Fragen und Antworten zu Captivity

Warum ist es falsch, Wale und Delfine in Gefangenschaft zu halten?

Delfine sind hochintelligente Tiere. In freier Wildbahn leben sie in komplexen sozialen Gruppen. In Gefangenschaft haben Wale und Delfine eine geringere Lebenserwartung als in freier Wildbahn. Wild lebende Delfine können am Tag bis zu 160 Kilometer schwimmen. In Gefangenschaft haben sie sehr wenig Bewegungsfreiheit und zeigen ein unnatürliches Verhalten. Das künstliche Umfeld in Gefangenschaft kann das natürliche niemals ersetzen.

Ist es möglich, Wale und Delfine nach einem Leben in Gefangenschaft (auch wenn sie in einem Aquarium geboren wurden) erfolgreich auszuwildern?

WDC ist der Meinung, dass es allen Walen und Delfinen ermöglicht werden sollte, die für ein Leben in freier Wildbahn nötigen Fähigkeiten wieder zu erlernen. Dies wird allerdings nicht in allen Fällen von Erfolg gekrönt sein. WDC unterstützt die Forderung, Meeressäuger im Rahmen so genannter „Ruhestands-Programme“ in ein natürlicheres Umfeld, wie eine Meeresbucht, zu bringen, wo sie keine Kunststücke mehr vorführen müssen.

Welche Größe müsste ein Becken haben, um Wale und Delfine adäquat in Gefangenschaft halten zu können?

Da Delfine zum Beispiel bis zu 160 Kilometer am Tag schwimmen können, kann kein Becken diesem Anspruch gerecht werden. Es ist zudem unmöglich, ihre natürliche Umgebung in Gefangenschaft nachzubilden. Dazu gehören u.a. Gezeiten, Strömungen, aber auch sämtliche Unterwasserfauna und –flora sowie ein artspezifisches Beutespektrum, um eine natürliche Jagd möglich zu machen. Denn in einem Delfinarium werden Delfine an der Wasseroberfläche mit totem Fisch gefüttert. In freier Wildbahn jagen sie unter Wasser. Ganz unabhängig von den Dimensionen der Becken sowie der unnatürlichen Gruppenzusammensetzung in Delfinarien sind wir überzeugt davon, dass Wale und Delfine nicht in Gefangenschaft gehalten werden dürfen, da sie ein Recht auf ein Leben in Freiheit haben. Mehr zum Thema „Rechte für Wale und Delfine“ lesen Sie hier.

Ist das Chlor in den Wasserbecken gut für die Gesundheit der Tiere?

Das Chlor hilft, das Wasser in den Becken sauber aussehen zu lassen. Es kann aber zu einem Problem für die Gesundheit der Tiere (mit Auswirkungen auf Haut und Augen) werden. Gechlortes Beckenwasser ist eine Voraussetzung dafür, dass sich Delfine und Menschen in ein und demselben Becken aufhalten dürfen, zum Beispiel während einer Delfinshow. In ungechlortem Wasser könnte der Mensch auf Grund der Erreger im Kot & Urin der Delfine erkranken – aber auch andersherum sind für die Delfine gefährliche Erkrankungen durch Übertragung von Menschen möglich. Dennoch kann eine Ansteckung trotz für die Delfine belastender Chlorierung nicht vollständig ausgeschlossen werden.

Spielen Wale und Delfine gerne mit Bällen und Reifen, was man in den Delfinarien-Shows häufig sieht?

Wale und Delfine werden trainiert, um diese Kunststücke vorzuführen. Das Training beruht auf klassischer Konditionierung (wie bei Hunden). Wenn die Delfine richtig auf die Zeichen der Trainer reagieren, werden Sie mit einem Fisch belohnt, wenn nicht, bekommen sie nichts. Durch das Training wird zwar ein Teil der Langeweile kompensiert, allerdings mangelt es über den Rest der Zeit an Reizmangel im Vergleich zu einer natürlichen Umgebung. 

Ist das Lachen der Delfine ein Zeichen dafür, dass sie sich wohlfühlen?

Delfine können im Gegensatz zum Menschen ihre Gesichtsmuskeln nicht bewegen. Somit scheinen sie sogar im Falle einer Krankheit oder Verletzung zu lachen.

Was geschieht mit Walen und Delfinen, wenn gerade keine Shows stattfinden?

Sie befinden sich dann in der Regel in einem Aufenthaltsbecken. Diese sind oft kleiner als die Show-Becken. Das Zusammensein von Delfinen, die nicht miteinander auskommen, kann zu Stress und Aggression führen, dem die Meeressäuger nicht entfliehen können. In freier Wildbahn werden Konflikte meist vermieden, indem sie einfach voneinander wegschwimmen. 

