Fragen und Antworten zu Pollution

Welche Arten von Meeresverschmutzung sind gefährlich für Wale und Delfine?

Müll, Chemikalien, Öleintragungen, Giftstoffe und Lärm können gefährliche Auswirkungen auf Wale und Delfine haben.

Wie nehmen Wale und Delfine ihre Umgebung wahr?

Die Bandbreite der akustischen Wahrnehmung der Cetaceen (Wale und Delfine) ist wesentlich größer als die der Menschen. Ein gesundes menschliches Gehör kann Geräusche zwischen 20Hz und 20kHz gut wahrnehmen. Wale und Delfine haben im Verlauf der Evolution die Fähigkeit erworben, sowohl im Infraschallbereich (unterhalb von 20Hz, vor allem bei Großwalen) als auch im Ultraschallbereich (oberhalb von 20kHz und bis zu 150 kHz oder darüber, vor allem bei Zahnwalen) zu hören. Der Gehörsinn ist der wichtigste Sinn bei Delfinen und Walen! Darüber hinaus besitzen sie einen ausgesprochen guten Sehsinn, einen Geschmackssinn (jedoch KEINEN Geruchssinn!) sowie natürlich die Fähigkeit, Berührungen wahrzunehmen (die Haut von Delfinen z.B. ist sehr empfindlich).

Wie kommunizieren Wale und Delfine?

Kommunikation findet sowohl innerhalb als auch zwischen den Arten statt und setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen: Schallwellen werden vorwiegend über größere Distanzen eingesetzt, visuelle und taktile Signale spielen bei geringen Distanzen eine Rolle. Die Körpersprache umfasst auch Bewegungen, die Schallwellen erzeugen, wie das Schlagen mit der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche. Zu den von Zahnwalen produzierten Lauten zählen hochfrequente Klicks, schnelle Klickabfolgen (auch als Rufe bezeichnet) und Pfiffe, die vor allem für viele Delfinarten typisch sind. Bei Bartenwalen kennt man Laute im Infraschallbereich, die wie ein Stöhnen oder Jammern klingen. Neben der akustischen Kommunikation und derjenigen im direkten Kontakt, spiel bei den sozial organisierten Delfinen und walen auch die Körpersprache eine wichtige Rolle. Schwimmrichtung, Körperhaltung, Bewegungen - daran kann ein Artgenosse sehr viel über sein Gegenüber ablesen.

Welche Faktoren spielen bei der Auswirkung von Lärm auf Tiere eine Rolle?

Wie sich Lärm auf die Tiere auswirkt, hängt von einer Fülle von Faktoren ab. Zunächst einmal davon, um welche Art von Lärm es sich handelt, also von Quelle, Intensität, Frequenz, Dauer der Beschallung, etc. Auf der anderen Seite spielt es beispielsweise auch eine Rolle, wie weit das Tier von der Lärmquelle entfernt ist, ob es sich in Küstennähe oder auf dem offenen Meer, an der Oberfläche oder in der Tiefe befindet und wie sensibel es für bestimmte Frequenzen ist.

Gibt es Alternativen zu Sonar?

Als Alternative zu aktiven militärischen Sonargeräten kann, wenn auch nicht in jedem Einsatzbereich, die Anwendung der sogenannten "Ambient Noise Imaging" Technologie angesehen werden. Dabei wird der allgemeine Hintergrundschall als Schallquelle benutzt und die Veränderung des Hintergrundschalls gibt Aufschluss über mögliche Objekte im Wasser. Ziel dieser Technik ist die bildhafte Darstellung von Objekten unter Wasse, die selbst keine Geräusche von sich geben. Derzeit beschäftigen sich mindestens zwei Institutionen mit technischen Applikationen einerseits dem Acoustic Daylight Ocean Noise Imaging System (ADONIS: University of California, San Diego - Marine Physical Lab / Buckingham Lab) und weiter dem ROMANIS (Remotely Operated Mobile Ambient Noise Imaging System: Acoustic Research Laboratory Tropical Marine Science Institute, National University of Singapore).

Sind bestimmte Wal- und Delfinarten durch Lärm mehr bedroht als andere?

