Fragen und Antworten zu Whaling

Was ist das Walfang-Moratorium bzw. das Verbot des kommerziellen Walfangs?

Als deutlich wurde, dass die Anzahl getöteter Wale nicht nachhaltig war und ein Walbestand nach dem anderen an den Rand der Ausrottung gelangte, beschloss die IWC 1982 ein Verbot des kommerziellen Walfangs (= Moratorium), das im Jahr 1986 in Kraft trat.

Mehr Infos zur Internationalen Walfangkommission (IWC)

Welche Länder betreiben kommerziellen Walfang und warum tun sie das, wenn es doch ein Moratorium gibt?

International ist der kommerzielle Walfang verboten (die Fangquote für kommerzielle Walfangaktivitäten wurde auf 0 gesetzt). Norwegen erkennt das Moratorium nicht an und setzt eigenmächtig kommerziellen Walfang fort. Japan deklariert seine Walfangaktivitäten als „wissenschaftlich“ und beruft sich dabei auf das Vertragsrecht der ICRW, Artikel VIII, das Ländern ermöglicht, Genehmigungen für solche Aktivitäten zu erteilen. Island verließ 1992 die IWC und trat 10 Jahre später wieder der IWC bei, dabei meldete es einen sogenannten Vorbehalt gegenüber dem Moratorium an und sieht sich selbst somit nicht daran gebunden. Diese drei Staaten töten ca. 1600 Wale pro Jahr. Auch in Grönland entwickeln sich Walfangaktivitäten in eine Richtung, die zunehmend unter kommerziellen Gesichtspunkten gesehen werden müssen.

Wie viele Wale wurden seit Bestehen des Moratoriums getötet?

Fast 45.200 Wale wurden seit Bestehen des Moratoriums getötet. Diese Zahl schließt den Substistenz-Walfang durch indigene Völker (ASW) mit ein.

Seit Inkrafttreten des Moratoriums fielen 36.773 Wale kommerziellen Walfangaktivitäten zum Opfer. Davon töteten japanische, norwegische und isländische Walfänger 30.648 Wale.

  • Japan tötete mehr als 19.167 Wale: 5.519 „unter Einwand“ bis 1987/88; als es seinen Einwand fallen ließ, 13.648* während der Jagd zu „wissenschaftlichen Zwecken“ im Rahmen von JARPA und JARPN
  • Norwegen tötete 10.395 Wale seit der Küstenwalfangsaison 1985/86: zum größten Teil "unter Einwand", jedoch auch einige zu „wissenschaftlichen Zwecken“
  • Island tötete 1.086 Wale seit 1986 - über die Hälfte davon seit der Wiederaufnahme des Walfangs 2003 sowohl unter dem Deckmantel der Wissenschaft als auch im Rahmen seines so genannten "Einwands" gegen das Moratorium
  • 8.395 wurden im Rahmen des indigenen Subsistenzwalfangs (ASW)* getötet
  • Die ehemalige Sowjetunion tötete 6.056 Wale unter Einwand zwischen 1985 und 1987; Südkorea erlegte 1986 69 Wale unter Berufung auf sein Vertragsrecht auf wissenschafltichen Walfang in Artikel VIII

Die Tausenden Kleinwale und Delfine, die ebenfalls seit 1985 von Walfängern getötet wurden, sind in diesen Zahlen nicht enthalten.

 * Wir haben derzeit keine offiziellen Zahlen von der IWC für die Fangsaison 2010/11. Die Daten für das letzte Jahr basieren auf Presseberichten aus eigenen Quellen.

Welche Walarten werden derzeit zu kommerziellen Zwecken gejagt?

Finnwale, Zwergwale, Bryde-Wale, Seiwale, Buckelwale und Pottwale.

Werden zusätzlich andere Wale zu kommerziellen Zwecken gejagt?

Japan jagt auch kleinere Wale und Delfine*, behauptet jedoch, dass diese nicht in den Zuständigkeitsbereich der IWC fallen.

*Zu diesen Arten gehören Dall-Schweinswale, Indische Grindwale, Unechte Schwertwale sowie Große Tümmler, Pazifischer Weißstreifendelfine, Streifendelfine, Gemeine Delfine, Zügeldelfine und Rundkopfdelfine.