Delfine ernähren sich in freier Wildbahn von frischem Fisch. In Gefangenschaft werden sie mit gefrorenem Fisch gefüttert. Beeinflusst das die Gesundheit der Delfine?

Delfine sind Raubtiere, die in freier Wildbahn bis zu 50% ihrer Lebenszeit mit der Jagd nach Fisch verbringen. In Gefangenschaft können sie dieses natürliche Verhalten nicht ausleben. Gefrorener Fisch wird außerdem mit Vitaminen, Mineralstoffen und Wasser versetzt, was vermuten lässt, dass sein Nährwert geringer ist. Zudem macht die Fütterung mit aufgetautem Fisch zeitweilen eine separate Süßwassergabe mittels einer Sonde nötig, da weniger Wasser darin enthalten ist als in frischem Fisch. In freier Wildbahn nehmen Delfine Flüssigkeit allein über die Beute auf.

Ist es einen gute Idee, verschiedene Wal- und Delfinarten im gleichen Becken zu halten?

Wale und Delfine in einer Einrichtung stammen oft aus verschiedenen Regionen und Populationen. Die Tiere werden in Gefangenschaft oft dazu gezwungen, mit anderen Arten oder Populationen (einschließlich Arten, denen sie in freier Wildbahn nie begegnen würden), zusammenzuleben. Dabei kann es zu Verständigungsproblemen kommen. Denn wie bei uns Menschen haben einige Delfine regionale Dialekte entwickelt.

Woher stammen die Wale und Delfine in den europäischen Delfinarien und Aquarien?

Sie sind verschiedener Herkunft – einige stammen aus der freien Wildbahn, während andere aus anderen Delfinarien kommen. Die Schwertwale im Loro Parque auf Teneriffa zum Beispiel wurden von SeaWorld in den USA ausgeliehen. In Europa gibt es keine Institution, die den Transport von Delfinen zwischen den Delfinarien dokumentiert und diese Information zugänglich macht.

Warum sollte ich mit meinen Kindern kein Delfinarium besuchen? Ich würde ihnen gern diese einzigartigen Tiere zeigen. Wo soll ich hingehen, wenn ich Wale und Delfine sehen möchte?

Aus vielen Gründen, von denen manche bereits erwähnt wurden. Wale und Delfine haben in Gefangenschaft ein kurzes und eingeschränktes Leben, in dem sie regelmäßig dieselben Kunststücke vorführen müssen. Sie wurden in der Regel ihren Familien entrissen und werden dazu gezwungen, den begrenzten Raum mit Tieren zu teilen, die sie nicht kennen. Europa bietet zahlreiche Möglichkeiten, mit einem verantwortungsbewussten Anbieter Wale und Delfine in freier Wildbahn zu sehen. Mehr Informationen finden Sie unter http://www.walbeobachtung.de oder unter der Telefonnummer 089 61002393.

Nützen Forschungsergebnisse aus Delfinarien frei lebenden Delfinen?

Wale und Delfine zeigen kaum natürliche Verhaltensweisen in einem Delfinarium. Jagdverhalten fehlt beispielsweise völlig. Wale und Delfine sind intelligente, soziale Tiere, die in freier Wildbahn in unterschiedlichen Gruppen leben. Je nach Gruppenkonstellation unterscheidet sich das Verhalten. Mit der einen Gruppe wird gespielt, wohin gegen mit der anderen Gruppe gejagt oder geschlafen wird. Die Haltungsbedingungen ermöglichen den Delfinen keinerlei Auswahl der Gruppenpartner und sorgen damit zu stark veränderten Verhaltensweisen. Die meisten Forschungsergebnisse aus Delfinarien können deshalb für den Schutz der Tiere in freier Wildbahn nicht von Nutzen sein, sondern dokumentieren lediglich unterschiedliche Haltungsformen.

Gibt es einen Beweis dafür, dass die Delfintherapie funktioniert?

Es gibt keinen wissenschaftlichen Beweis, dass Delfintherapie einen langfristigen Nutzen für die Beteiligten hat.

Die Befürworter der Delfintherapie geben an, diese Therapieform könne bei einer ganzen Reihe physischer und psychologischer Leiden eingesetzt werden. Zwei unabhängige Prüfungen von Wissenschaftlern der Emory Universität zeigen jedoch, dass diese Behauptung jedweder wissenschaftlicher Gültigkeit entbehrt.

