Chinesischer Flussdelfin ausgestorben

Die Suche nach dem letzten Chinesischen Flussdelfin bleibt nach sechswöchiger Expedition im Dezember 2006 entlang des Jangtze-Flusses erfolglos. Ein internationales Team von Wissenschaftlern nutzte sowohl visuelle als auch akustische Überwachungstechniken, um einen vollständigen Überblick der Region zu gewinnen, jedoch konnte kein einziges Tier gesichtet werden. Experten halten die Spezies nun für ausgestorben.

Die WDCS ist über das Verschwinden des Baijis oder Chinesischen Flussdelfins zutiefst bestürzt. Es handelt sich um die erste Wal- und Delfinart, für dessen Ausrottung erstmals allein der Mensch verantwortlich ist. Der nun als ausgestorben gelistete Baiji repräsentierte nicht nur eine der endemische Arte im Jangtze, sondern eine gesamte endemische Artenfamilie, die sich vor 20 Millionen Jahren ohne Verbindung zu anderen Walen und Delfinen zu einer eigenständigen Art entwickelte. Man bezeichnete den Baiji oftmals als ,lebendes Fossil’. Er überlebte bis heute, ohne sich verändert zu haben, seit er vor ungefähr 3 Millionen Jahren als erster seiner Art das offene Meer verließ, um im chinesischen Jangtze einen neuen Lebensraum zu finden.

Die internationale Projektkoordinatorin der WDCS, Nicola Hodgins, sagt: „Das Aussterben des Baijis sollte als Warnung angesehen werden und uns Menschen dazu bewegen zu überdenken, was für verheerende Auswirkungen auf Wildtiere und die Natur unsere Aktivitäten haben können. Der Yangtze-Fluss, heute einer der am meisten verschmutzten Flüsse der Welt, ist Lebensraum für um die 350 Millionen Menschen – und Wildtiere und Pflanzen. Es war niemals wichtiger, zu handeln, um die Ausrottung von anderen gefährdeten Wal- und Delfinarten zu verhindern.“

Es ist unmöglich, die genaue Ursache des Aussterbens einer Art zu bestimmen, da einzelne Arten sowohl direkt als auch indirekt durch mehr als einen Faktor beeinträchtigt werden und diese Faktoren sehr oft in nicht vorhersehbarer Weise kumulieren. Im Fall des Baijis sind die Faktoren, die mit hoher Wahrscheinlichkeit ausschlaggebend für das Aussterben dieser Art waren, der Verlust seines Lebensraumes durch Lärm- und chemische Verschmutzung, Überfischung mit Einsatz von giftigen Substanzen und Dynamit sowie starker Bootsverkehr.

Das enorme ökonomische Wachstum und die explosionsartige Bevölkerungszunahme (die aktuelle Populationsschätzung liegt bei 1,3 Milliarden Chinesen) haben den Baiji und den Yangtze-Fluss selbst in den letzten Jahren massiv unter Druck gesetzt.

Für den Baiji selbst ist es zu spät, doch die chinesische Regierung ist nun bemüht, das Aussterben der Indischen Schweinswale im Yangtze und anderer mariner Arten in ihren Gewässern zu verhindern. Es werden Maßnahmen diskutiert, um diese Arten unter Schutz zu stellen. Die WDCS ist zurzeit auf der Suche nach Möglichkeiten, die Behörden in China bei ihren Bemühungen um den Schutz von Walen und Delfinen zu unterstützen. Unsere Arbeit zum Schutz von bedrohten Arten und Populationen in Asien beinhaltet Projekte zum Schutz des Ganges- und Indus-Flussdelfins, um diese Arten vor dem gleichen Schicksal wie dem des Baiji zu bewahren.

Nicola Hodgins von der WDCS fährt fort: „Von der Ausrottung dieser einzigartigen Tierfamilie können wir Wichtiges lernen. Dieses Thema betrifft nicht nur China. Regierungen auf der ganzen Welt müssen aufwachen und Notiz davon nehmen, wie leicht eine menschliche Aktivität dazu beitragen kann, dass eine Art ausstirbt.

Im Mittelmeer war der Gemeine Delfin einst mit mehreren Tausend Individuen vertreten. In den letzten 40 Jahren sind die Populationen dermaßen zurückgegangen, dass der Gemeine Delfine nun in der Roten Liste der Weltnaturschutzorganisation im Mittelmeer als stark gefährdet gelistet ist. Die WDCS finanziert gemeinsam mit OceanCare die wichtige Forschungsarbeit des italienischen Tethys Research Institutes zu den Nahrungsgewohnheiten, der Verteilung und dem Vorkommen dieser Tiere. Mit diesen Daten sind wir in der Lage, effiziente Management-Strategien zu entwickeln und die Öffentlichkeit für den Schutz der Gemeinen Delfine zu sensibilisieren. Die WDCS setzt sich mit allen Mitteln dafür ein, dass der Gemeine Delfin vor dem Aussterben bewahrt wird.

Der Irawadi-Delfin lebt in seichten tropischen und subtropischen Gewässern des Indischen Oceans und des Pazifiks, um Indonesien, Nordaustralien und Südostasien. Wir wissen, dass eine Population des Irawadi-Delfins in Indonesien im Mahakam-Fluss und dem damit verbundenen Seensystem in Ost-Kalimantan lebt. Die Weltnaturschutzorganisation (IUCN) hat diese Population als “vom Aussterben bedroht” gelistet. Die WDCS finanziert über die Arbeit von engagierten Wissenschaftlern umfassende Schutz- und Bildungsprogramme zum indonesischen Irawadi-Delfin, um das langfristige Überleben dieser Art zu gewährleisten.

Diese beiden Beispiele repräsentieren nur einen kleinen Teil der Schutzprojekte der WDCS. Das Jahr 2007 ist vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen zum Jahr des Delfins ausgerufen worden und die WDCS ist gemeinsam mit der Bonner Konvention zum Schutz wandernder Tierarten Gründungspartner dieser Initiative. Es ist dies eine wichtige Gelegenheit, die zunehmenden Bedrohungen für Wale und Delfine zu adressieren und Regierungen dazu zu bringen, rasch zu handeln, um die fortwährende Zerstörung von Lebensräumen, die chemische Verschmutzung und Lärmbelastung der Ozeane, den unbeabsichtigten Beifang von Arten im Rahmen von Fischerei und viele andere Bedrohungsfaktoren für Wale und Delfine zu stoppen.

Nicola fährt fort: „Es war für die WDCS und unsere Unterstützer niemals wichtiger, unsere intensive Arbeit zum Schutz von bedrohten Delfinarten auf der ganzen Welt fortzusetzen, wissenschaftliche Forschung zu unterstützen und auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene für den Schutz von Walen und Delfinen zu kämpfen sowie die Öffentlichkeit auf die zahlreichen Probleme aufmerksam zu machen und gemeinsam Lösungen zu finden.“

„Regierungen, Unternehmen und Individuen auf der ganzen Welt können alle dazu beitragen, dass es nicht wieder dazu kommt, dass eine Wal- und Delfinart ausstirbt. Gefährdet sind allen voran der Ganges- und der Indus-Flussdelfin und die wenigen verbliebenen, im Süßwasser beheimateten Populationen des Irawadi-Flussdelfins – die Populationszahlen von all diesen Arten sind rückläufig. Es gibt Lektionen, die gelernt werden können, und Aktionen, die gesetzt werden können ... und die WDCS wird weiterhin alles dafür tun, dass Wale und Delfine in ihrem natürlichen Lebensraum überleben können.“