Niederlande: Gestrandeter Orca verbleibt in Gefangenschaft


Das Delfinarium in Harderwijk will "Morgan" nicht freilassen. Foto: Jan van Twillert

Tierschützer kritisieren die Entscheidung der Verantwortlichen eines niederländischen Delfinariums, einen vor einigen Monaten gestrandeten Orca nicht frei zu lassen.

Der „Morgan“ benannte weibliche Schwertwal war im Juni 2010 im Wattenmeer gestrandet und soll nun den Rest seines Lebens in dem Betonbecken verbringen, wodurch sowohl Lebensqualität als auch Lebenserwartung stark eingeschränkt ist. Zahlreiche renommierte Wissenschaftler und  Walschutzorganisationen, die als „Free Morgan Koalition“ den Verantwortlichen des Delfinariums in Harderwijk einen Vorschlag zur Auswilderung vorgelegt haben, kritisieren den Entscheid.

Auswilderungsplan liegt dem Delfinarium vor

Cathy Williamson von der internationalen Wal- und Delfinschutzorganisation WDCS glaubt, dass der detaillierte Auswilderungsplan umgesetzt werden sollte. Gesundheit und Wohlbefinden des Orcas seien nun bedroht und keine verhältnismäßige Alternative zu der sanften Rehabilitation und potentiellen Auswilderung des Orcas.
”Die Lebenserwartung von Orcas in Gefangenschaft ist weitaus geringer als in freier Wildbahn. In Freiheit überleben weibliche Schwertwale wie Morgan durchschnittlich bis zu 80 oder mehr.  In Gefangenschaft überleben Schwertwale nur wenige Jahre.“ so die Sprecherin der WDCS.

"Experten" des Delfinariums haben möglicherweise nicht alle notwendigen Informationen

Die Free Morgan Koalition erkennt die Bedenken der “Experten” an, die vom Delfinarium Harderwijk und der Niederländischen Regierung einberufen wurden, um ihre Einschätzung der Umsetzbarkeit einer Freilassung Morgans abzugeben, befürchtet jedoch, dass den "Experten" nicht alle notwendigen und relevanten Informationen zur Verfügung gestellt wurden, von denen viele bereits im Free Morgan Auswilderungsplan identifiziert worden sind.

Der Free Morgan Auswilderungsplan wurde dem Delfinarium Harderwijk als auch der Öffentlichkeit  mit dem Ziel zur Verfügung gestellt, legitimierte und präzise Information als auch ausgewogene und sachkundige Auswilderungs-Varianten zu liefern. Zusätzlich hoffte man, dass ein solches Dokument dem Delfinarium bei der Entscheidungsfindung helfen würde. Leider fand weder das Dokument Erwähnung im aktuellen Bericht des Delfinariums hinsichtlich Morgan, noch wurde sich auf die Experten des Beirats bezogen.

Option der Auswilderung je in Erwägung gezogen?

„Man wird den Eindruck nicht los, dass die Verantwortlichen die Option einer Auswilderung überhaupt nie wirklich in Erwägung gezogen haben“, sagt Nicolas Entrup, Geschäftsführer der WDCS in Deutschland.

Im niederländischen Delta Park Neeltje Jans wurde eine halbnatürliche Stelle identifiziert, die Morgan eine weitaus größere Anlage in einer Meerwasser-Umgebung bieten könnte. Dieses Areal würde Morgan ebenfalls die Möglichkeit geben, sich gesundheitlich zu erholen und sich wieder ein natürliches Verhalten anzueignen, um sie auf eine mögliche Rückkehr in die Freiheit vorzubereiten. Ohne diese Möglichkeit könnte sich Morgans Gefangenschaft langfristig schädigend auf ihren Gesundheitszustand und ihr Überleben auswirken, so die Befürchtungen der Free Morgan Koalition.

>> Morgan Release Plan als pdf (Englisch)
>> zur Website der Free Morgan Koalition

Warum Orcas nicht in Gefangenschaft gehalten werden können

Ein Schwertwal in freier Wildbahn legt täglich bis zu 160 Kilometer zurück und schwimmt dabei teilweise mit einer Rekordgeschwindigkeit von bis zu 56 Km/h. Die beeindruckenden Tiere faszinieren Menschen seit Urzeiten, und werden von manchen Völkern wie Gottheiten verehrt. Doch leider brachte den Orcas diese Beliebtheit nicht nur Positives: Seit den 60er Jahren wurden unzählige Orcas gefangen genommen um in Shows und Aquarien weltweit das zahlende Publikum zu unterhalten.Die durchschnittliche Lebensdauer in Gefangenschaft beträgt für die Tiere ungefähr 10 Jahre – was im krassen Gegensatz zu dem Alter von 60 Jahren für freilebende Männchen und sogar 90 Jahren für freilebende Weibchen steht.

Individuen verstehen sich untereinander nicht

Ein Leben in Gefangenschaft bedeutet großes Leid für die sozialen Tiere: Einmal aus ihrem Familienbund herausgerissen werden sie gezwungen, auf engsten Raum mit fremden Artgenossen zu leben. Oft haben die aus der ganzen Welt verschleppten Tiere verschiedene Dialekte und es ist nicht auszuschließen, dass dies zu sozialen Spannungen unter den Tieren führen kann.

Becken nur doppelt so lang wie die Tiere selbst

Die viel zu kleinen Becken, die nur doppelt so lang sein müssen wie der Orca selbst, tun ihr übriges dazu. Ein Schwertwal, der in freier Natur 60 Meter tief im fast grenzenlosen Ozean tauchen kann, ist in einem nur 4 Meter tiefen Becken (Mindesttiefe) voller künstlichen, mit Chlor angereicherten Salzwasser extrem in seinem natürlichen Bewegungsdrang eingeschränkt und überlebt diese Tortur nur selten länger als 10 Jahre.

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