Taiji – Delfinarien treiben das Schlachten weiter voran

Das Leben eines kleinen Wals oder Delfins ist nicht immer einfach, aber in den japanischen Küstengebieten begegnen sie einer besonders tödlichen Gefahr: den Delfinjägern von Taiji. Die Delfine werden entweder wegen ihres Fleisches getötet oder dazu auserwählt, ihr Dasein in den kleinen Becken von Delfinarien zu fristen. Dort müssen sie sich ihre Nahrung durch das Vorführen von Kunststücken verdienen. Wenn eine Delfinschule gesichtet wird, schlagen die Jäger unter Wasser auf Metallstangen um eine akustische Barriere zu schaffen. Dadurch verlieren die Delfine ihre Orientierung. Dann werden sie Richtung Küste zusammengetrieben. Einige wenige Delfine werden möglicherweise freigelassen und dürfen in den Ozean zurückkehren: allein, verängstigt und gestresst – doch welches Schicksal erwartet sie dort?

Diese Treibjagden sind nichts Neues. Tatsächlich geht die Geschichte der verschiedenen Formen von Wal- und Delfinjagden in den Küstengebieten vor Japan weit zurück. In den letzten Jahren jedoch sind die Fangzahlen der kleineren Wal- und Delfinarten zurückgegangen und einige Jagdmethoden sind heute sogar bereits Geschichte. Trotzdem setzen die Fischer von Taiji die Jagd fort. Sie haben sogar neue Wege gefunden, um ihre Zukunft als ‚Delfinjäger‘ zu sichern.

Delfinjagd in Taiji, Japan
Delfinjagd in Taiji, Japan

Früher wurden Delfine bei den Treibjagden nur für den menschlichen Konsum getötet. In den letzten Jahren und Jahrzehnten scheint die treibende Kraft jedoch vor allem die Nachfrage nach lebenden Tieren für die Unterhaltungsindustrie - sowohl in Japan als auch im Ausland - zu sein. Das erklärt, warum hauptsächlich junge und gesunde Individuen (für gewöhnlich junge Weibchen) gefangen werden: sie werden anschließend an Delfinarien verkauft. Ein toter Delfin bringt nur ein paar Hundert US Dollar ein, während man mit einem lebenden und trainierten Delfin bis zu 150.000 US Dollar verdienen kann. Außerdem tauchen immer mehr Informationen über die hohe Gift- und Schwermetallbelastung in Delfinen und Kleinwalen auf sowie über die mit dem Verzehr von kontaminiertem Fleisch verbunden Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit. Die Verbindung zwischen den Treibjagden und der Gefangenschaftsindustrie zeigt sich noch deutlicher an den  Meldungen, dass Taiji kürzlich einen 15 Millionen US Dollar schweren Vertrag mit chinesischen Aquarien geschlossen hat, um China während der nächsten fünf Jahre mit lebenden Delfinen zu beliefern.

Jährlich beginnt zum 1. September die Treibjagd-Saison und während der nächsten acht Monate durchstreifen die Jäger die Gewässer auf der Suche nach ihrer Beute, sofern das Wetter es zulässt. Die Fangquoten werden jährlich festgelegt. Sie besagen, wie viele Delfine und Kleinwale gefangen werden dürfen - wobei keine Unterscheidung gemacht wird, wie viele davon getötet oder an Delfinarien verkauft werden. Seit 2010 haben sich die Quoten nicht merklich geändert und es dürfen ungefähr 2000 Individuen bzw. sieben verschiedenen Arten gefangen werden. In der letzten Saison hat sich die Lage jedoch geändert, denn es wurden zwei neue Arten in die Liste mitaufgenommen: Der Rauzahndelfin und der Breitschnabeldelfin. Die ursprünglichen Quoten wurden mit 20 Rauzahndelfinen und 100 Breitschnabeldelfinen ausgegeben. Nur wenig später wurde die erlaubte Fangquote wiederum erhöht, sodass nun 300 Breitschnabeldelfine und 27 Rauzahndelfine gefangen werden dürfen. Über die Gründe für die Erhöhung können wir nur spekulieren.

Vielleicht können die Jäger nicht mehr genug Große Tümmler finden, nachdem diese jahrelang intensiv gejagt wurden? Zwischen 2012 und 2017 wurden 600 Große Tümmler gefangen, 2018 bisher nur 25.

Vielleicht weil der Breitschnabeldelfin so gut schmeckt? Von den 300 erlaubten Individuen wurden 136 für den menschlichen Konsum getötet.

Vielleicht weil die Kunden (also die Delfinarien) mal ein paar andere Tiere in ihren Becken haben wollten? 24 der 27 zulässigen Rauzahndelfine landeten zusammen mit acht Breitschnabeldelfinen und drei jungen Gewöhnlichen Grindwalen in Gefangenschaft.

Wahrscheinlich sind all diese Faktoren ein Grund. In der Treibjagdsaison 2017/2018 in Taiji wurden insgesamt 926 Delfine und Kleinwale von neun verschiedenen Arten gefangen. 206 wurden später wieder freigelassen, aber ihr Schicksal ist ungewiss. Doch auch wenn es nicht so scheint, gibt es Lichtblicke. Die Proteste werden lauter und sowohl auf nationaler als auch auf internationaler Ebene gibt es viele Veränderungen.

In Japan gehen lokale Aktivisten auf die Straße, um gegen die Jagden zu protestieren und außerdem nimmt die Nachfrage nach Delfinfleisch deutlich ab. WDC unterstützt die Bemühungen vor Ort, da Druck von der einheimischen Bevölkerung für gewöhnlich immer einen größeren Einfluss hat als laute Proteste aus dem Ausland.

Auf dem internationalen Parkett haben die 126 Länder, die Mitglieder der Bonner Konvention sind, (das zentrale Organ der Vereinten Nationen, das Entscheidungen über im Wasser und an Land lebende, sich zwischen nationalen Grenzen bewegende Arten fällt), Empfehlungen und Richtlinien gegen den Fang von lebenden Tieren in ihren jeweiligen Gewässern verabschiedet. Noch bedeutender ist, dass Südkorea erst vor kurzem einen entscheidenden Schritt nach vorne gemacht und den Import von lebendig gefangenen Delfinen aus den Treibjagden in Taiji verboten hat – dabei ist Südkorea ein Land, dass bisher in japanischen Treibjagden gefangene Delfine importiert hat und noch immer einige dieser Individuen in Gefangenschaft hält.

Was Delfinen und Walen vor der Küste Japans widerfährt darf auf keinen Fall beschönigt werden. Was dort passiert ist in der heutigen Zeit absolut inakzeptabel, aber die Zeiten ändern sich langsam!

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Walfang