen mittels Petitionen. Whale and Dolphin Conservation (WDC) und OceanCare setzen sich dafür ein, dass das Fangen von Walen und Delfinen weltweit verboten wird.

Vom 7. bis zum 23. Februar 2014 ist Russland erstmals Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Bereits heute dümpeln Delfine – Grosse Tümmler – in fünf Delfinarien in Sotchi vor sich hin. Viele stammen aus der brutalen Delfintreibjagd in Taiji, Japan. Ein Delfin soll sogar das Olympische Feuer mittragen. Mindestens sieben Orcas haben Walfänger seit dem Sommer 2013 vor der russischen Ostküste eingefangen. „Wir hoffen, dass die Orcas nicht in den Delfinarien vor den Toren der Olympiade zur Schau gestellt, sondern mittelfristig auf Grund des Drucks der Öffentlichkeit freigelassen werden. In Zeiten von Finanzkrisen ist es noch absurder, Schwertwale und Delfine zu fangen, über Tausende Kilometer einzufliegen und Millionen Euro teure Betonbecken zu bauen, um für zwei Wochen ein Wintersportpublikum im Stile von dubiosen Freizeitparks zu unterhalten. Alles auf Kosten intelligenter Meeressäuger. Es braucht strikte ethische Grundnormen für derartige internationale Grossereignisse“, so Nicolas Entrup, Campaigner von OceanCare und WDC.

Orcas gemacht für die Freiheit

Die schwarz-weissen Orcas – auch Schwertwale genannt – sind sehr sozial. Sie werden bis zu neun Meter lang und bis zu neun Tonnen schwer – somit sind sie die grösste Delfinart. Die intelligenten Meeressäuger leben in Familien, die sogar eigene Sprachen entwickeln. Ihr Zuhause sind die unergründlichen Tiefen der Ozeane. „Zirka 30 Tiere haben russische Walfänger mit einem Netz eingekreist, ein Tier erstickte darin, das gefangene Weibchen verstarb wenige Wochen später im Delfinarium“, beschreibt Entrup eine Orcajagd. Nach brutalem Fang und Transport werden jene Tiere, die überleben, in Delfinarien willkürlich zusammengewürfelt. Fortan schwimmen sie auf engstem Raum in einer für sie unnatürlichen Umgebung. Als Wildtiere sind sie ohne Rückzugsmöglichkeit pausenlos der Präsenz von Menschen ausgesetzt. Sie können nicht ausweichen, sich nicht zurückziehen und stehen unter Dauerstress im künstlich aufbereiteten und mit Chlor versetzten Wasser. Dass die Gefangenhaltung von Walartigen nicht artgerecht und mit einer hohen Mortalität verbunden ist, ist wissenschaftlich belegt. Doch die Nachzucht von Walen und Delfinen in Gefangenschaft ist nicht nachhaltig, weshalb Wildfänge für Ersatz und Erhalt der Gruppen in Gefangenschaft hinhalten müssen. Mit den Orcafängen in Russland ist die Anzahl der weltweit in Gefangenschaft gehaltenen Orcas bis heute auf 54 angestiegen.

Russlands Walfang boomt

Während in Japan die Orcas schon fast ausgerottet sind, boomt der Walfang in Russland. Dies nachdem u.a. in der EU, in den USA, Australien und Argentinien der Fang von Kleinwalen verboten oder unterbunden worden ist. Allein im letzten Jahrzehnt wurden mindestens 100 Weisswale von Russland nach China exportiert.

Für die Freilassung der Tiere

Mit Petitionen ans Internationale Olympische Komitee bringen Menschen aus aller Welt ihre Betroffenheit zum Ausdruck und verlangen die Freilassung der Tiere. WDC und OceanCare setzen sich mit vereinten Kräften ein, für ein Fangverbot von Waltieren aus freier Wildbahn. Ein sportliches Ziel, dass die Meeresschutzorganisationen mit kontinuierlichem Einsatz, einer ehrenhaften Mannschaft und Fairness angehen.

Petitionen ans IOC zur Freilassung der Orcas

Keine Delfine als Feuerträger

Verlinkung Resolution ACCOBAMS

Eine Aufstellung der derzeit in Gefangenschaft lebenden Orcas weltweit >>>