Grundsätzlich sind alle Wal- und Delfinarten von Lärm bedroht. Je nach Frequenzbereich der Lärmquelle kann es aber zu Unterschieden kommen (niedrige Frequenzen treffen eher Bartenwale, mittlere und hohe Frequenz eher Zahnwale). Auch reagieren unterschiedliche Arten mit extremen Verhalten auf teilweise geringe Lautstärken. Dies betrifft z.B. Schnabelwale, die wohl aus Panik zu schnell auftauchen und dann die Taucherkrankheit bekommen und daran verenden. Man konnte auch nachweisen, dass Wale bereits in vielen Kilometern Abstand zu einer Lärmquelle auf sie reagieren. Z.B. weiss man, dass beim Bau von Offshore-Windrädern in der Nordsee Schweinswale in einem Umkreis von bis zu 20 km (oder gar noch mehr) das Gebiet verlassen.

Was sind atypische Walstrandungen?

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen typischen und atypischen ("unnatürlichen") Walstrandungen. Typische oder auch natürliche Walstrandungen betreffen zumeist einzelne Tiere oder Gruppen derselben Art. Atypische Walstrandungen hingegen betreffen oft Tiere unterschiedlicher Arten ( wie z.B. Schnabelwale). Außerdem treten sie üblicherweise in einem größeren räumlichen Umkreis und zur gleichen Zeit auf. Solche atypischen Walstrandungen werden oft in Verbindung mit militärischen (Navy-) Manövern gebracht, bei denen sehr laute Sonargeräte zum Einsatz kommen. Diese wirken entsprechend in einem großen Umfeld auf alle Wale ein, von denen einige dann stranden.

Wieviele Meeressäuger sind von militärischem Lärm bedroht?

Es ist sehr schwierig, hier eine genaue Zahl zu nennen. Wichtig ist zu beachten, dass bei den Strandungen vermutlich die wenigsten Tiere an Land schwimmen und dass militärische Manöver in allen Weltmeeren vielfach auf offener See stattfinden. Somit ist es sehr wahrscheinlich, dass die meisten betroffenen Tiere auf den Meeresboden sinken und wir Menschen nur von einem Bruchteil der getöteten Tiere erfahren! Diese These wird durch die Beobachtungen des Meeresbiologen Ken Balcomb, der seit 1992 auf den Bahamas Wale studiert, bestätigt. Er sichtete ein Jahr nach der Massenstrandung im März 2000 kaum noch Schnabelwale in den Gewässern um die Insel Abaco. Natürlich ist es auch denkbar, dass die Tiere aufgrund der schlechten Erfahrung das Gebiet verlassen haben.

Der Tod eines Tieres ist der Extremfall, daneben kann es durch Lärm auch zu Verletzungen des Gehörs kommen - mit dann ebenfalls tödlichen Folgen, denn ein funktionierendes Gehör ist überlebenswichtig für Delfine und Wale. Aber auch bereits eine einfache Störung, welche kontinuierlich oder gar chronisch auftritt, kann zu Stress führen. Man muss heute davon ausgehen, dass es kaum noch Wale und Delfine gibt, die durch den zunehmenden Lärm im Meer nicht mindestens beeinträchtigt, wenn nicht gar gestört oder geschädigt werden. Die Massenstrandungen nach Militärmanövern, über die regelmäßig berichtet wird, sind definitiv nur die Spitze des Eisberges.

Warum stört Delfine der Schiffslärm nicht, wenn sie auf Bugwellen reiten?

Es treten zwei physikalische Effekte auf: Einerseits gibt es vor dem Bug einen Schallschatten, in dem es nicht so laut ist und andererseits können sich die hohen Amplituden, die ein Schiff im tiefen Frequenzbereich abgibt, im Oberflächenwasser nicht entwickeln. Somit ist es im Oberflächenwasser direkt vor dem Bug um vieles leiser, als man erwarten würde. 

Delfine erzeugen selber ausgesprochen laute Geräusche und haben ähnlich wie wir Menschen eine hohe Toleranz gegenüber energiereichem Schall. Diese Toleranz hat aber ihre Grenzen und diese sind insbesondere dann erreicht, wenn der Lärm sich über eine lange Zeit (Stunden oder länger) akkumuliert. Dies ist auch der Grund, warum das Thema Lärm beim Arbeitsschutz eine so wichtige Rolle spielt, es aber für uns Menschen in Ordnung ist, z.B. eine sehr laute Disko zu besuchen. Wir nehmen den Lärm in Kauf, da wir einen entsprechenden Vorteil genießen, z.B. Spaß in der Disko. Beim Reiten auf einer Bugwelle könnte es sich um einen ähnlichen Effekt handeln. Die Tiere könnten Spaß daran finden oder aber sie nutzen einfach die Energie des Schiffes, um effizienter in einer bestimmten Richtung vorwärts zu kommen - oder beides!