Erschütternde Zahlen: 2016 strandeten so viele Schweinswale wie nie zuvor

WDC-Pressemitteilung vom 01.09.2017
München, 30.08.2017:Die Wal- und Delfinschutzorganisation WDC ist bestürzt über aktuelle Forschungsergebnisse zu Schweinswal-Strandungen im Jahr 2016. Das Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung untersuchte 318 Schweinswal-Totfundeaus Schleswig-Holstein und kam zu erschreckenden Ergebnissen. Viele Tiere starben als Beifang in Fischernetzen, darauf weisen Netzmarken bei den untersuchten Schweinswalen hin. Der Tod durch Beifang ist noch immer eine der größten Gefahren für Deutschlands einzigen heimischen Wal. Ost- und Nordsee sind für ihn keine sicheren Lebensräume– doch die Bundesregierung setzt bis heute keine effektiven Schutzmechanismen ein.
Unter anderem stellt der Bericht die Untersuchungsergebnisse zu 33 Tieren im Detail vor. Von diesen 33 Tieren sind zehn Wale als Beifang in Fischernetzen gestorben und sieben wahrscheinlich Opfer einer Delfinattacke geworden. Außerdem zeigten 55% der untersuchten Schweinswale einen Parasitenbefall, der auf einen schlechten Gesundheitszustand der Tiere hindeutet. Verschmutzung des Lebensraumes und Kontamination der Tiere mit Schadstoffen können dazu führen. Mindestens ein Tier kam als Folge von Gehörschäden ums Leben.
„Der Bericht legt ein erschütterndes Zeugnis über den Zustand der Populationen in deutschen Gewässern ab“, so Fabian Ritter, Meeresschutzexperte bei WDC. „Wir dürfen nicht vergessen, dass es sich ausschließlich um die Totfunde aus dem Bundesland Schleswig-Holstein handelt, diejenigen aus Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern kommen noch hinzu. Wir sprechen hier außerdem nur über diejenigen Tiere, die tatsächlich gefunden bzw. gemeldet werden. Die Dunkelziffer kennt niemand, sie ist aber vermutlich (sehr) hoch“.
Verletzungen durch Delfine
Von September bis Dezember 2016 hielt sich ein männlicher Großer Tümmler in der Deutschen Ostsee auf. Im selben Zeitraum wurden sieben tote Schweinswale gefunden, die ungewöhnliche Verletzungen aufwiesen. Die äußeren Verletzungen waren nur gering, die inneren – z.B. vielfache Rippenbrüche – hingegen massiv. Dies lässt darauf schließen, dass die Schweinswale von einem Großen Tümmler getötet wurden. Derselbe Große Tümmler, der sich in der deutschen Ostsee aufhielt, wurde in Dänemark während eines Angriffs auf einen Schweinswal gefilmt, was diese Vermutungen untermauert.
Die Zahl der Totfunde in der Ostsee steigt
Auf der Insel Sylt gab es 2016 ein Rekordhoch von 102 toten Schweinswalen. Dennoch ist die Zahl der Totfunde in der Nordsee in den letzten Jahren insgesamt leicht gesunken. Dies könne mit der Verschiebung des Lebensraums der Tiere zusammenhängen, da sich dieser in südlichere Gewässer verlagert.
Warum die Zahl der Totfunde in der Ostsee weiter steigt bleibt ungeklärt. Durch Zählungen aus dem Jahr 2016 ist bekannt, dass der Bestand der Tiere nicht größer wird. Die Zahl der Beifänge und entsprechender Verdachtsfälle ist deshalb alarmierend.
„Wir wissen heute, dass der Beifang von nur einem Tier pro Jahr in der zentralen Ostsee für die dortige kleine Population zu viel ist. Außerdem darf ‚Nachhaltigkeit’ nicht als eine Beifangquote gemessen werden, die eine Population ‚aushält’. Bei langlebigen und fühlenden Säugetieren wie Walen geht es stets um jedes Individuum“, so Ritter.
Die vielen Gefahren wirken vereint auf die Schweinswale ein, kumulative Auswirkungen müssen in Betracht bezogen werden. Speziell in Schutzgebieten - wie z.B. dem Schweinswal-Schutzgebiet vor Sylt – müssen menschliche Aktivitäten reguliert werden, sei es die Fischerei, die Befahrung mit Schiffen und Booten, etc. oder der Unterwasserlärm, fordert WDC.

Quelle: Stiftung Tierärztliche Hochschule Hannover –Mai 2017: Totfundmonitoring von Kleinwalen und Kegelrobbenin Schleswig-Holstein im Jahr 2016; Bericht an das Ministerium für Energiewende, Landwirtschaft, Umweltund ländliche Räume des Landes Schleswig-Holstein; Institut für Terrestrische und Aquatische Wildtierforschung