Despite DAT’s extensive promotion to the general public, the evidence that it produces enduring improvements in the core symptoms of any psychological disorder is nil. ” (Marino and Lilienfeld 2007). Darüberhinaus wird angemerkt, dass “Teilnehmer an der Delfintherapie als auch Eltern, die diese Behandlungsmethode für ihre Kinder in Betracht ziehen, sollten darüber in Kenntnis gesetzt werden, dass für diese Therapie noch immer ein empirischer Test ausständig ist” (Marino & Lilienfeld 1998).

Es gibt heute zahlreiche andere tiergestützte Therapieformen, bei denen Haustiere eingesetzt werden und die möglicherweise sogar in nächster Nähe zum Wohnort durchgeführt werden können.

Warum bedrohen Delfinarien Wale und Delfine in freier Wildbahn?

Fangversuche in freier Wildbahn sind brutal, zielen sie doch auf die gesamte Gruppe, wobei letztendlich nur junge und gesunde Tiere entnommen werden. Diese stellen aber die zukünftige Generation der Populationen dar, welche möglicherweise bereits durch andere Faktoren gefährdet ist. Die Auswirkungen für die betroffene Population können sehr groß sein, v.a. in Bezug auf die Gruppendynamik und die Weitergabe von Wissen (z.B. Aufzucht und Jagd) in die nächste Generation.

Warum setzt ihr euch für die Befreiung von in Gefangenschaft lebenden Walen und Delfinen ein? Was ist mit all den anderen in Zoos lebenden Tieren?

WDC konzentriert sich ausschließlich auf Wale und Delfine (Cetacea), hier liegt unsere internationale Expertise. WDC schätzt und befürwortet darüberhinaus die engagierte Arbeit anderer Organisationen, die sich um das Wohlbefinden und den Schutz von anderen in Gefangenschaft lebenden Tieren kümmern. Weitere Informationen über Wildtiere in Zoos: www.endcaptivity.org und www.euzooinquiry.eu

Was kann ich tun, um zu helfen?

Werden Sie aktiv! Besuchen Sie keine Delfinarien und erzählen Sie FreundInnen und Verwandten von den Missständen in diesen Einrichtungen. Spenden und helfen Sie damit WDC, ihre Arbeit für das Ende von Delfinarien weltweit fortzusetzen. Hier können Sie weitere Unterstützungsmöglichkeiten finden!

Was tut WDC, um zu helfen?

WDC setzt sich für eine Welt ein, in der Wale und Delfine nicht mehr in Gefangenschaft leben müssen. Des weiteren arbeitet WDC intensiv an strengeren Bestimmungen für den Schutz von Walen und Delfinen vor Gefangenschaft und internationalem Handel. Wir engagieren uns auf nationaler, regionaler und internationaler Ebene ein, treten an Regierungen heran, führen unabhängige Untersuchungen durch, dokumentieren die Situation gefangener Delfine und schaffen Öffentlichkeit für das Thema.

Warum arbeitet WDC mit SEA LIFE zusammen?

SEA LIFE spricht sich gegen die Gefangenhaltung von Walen und Delfinen aus und unterstützt die Argumente von WDC. Wir sind der Meinung, dass der Standpunkt von SEA LIFE und Merlin Entertainments mit der ablehnenden Haltung von WDC gegenüber Delfinarien vereinbar ist. WDC kooperiert schon viele Jahre mit SEA LIFE. Diese Beziehung ist ein Gewinn für den weltweiten Schutz von Walen und Delfinen. Wir sind  davon überzeugt, dass Partnerschaften mit engagierten Institutionen wie SEA LIFE wichtig sind, um eine bessere Zukunft für Wale und Delfine zu erreichen.


Merlin Entertainments und WDC

Bei Merlin Entertainments handelt es sich um den Mutterkonzern von SEA LIFE. Zu Merlin Entertainments gehören Touristenattraktionen auf der ganzen Welt, darunter Madame Tussauds und das London Eye. Im Rahmen seiner Expansion erwarb Merlin in der Vergangenheit u.a. auch Themenparks, in denen Wale und Delfine in Gefangenschaft gehalten werden.

Das Unternehmen hat WDC gegenüber bekräftigt, dass es nicht sein Wunsch ist, Wale und Delfine zu halten oder in die langfristige Zurschaustellung involviert zu sein. Daher ist Merlin mit der Bitte an WDC herangetreten, das Unternehmen zu beraten, um die bestmögliche Zukunft für die Meeressäuger in seiner Obhut zu ermöglichen.

Wie wollen wir Delfinen in Gefangenschaft ein besseres Leben ermöglichen?

