Wie Wale den globalen Saatgut-Tresor retten könnten

Die Überflutung des Eingangs zum globalen Saatgut-Tresor auf Spitzbergen machte weltweit Schlagzeilen. Die norwegische Regierung hatte Ende Mai bekannt gegeben, dass sehr hohe Temperaturen den Permafrostboden zum Schmelzen gebracht hatten. Daraufhin drang Wasser in den Eingangsbereich des „Svalbard Global Seed Vaults“, so der englische Name des internationalen Projekts.

Der Saatgut-Tresor, ein Lager tief im Inneren eines Berges auf dem arktischen Archipel Svalbard, soll Nutzpflanzen aus aller Welt über zukünftige Katastrophen hinweg erhalten. Dort lagern getrocknet und tiefgefroren die Samen von etwa 5.000 Pflanzen, die dort hunderte von Jahren überdauern sollen.

Um das Risiko zu reduzieren, dass der Eingang erneut überschwemmt wird, plant Norwegen nun, den Saatgut-Tresor vor weiteren Auswirkungen des Klimawandels zu schützen, etwa durch das Einbauen von wasserdichten Wänden und Entwässerungskanälen. Während diese Maßnahmen notwendig sind, um den Tresor vor weiterer Überflutung zu schützen, helfen sie doch nicht, die Ursache der Flut zu bekämpfen: den Klimawandel.

Norwegen könnte aber einen bedeutenden Schritt zur Bekämpfung des Klimawandels und damit des Schutzes des Saatgut-Tresors unternehmen: Den Walfang stoppen und Wale schützen! Wissenschaftliche Studien belegen nämlich, wie wichtig Wale für die Bekämpfung des Klimawandels sind.

Der Grüne Wal

Es ist bekannt, dass die Wälder der Erde durch das Umwandeln von Kohlenstoffdioxid in Sauerstoff unersetzlich wichtig sind. Weit weniger bekannt ist jedoch, dass unsere Ozeane die weltweit größten Kohlenstoffspeicher darstellen, sie absorbieren ganze 25% des weltweiten CO2-Ausstoßes.

Mikroskopisch kleines Phytoplankton filtert in den Ozeanen das CO2 heraus und produziert gut die Hälfte des weltweit benötigten Sauerstoffs. Genau wie Pflanzen an Land braucht Phytoplankton Kohlenstoffdioxid, Sonnenlicht und Nährstoffe um zu wachsen. Und hier kommen die Wale ins Spiel!

Phytoplankton lebt in sonnenbeschienen Gewässern nahe der Wasseroberfläche, da es hier der überlebenswichtigen Lichtquelle – der Sonne – nahe sein kann. Doch die für die Photosynthese benötigten Nährstoffe treiben nicht einfach im Ozean herum, sondern sinken im Meer nach unten und gelangen nicht von selbst zur Oberfläche. Wale nehmen in der Tiefe Nahrung auf und tauchen zum Atmen an die Oberfläche, wo sie auch Kot absetzen. Durch diese „Wal-Pumpe“ setzen die Wale große Nährstoffmengen nahe der Wasseroberfläche frei.

Infografik Phytoplankton
Infografik Phytoplankton

Walkot ist reich an Nährstoffen, einschließlich Eisen und Stickstoff, den das Phytoplankton zum Überleben braucht. Weil Wale tausende von Meilen durch die Ozeane wandern, um Nahrung zu finden und ihre Junge zur Welt zu bringen, sorgen sie zudem für die Verteilung von Nährstoffen in den Weltmeeren.

Und die Wale helfen auch in anderer Hinsicht bei der Bekämpfung des Klimawandels: Ihre riesigen Körper sind Zeit ihres Lebens wichtige Kohlenstoffspeicher. Wenn die Wale sterben, tragen sie den Kohlenstoff mit hinab auf den Meeresgrund.

Forscher schätzen, dass als direkte Konsequenz des Walfangs große Walarten nun etwa neun Millionen Tonnen CO2 weniger binden als vor der Zeit der industriellen Waljagd.

Norwegen hat seine Fangquote für Zwergwale dieses Jahr stark erhöht, 999 Wale sollen in der Walfang-Saison 2017 getötet werden. Die Mehrheit der von Norwegens Walfangflotte getöteten Wale sind Weibchen und viele von ihnen schwanger, wenn sie in die nährstoffreichen nordischen Gewässer ziehen. Der Walfang bedroht somit auch die nächste Generation an Walen – unsere Partner im Kampf gegen den Klimawandel.

Ein Ende des Walfangs würde als nicht nur die Wale endlich schützen, sondern uns allen helfen!

Kommentare

Unbedingt die Wale schützen!