Island schlachtet ersten Finnwal nach zweijähriger Pause

Nach zwei Jahren Pause hat das isländische Walfangschiff Hvalur 8 heute den ersten Finnwal harpuniert und angelandet. Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC kritisiert die Wiederaufnahme des Finnwalfangs in Island stark. Der nun getötete Wal markiert den Beginn einer Saison, in der bis zu 238 der streng geschützten Meeresriesen geschlachtet werden könnten.

Pressemitteilung 22. Juni 2018

Der Geschäftsführer der Walfangfirma Hvalur hf, Kristján Loftsson, löste mit seinen neuen Plänen zur Verwertung der getöteten Finnwale internationale Kritik aus. Das zweitgrößte Tier der Welt soll zu Eisenpräparaten und anderen Nahrungsergänzungsmitteln verarbeitet werden.

Astrid Fuchs, Kampagnenleiterin bei WDC äußerte sich empört: "Mit der Fortsetzung der Jagd auf eine bedrohte Walart missachtet Island weiterhin den Artenschutz. Die Ankündigung, aus den Finnwalen nun Nahrungsergänzungsmittel herzustellen, setzt Herrn Loftssons Walfang auf eine Stufe mit der Nashorn- oder Löwenwilderei.“ 

Zum ersten Mal seit der Wiederaufnahme des kommerziellen Walfangs im Jahr 2006 ermöglicht Islands selbst zugeteilter Finnwalfang den Walfängern, ihre Jagd auf die Gewässer im Osten des Landes auszuweiten.

Finnwalfleisch wird in Island nicht gegessen; der Hauptmarkt ist Japan. Seit 2008 wurden mehr als 8.800 Tonnen Walfleisch und Walspeck nach Japan verschifft, obwohl der internationale Handel mit Walfleisch im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES) verboten ist. Sowohl Island als auch Japan haben gegen dieses Verbot jedoch einen Vorbehalt eingelegt.

Die Unterstützung für den Finnwalfang durch Islands Bevölkerung sinkt seit Jahren. Eine Umfrage des isländischen Meinungsforschungsinstituts MMR aus dem Jahr 2018 ergab, dass nur 34 Prozent der Isländer den Walfang unterstützen, ein Rückgang um 26 Prozent gegenüber 2013. 34 Prozent der Bevölkerung lehnen den Walfang aktiv ab, verglichen mit 18 Prozent im Jahr 2013.

Auch die isländischen Medien sind der Walfangindustrie gegenüber kritisch eingestellt. Ein kürzlich erschienener Artikel in der Zeitung Fréttablaðið bezeichnete Loftssons Idee, Walfleisch in Eisenpräparate zu verwandeln, als "einen verzweifelten Vorwand zur Fortsetzung des Walfangs".

 

Kontakt Interviews: Astrid Fuchs, astrid.fuchs@whales.org; Tel: 0176 9924 4144

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