Sea World Kalifornien: Orca Ike verletzt


Orca Ikaika mit Verletzungen (c) beeskneesss

Seit kurzem im Internet zirkulierende Fotos zeigen, dass Ikaika (Ike), der 9 Jahre alte Orca, der nach einem fünfjährigen Aufenthalt im Marine Land in Niagara Falls, Kanada, ins SeaWorld Aquarium in San Diego (Kalifornien, USA) zurück gebracht wurde, verletzt ist.

Berichten von Stammkunden des Parks zufolge hat Ike seit Ende Juli nicht mehr an Shows teilgenommen, wahrscheinlich aufgrund seiner Verletzung. Die Fotos zeigen, dass Ike eine sehr lange Schnittwunde unter dem Kinn erlitten hat. Dem Aussehen der Wunde nach zu urteilen könnte diese von den Metallsperren zwischen den Becken stammen, die zur Sicherheit der Trainer in dem Park benutzt werden.

Ähnliche Metallsperren werden seit Juli 2009 auch im Loro Parque auf Teneriffa entlang der Beckenwände und Plattformen benutzt, die die einzelnen Becken voneinander trennen (und wo der Trainer Alex Martinez im Dezember 2009 von Orca Keto getötet wurde) Orca-Männchen Tekoa, der im Loro Parque lebt, wurde im Herbst 2009 mit ähnlichen Verletzungen wie nun Ike gesehen. Diese Verletzungen lassen darauf schließen, dass diese Absperrungen eine zusätzliche Gefahrenquelle für die Orcas in diesen Parks sind. 

Ike war seit November 2006 zu Zuchtzwecken im Marineland in Kanada gewesen und wurde dann zu SeaWorld in San Diego zurück gebracht, nach dem das Zuchtabkommen mit dem Marineland von SeaWorld beendet wurde, da man sich Sorgen um Ike’s Wohlbefinden machte. SeaWorld argumentierte, dass Ike’s Sicherheit und Wohlbefinden im Marineland nicht gewährleistet war und nannten als Gründe Zahnentzündungen, Aggressionen in der Gruppe und einige andere Fakten. Sie benutzten dabei teilweise die gleichen Argumente, die die WDCS gegen die Gefangenschaftshaltung von Orcas generell anführt.

In einem Verfahren, das sich zu einem internationalen Streit um das „Sorgerecht“ für Ike entwickelte, verklagte das Marineland SeaWorld erfolglos und Ike wurde im November 2011 nach San Diego zurück gebracht.

Ironischerweise hat Ike seit seiner Rückkehr zu SeaWorld und dem Versuch, sich wieder in die Orca-Hierarchie des Parks zu integrieren, eine Reihe an Verletzungen erlitten, inklusive tiefer Kratzer, die im Dezember 2011, also kurz nach seiner Rückkehr aus dem Marineland, beobachtet wurden.
 
Diese aktuellen und auch vergangenen Fälle von Verletzungen zeigen nicht nur die Schwierigkeiten, die es bei der Integration in instabile und bestehende Orca-Gruppen innerhalb eines mit extremem Stress verbundenen Lebens in Gefangenschaft gibt, sondern heben auch die Sicherheitsrisiken für Orcas und auch Menschen bei SeaWorld hervor. Selbst wenn die Metall-Absperrungen erfolgreich die Distanz zwischen Orcas und Trainern gewährleisten könnten (wie es die Sicherheitsbehörde OSHA in den USA fordert) so wären sie wegen der Verletzungen, die sie den Orcas in den Becken zufügen, bereits wieder unbrauchbar.

Es ist nicht ungewöhnlich, dass Orcas zwischen einzelnen SeaWorld Parks hin und her transportiert werden oder sogar ins Ausland, wie das Beispiel der vier SeaWorld-Orcas zeigt, die 2006 in den Loro Parque nach Teneriffa in Spanien geflogen wurden. Der Transport von einem Park in den anderen bedeutet für die Tiere extremen Stress, wie das Beispiel von Orca-Weibchen Morgan zeigt, die auch im November 2011 vom Delfinarium in Harderwijk in den Niederlanden in den Loro Parque in Spanien transportiert wurde. Wie Ike in San Diego leidet auch Morgan beim Versuch sich in die soziale Hierarchie der Gruppe dort zu integrieren unter dem aggressiven Verhalten der anderen Orcas im Loro Parque.

Da die Liste von Argumenten gegen die Haltung von Orcas in Gefangenschaft stetig wächst und die Unterstützung für die Gefangenschaft in der Bevölkerung zu schwinden scheint, fordert die WDCS weiterhin ein Ende dieser Praxis. Die körperlichen, sozialen und mentalen Bedürfnisse von Orcas können in Gefangenschaft nicht ausreichend befriedigt werden und die Vergnügungspark-Industrie ist auch eine Bedrohung für Orca-Populationen in freier Wildbahn, die das Ziel von Fangaktionen als Nachschub für die Parks sind.

Quelle: Tim Zimmermann