Bedrohte Orcas verlieren weiteres Mitglied – Population auf Rekordtief

Nur noch 76 Mitglieder zählt die vom Aussterben bedrohte Population der Southern Resident Orcas nun noch. In einer Pressemeldung gab das Center for Whale Research Mitte September bekannt, dass der erst zwei Jahre alte Orca Sonic (J52) verstorben ist. Die vermutete Todesursache ist Unterernährung. Bereits im August wurde das 45-jährige Weibchen Skagit (K13) nicht mehr mit ihrer Familiengruppe zusammen gesichtet. Dies ist ein eindeutiges Indiz dafür, dass ein Mitglied der Population verstorben ist. Allein im Jahr 2016 verloren die Southern Residents sieben Mitglieder, darunter die Matriarchin Granny (J2), die auf über hundert Jahre geschätzt wurde.

Am 15. September beobachteten Forscher des Center for Whale Research den kleinen Sonic, seine Mutter Alki (J36) und ein ausgewachsenes Männchen abseits der anderen Schwertwale. Der junge Orca wirkte lethargisch und die beiden Erwachsenen widmeten ihm ihre volle Aufmerksamkeit, anstatt mit den anderen zu jagen. Bei der nächsten Sichtung von Sonics Familiengruppe am 19. September war er nicht mehr bei seiner Mutter.

Sonic (J52) mit Großmutter Slick (J16), Tante Scarlet (J50) und Mutter Alki (J36)
Sonic (J52) mit Großmutter Slick (J16), Tante Scarlet (J50) und Mutter Alki (J36)

Sonic war einer von elf Orcas, die während des „Baby-Booms“ zwischen Dezember 2014 und Januar 2016 bei den Southern Residents geboren wurden. Zwei der Babys wurden nicht wieder gesichtet und bekamen somit keine Nummer bzw. Namen zugeordnet, J55 verschwand bereits einen Monat nach der Geburt und der kleine Dipper (J54) verstarb im letzten Jahr kurz nach seiner Mutter Polaris (J28). Obwohl von einem „Baby-Boom“ gesprochen wurde, sollte die Anzahl von elf Babys in zwei Jahren bei einer gesunden Population eigentlich normal sein. Die Southern Residents jedoch sind durch Nahrungsverknappung, Verunreinigung ihres Lebensraums und Störungen durch Schiffsverkehr stark bedroht. Eine aktuelle Studie belegt, dass fast 70% der Schwangerschaften aufgrund von Stress bei der Nahrungssuche bzw. Unterernährung erfolglos bleiben.

Der leitende Wissenschaftler des Center for Whale Research, Ken Balcomb, der die Southern Residents bereits seit über 40 Jahren erforscht, erklärt: „In den Anfängen unserer Forschungsarbeit war die durchschnittliche Zeit zwischen den Schwangerschaften 5,2 Jahre, bei einigen Weibchen drei Jahre. Nun beträgt diese Zahl mehr als neun Jahre mit einer Neugeborenen-Sterblichkeit von 75% oder mehr“.

Erstgeborene wie Sonic haben es besonders schwer. Die Southern Residents sind eine der am stärksten mit Schadstoffen belasteten Populationen weltweit. Die Mütter übertragen Giftstoffe wie Chlorverbindungen und Flammschutzmittel durch die Muttermilch auf ihren Nachwuchs. Bei Erstgeborenen ist diese Konzentration besonders hoch, da die Mütter vorher keine Möglichkeit hatten, die Gifte anderweitig loszuwerden.

Neben der hohen Schadstoffbelastung spielt die Nahrungsverknappung eine große Rolle für die bedrohten Schwertwale. Sonic wirkte vor seinem Tod stark unterernährt, dies belegten auch Drohnen-Aufnahmen, die im Rahmen einer Studie von ihm und seiner Mutter gemacht wurden. Aufgrund des geringen Lachsvorkommens hielten sich die Southern Residents in diesem Sommer nur sehr selten in ihren bekannten Nahrungsgründen auf. Auch ihre Hauptnahrung, der Königslachs, ist vom Aussterben bedroht, da ihm durch Dämme der Zugang zu seinen Laichgründen versperrt wurde. WDC arbeitet mit Partnern vor Ort eng zusammen, die Lebensbedingungen von Lachsen und Schwertwalen wieder zu verbessern. Dies ist unter anderem durch Entfernung von Dämmen und die Wiederherstellung von gesunden Fluss-Ökosystemen möglich.

Hier geht es zu unserer Kampagne in den USA (Englisch).

Referenzen

Alava, J. J. et al. 2012. Habitat-based PCB environmental quality criteria for the protection of endangered killer whales (Orcinus orca). Environmental science & technology, 46(22)

Krahn, M.M. et al. 2009. Effects of age, sex and reproductive status on persistent organic pollutant concentrations in ‘‘Southern Resident” killer whales. Publications, Agencies and Staff of the U.S. Department of Commerce. Paper 427.

Lundin, J.I et al. 2016. Modulation in Persistent Organic Pollutant Concentration and Profile by Prey Availability and Reproductive Status in Southern Resident Killer Whale Scat Samples. Environmental Science and Technology, 50(12):6506-16.  

Ross, P.S. et al. 2000. High PCB concentrations in free-ranging Pacific killer whales, Orcinus orca: effects of age, sex and dietary preference. Mar. Pollut. Bull. 40(6): 504-515.

Wasser S.K. et al. 2017. Population growth is limited by nutritional impacts on pregnancy success in endangered Southern Resident killer whales (Orcinus orca). PLoS ONE 12(6): e0179824. 

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