Hierbei handelt es sich um eine jahrzehntelange Diskussion. Die Delfinarienindustrie argumentiert bis heute, dass es keine Alternativen für Meeressäuger in Gefangenschaft gebe und dass diese in ihrer Obhut am besten aufgehoben seien. Wir glauben jedoch, dass wir uns an einem Wendepunkt in der Geschichte der Gefangenschaftshaltung befinden.
WDC und Merlin Entertainments bemühen sich gemeinsam, die weltweit erste praktikable Lösung für das Problem zu entwickeln. Wir arbeiten mit dem Unternehmen zusammen, um ein europäisches Schutzzentrum für jene Großen Tümmler zu errichten, die derzeit in von Merlin Entertainments aufgekauften Einrichtungen leben. Dieser Ort steht ganz im Zeichen von naturnaher Rehabilitation und „Altersruhe“, aber gleichzeitig soll er auch das Potential haben, zukünftig als Wiederauswilderungsstätte für alle Delfine zu dienen, die in Einrichtungen in Europa gehalten werden (sofern dies möglich ist).

Das Projekt ist aufregend und gleichzeitig sehr arbeits- wie auch kostenintensiv. Als gemeinnützige Organisation müssen wir mit einer Firma zusammenarbeiten, die nicht nur über das nötige Geld, sondern auch die Expertise darüber verfügt, wie ein solches Großprojekt zu realisieren ist. WDC hat bereits einige potentielle Orte vorgeschlagen sowie ein inhaltliches Konzept, wie eine solche Einrichtung funktionieren könnte, vorgelegt – unter ständiger Berücksichtigung aller physischen wie psychologischen Bedürfnisse der Meeressäuger.

Was ist Delfintherapie (engl. Dolphin Assisted Therapie oder DAT)?

Delfintherapie erfreut sich durch eine Vielzahl von Angeboten auf der ganzen Welt als "Wundermittel" für Menschen mit körperlicher oder geistiger Behinderung wachsender Beliebtheit unter den tiergestützten Therapien. Bei der Delfintherapie treffen zwei unterschiedliche Arten unter beiderseits außerordentlichen Umständen aufeinander: Die Teilnehmer der Therapie, für gewöhnlich Kinder oder Erwachsene mit körperlicher oder geistiger Behinderung oder emotionalen Problemen und die Delfine, die in Gefangenschaft leiden und Teil einer wilden Population waren, die unter dem Eingriff des Menschen ebenfalls extrem beeinträchtigt wurde.

Ist Delfintherapie sicher?

Delfine bleiben Wildtiere und unberechenbar, auch wenn sie trainiert sind. Teilnehmer an Schwimmprogrammen haben deshalb schon Verletzungen wie Schnitte, Bisse oder Knochenbrüche erlitten. Delfine sind große, starke Tiere und sich mit ihnen im Wasser zu befinden, stellt immer ein gewisses Gesundheits- und Sicherheitsrisiko dar. Die Übertragung von Krankheiten ist ebenfalls ein Problem, da Delfine Krankheiten auf Menschen übertragen können. Obwohl Delfine möglicherweise vorher auf solche untersucht werden, scheint es keine gesetzliche Vorschrift zu geben und manche Einrichtungen sind möglicherweise gar nicht dafür ausgestattet.  

Welchen Bestimmungen unterliegt Delfintherapie?

Es liegen keine spezifischen nationalen Bestimmungen für diese Therapieform vor. Es ist deshalb für Behörden nicht möglich, die Einhaltung von Gesundheits- und Sicherheitsstandards sicherzustellen. Desweiteren sind Anbieter von Delfintherapie nicht verpflichtet, eine spezielle Ausbildung oder ein Zertifikat vorzuweisen. Es gibt kein gesetzliches Regelwerk für Delfintherapie. Deshalb ist es für Teilnehmer, ihre Familien und ihre Betreuer nur begrenzt möglich, die Qualifikationen bzw. das Wissen und die Erfahrung der Anbieter zu beurteilen.

Wie sieht das Leben eines in der Therapie eingesetzten Delfins aus?

Delfine in Gefangenschaft leiden oft unter Stress und Krankheiten und haben eine stark verminderte Lebenserwartung. Ihr normales Verhaltensrepertoire – Jagd, Forpflanzung, Sozialleben, Ruhen – können sie in Gefangenschaft nicht in natürlicher Weise ausleben.

Betsy Smith gilt als Pionierin der Delfingestützten Therapie, distanzierte sich aber 2003 öffentlich von dieser Therapieform:

It is a rather cynical and deceptive practice by dolphinarium and swim-with-programs owners. Some certified therapists with no dolphin knowledge will charge exorbitant fees for treatment that can be done without dolphins… At the heart of all these therapy programs is the exploitation of vulnerable people and vulnerable dolphins”