WDC besucht die Schweinswale vor Sylt

WDC-Biologe Fabian Ritter war zu Besuch bei den Scheinswalen vor Sylt.

Schweinswale bekommt man eher selten zu Gesicht. Und wenn, dann sind es meist kurze und umspektakuläre Sichtungen. Diese Tiere sind scheu und verhalten sich in der Regel sehr unauffällig. Das, was ich bei meiner letzten Reise nach Sylt im Juni diesen Jahres erlebte, gehörte in dieser Hinsicht dennoch zu meinen herausragendsten Begegnungen mit freilebenden Cetaceen.

Weststrand auf Sylt
Weststrand auf Sylt

Ich hatte mir vorgenommen, Schweinswale vom Sylter Weststrand aus zu beobachten. Die Wale bringen im frühen Sommer in dieser Gegend ihre Jungtiere zur Welt und halten sich dann regelmäßig in Strandnähe auf, wo man sie bei guten Bedingungen vergleichsweise leicht von Land aus beobachten kann. Also setze ich mich an mehreren Tagen von früh bis spät - idealerweise bei auflaufendem Wasser - etwas erhöht an die Dünen und hielt Ausschau. Meine Ausrüstung: Ausreichend warme Kleidung (Windschutz), Sonnenbrille, Mütze, ein Handtuch (als Sitzkissen), Fernglas, Wasser, eine wenig Obst und früh morgens eine dampfende Tasse Kaffee.

Whale Watcher brauchen Geduld, Schweinswalbeobachter bauchen viel Geduld. Und gute Wetterbedingungen, denn ab Windstärke 3 wird es sehr schwierig, die kleinen Wale inmitten der Wellen auszumachen. Insofern saß ich auch nur an den windstilleren Tagen am Strand. Manchmal dauerte es Stunden, bis ich die erste Sichtung hatte, manchmal nur Minuten. Aber jedes Mal war ich erneut überrascht, wie ruhig und v.a. wie nah am Strand die Mütter mit ihren Jungen ihre Bahnen zogen. Immer wieder ein herrlicher Anblick, auch wenn wirklich nicht viel passiert, außer dass man die Tiere kurz sieht, wenn sie zum Atmen an der Oberfläche kommen. Mein bildstabilisiertes Fernglas erwies sich dabei als extrem hilfreich, um einen guten Blick zu erhaschen.

Schlechtwetter im Anmarsch - Sylt
Schlechtwetter im Anmarsch - Sylt

An einem Tag war es dann so windstill, dass ich es wagte, mit einem Seekajak hinaus zu paddeln. So richtig daran geglaubt habe ich gar nicht, dass ich Schweinswalen begegnen würde, doch das Glück blieb mir tatsächlich hold, denn ich bekam gleich mehrere Mutter-Kind Paare zu Gesicht. Langsam versuchte ich jeweils, mich ihnen zu nähern, was auch einigermaßen gelang - jedoch war auch ganz klar, dass die Tiere nur einen gewissen Abstand erlaubten und mich dann nicht näher herankommen ließen.

Schweinswalsichtung von Land aus
Schweinswalsichtung von Land aus

Immerhin konnte ich deutlich ihre bräunliche Färbung und bei einem Tier auch eine auffällige Kerbe in der Rückenfinne erkennen. Wenn sie zu etwas längeren Tauchgängen unter Wasser waren (und dabei ändern sie gerne ihre Schwimmrichtung - man weiß nie, wo sie als nächsten auftauchen), war es stets das „pffffh!“ ihres Ausatmens, das mich aufmerksam machte. Ich hörte sie also bevor ich sie sah! Nach einigen Annäherungsversuchen zog ich mich aber zurück, denn das letzte was ich im Sinn hatte, war ihnen "auf den Keks" zu gehen. Schließlich befand ich mich in ihrer Kinderstube und in einem speziellen Schutzgebiet für Schweinswale! Sie hatten auch mit Sicherheit besseres zu tun, als sich mit Kajakern abzugeben. 

Ich empfand diese Begegnungen als geradezu „intim“, nicht zuletzt weil ich diesen scheuen Tieren noch nie zuvor so nah gekommen war und einige Details ihrer Körper sowie ihres Verhaltens studieren konnte. Dass sie dies zuließen, war auch eine Art Vertrauensbeweis. Das ist umso erstaunlicher, muss der Mensch für die scheuen Gesellen doch eher als Störenfried gelten, der meist laut und hektisch unterwegs ist – sei es per Boot, per Jetski oder als Kitesurfer.

Leitlinien zur Beobachtung von Walen und Delfinen in deutschen Gewässern

Schiffe sind vor Sylt die Regel, nicht die Ausnahme
Schiffe sind vor Sylt die Regel, nicht die Ausnahme

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