Erlaubt die IWC irgendeine andere Art der Bejagung?

Seit der Gründung der IWC erkennt jene den subsistenziellen und kulturellen Bedarf bestimmter Ureinwohner an, eine begrenzte Anzahl von zum Teil stark gefährdeten Walarten, wie etwa dem Grönlandwal, zu jagen. Derzeit erlaubt die IWC die Jagd auf Grauwale, Grönlandwale, Finn-, Buckel- und Zwergwale im Rahmen der Kategorie des indigenen Substinenzwalfangs (Aboriginal Subsistence Whaling ASW).

Wie werden Wale getötet – ist es human?

Mit Moratorium oder ohne, Walfang ist immer inhuman und Wale sind nicht für eine nachhaltige Nutzung geeignet (sie haben eine lange Lebenserwartung und eine geringe Reproduktionsrate). Es gibt keine tierfreundliche Methode, einen Wal auf See zu töten und es kann dafür keinen standardisierten Prozess geben: Wale sind ein bewegliches Ziel, die von einem sich bewegenden Fahrzeug in einem sich bewegenden Medium, dem Meer, getötet werden. Explosive Harpunen liefern Wale einem lang andauernden und schmerzhaften Todeskampf aus.

Ist die Walfangindustrie im Niedergang begriffen?

Sie ist momentan wirtschaftlich unrentabel und kann ohne staatliche Subventionen nicht überleben. Der Markt für das Fleisch ist nicht groß genug, der Großteil wird eingelagert. Zudem sind Walprodukte meist stark kontaminiert – mit Schadstoffen belastet – und stellen ein Gesundheitsrisiko für den Konsumenten dar.

Was passiert mit dem Walfleisch?

Da die Nachfrage sinkt, wird der Großteil eingelagert und eingefroren. Internationaler Handel mit Walfleisch ist noch illegal, aber erst vor kurzem wurde Walfleisch in Restaurants in Südkorea und in den USA entdeckt. Einige der Walfangländer nutzen ähnliche „Einwände“ im Rahmen des Washingtoner Artenschutzabkommens (CITES), um den Handel untereinander zu legitimieren.

Es geht aber nicht nur um das Walfleisch, sondern auch um Walprodukte in Kosmetikprodukten und Nahrungsergänzungsmitteln und um Walmehl. Die Vermutung liegt nahe, dass Walfangstaaten neue Produkte entwickeln, um die Absatzchancen zu erhöhen. Wir haben bereits den Verdacht, dass Schweinen in Dänemark mit Tierfutter, in dem Walbestandteile erhalten waren, gefüttert worden sein könnten.

Stimmt es, dass Wale uns den ganzen Fisch wegessen und wir sie deshalb töten müssen?

Nein! Unabhängige wissenschaftliche Daten zeigen klar, dass die Nahrungsaufnahme durch Wale keine große Beeinträchtigung für den kommerziellen Fischfang darstellt.
Dieses Argument wird v.a. von jenen vorgebracht, die den kommerziellen Walfang rechtfertigen und von den hausgemachten Problemen der Fischerei ablenken möchten, nämlich Überfischung, Fang bzw. Beifang von Nicht-Zielfischen, Mangel an Kontrolle und fehlende Durchsetzung von Konsequenzen.

Stimmt es, dass auf den Färöer Inseln jedes Jahr Wale gejagt werden?

Jedes Jahr werden - entgegen der Empfehlungen der Gesundheitsbehörden - hunderte Grindwale und weitere Arten auf den Färöer Inseln, einem semi-autonomen Gebiet Dänemarks, ihres Fleisches wegen gejagt. Die eingesetzten Jagdtechniken bedeuten großen Stress für die Tiere und sind sehr grausam. Hier finden Sie mehr Informationen zum Walfang auf den Färöer Inseln. Diese Jagd wird als „Treibjagd“ bezeichnet. Während die Färinger derzeit Jagd auf kleine Wale machen, wurde dort in der Vergangenheit kommerzieller (Groß-)Walfang betrieben. Ähnliche Jagden finden in Japan statt, bei denen einige Tiere an Delfinarien verkauft werden.