Internationale Walfangkommission erteilt Kommerzialisierung des grönländischen Walfangs eine Absage

Panama-Stadt, 5. Juli 2012: Als Reaktion auf einen Bericht der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS und des Animal Welfare Institute AWI, der die weitläufige Kommerzialisierung des grönländischen Walfangs und den Verkauf von Walfleisch an Touristen aufgedeckt hatte, haben empörte Mitglieder der IWC bei der heutigen Abstimmung über den Antrag Grönlands, seine Walfangaktivitäten auszuweiten, diesem eine klare Absage erteilt.

Als Folge der Abstimmung hat Dänemark, das den Antrag für Grönland eingereicht hatte, nun überhaupt keine Quote zugesprochen bekommen.

Grönland (eine autonome Überseeregion Dänemarks) hatte eine Quotenerhöhung für die Jagd auf bedrohte Finnwale sowie Buckelwale gefordert, das Fleisch sollte angeblich zur Sicherung der Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung dienen. Die Quoten hätten für die nächsten sechs Jahre gegolten. Die Undercover-Recherche der WDCS und AWI deckte jedoch auf, dass Grönland das von der IWC verhängte Verbot des kommerziellen Walfangs aktiv untergraben hatte und das Walfleisch offen in einem Großteil der Restaurants und Supermärkte verkaufte.

Die EU hatte Dänemark eine Überarbeitung seines Antrags angeboten, Dänemark lehnte dies jedoch strikt ab und forderte eine Abstimmung über den ursprünglichen Vorschlag.
Bei dieser Abstimmung sprachen sich 34 Länder gegen den Antrag aus und 25 Länder dafür. 3 Länder enthielten sich.

Die Kritik an Grönland wurde vom Block der Lateinamerikanischen Staaten, der so genannten Buenos Aires Group, angeführt, die darauf hinwiesen, dass es kaum noch einen Unterschied zwischen dem kommerzialisierten Subsistenzwalfang der Grönländer und tatsächlichem Kommerziellen Walfang gäbe.

Äußerungen von Dänemark, dass Grönland den Verkauf des Walfleisches an Touristen nicht unterbinden werde und dass grönländische Walfänger die Wale auch  mit Baseballschlägern zur Strecke bringen dürften, wenn sie dies wünschten, halfen dem Antrag nicht gerade weiter.
Die Europäische Union tat sich mit ihrer Stellungnahme aufgrund interner Verwirrung  über den nötigen Abstimmungsprozess anfangs schwer. Die WDCS arbeitete eng mit der Europäischen Kommission zusammen und unterstütze diese mit Rechtsanalysen zum Sachverhalt, so dass die EU-Staaten, die die Besorgnis hinsichtlich der Entwicklungen des Walfangs in Grönland teilten, schließlich eine EU-interne Abstimmung über den Antrag erreichten.

„Die EU hat mit Ihrer Entscheidung ein deutliches Signal an Dänemark und die internationale Gemeinschaft gesandt und klar dargelegt, dass sie den Kommerziellen Walfang in keiner Form toleriert. Wir begrüßen es sehr, dass die Europäische Union sich auf ihre Verantwortung einer klaren Vertretung des EU-Rechts und der Interessen der europäischen Bevölkerung besonnen hat. Die EU hat am heutigen Tag bewiesen, dass sie zu einer konsequenten Umsetzung ihrer Umweltpolitik in der Lage ist", sagt Laura Döhring, Kampagnenleiterin der WDCS Deutschland.

Als Reaktion auf den Bericht der WDCS und AWI haben zudem eine Vielzahl europäischer Reiseveranstalter versichert, dass sie auf Grönlandreisen ihre Kunden nicht zum Konsum von Walfleisch animieren werden. (1)

Die Aufweichung der Grenze zwischen kommerziellem- und Subsistenzwalfang, vor der die WDCS schon seit Jahren warnt, möchte auch von Südkorea nutzen. Das Land hatte gestern bekannt gegeben, den Walfang zu wissenschaftlichen Zwecken für sich in Anspruch nehmen zu wollen.

Chris Butler-Stroud, Geschäftsführer der WDCS International, sagt dazu: “ Ob die Südkoreaner ihre Ankündigung einer Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs unter dem Deckmantel der Wissenschaft wahr machen werden, bleibt abzuwarten. Die heutige IWC Entscheidung im Hinblick auf Grönland sollte ihnen jedoch zu denken geben.“

Für weitere Informationen:

Laura Döhring
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit WDCS Deutschland (in Panamá)
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E-Mail: laura.doehring@wdcs.org

Astrid Fuchs
Kampagnen- und Projektbetreuung WDCS Deutschland
Tel.: +49 176 99 244 144
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