Neuseeland-Delfin (Hector- und Māui-Delfin)

Cephalorhynchus hectori
Synonyme: 
  • Hector-Delfin
  • Neuseeland-Delfin
Höchstlänge: 
  • Männchen: 1,46 m
  • Weibchen: 1,63 m
Höchstgewicht: 
  • Weibchen: 57 kg
Nahrung: 
  • Fische
  • Kalmare
Weltbestand, geschätzt: 
7270
IUCN-Kategorie: 
EN (Nordinsel-Unterart: CR)
CITES-Anhänge: 
II
CMS-Anhänge: 
Nicht gelistet
Taxonomie: 

Als endemische Art Neuseelands hat der Neuseeland-Delfin eines der kleinsten Verbreitungsgebiete aller Waltiere. Er wurde gut erforscht und ist die am besten bekannte Art der Gattung Cephalorhynchus. Derzeit werden zwei Subspezies unterschieden: C. h. hectori, der Hector-Delfin, lebt vor der Südinsel Neuseelands in drei genetisch unterscheidbaren Populationen mit insgesamt ca. 7.270 Individuen, während C. h. maui, der Māui-Delfin, in einer Restpopulation von nur noch geschätzten 111 Tieren vor der Nordinsel vorkommt. Erkenntnisse im Jahr 2013 haben jedoch ergeben, dass diese Population der Nordinsel auf unter 55 Individuen gesunken und ihr langfristiges Überleben unwahrscheinlich ist, sollten keine Schutzmaßnahmen in den Häfen, dem südlichen Verbreitungsgebiet der Population, sowie dem zentralen Verbindungs-Korridor durch die Cook-Meerenge zwischen Nord- und Südinsel, der die Populationen miteinander verbindet, ergriffen werden. Verbesserter Schutz für die Nord- und Westküste der Südinsel würde auch die Zerstückelung vermindern. Anhaltender Beifang in diesen Gebieten verringert die Möglichkeit für die Delfine, sich zwischen den Populationen zu bewegen. Der Neuseeland-Delfin ist heute eine der gefährdetsten Waltierarten der Welt.

Morphologie: 

Der Neuseeland-Delfin ist eine der kleinsten Delfinarten. Er hat einen kompakten, kräftigen Körper und einen konischen, schnabellosen Kopf mit stumpfer Schnauze. Eines der auffälligsten Erkennungsmerkmale dieses Delfins ist seine Rückenflosse, die auf einer breiten Basis aufsetzt und mit ihrer gerundeten Spitze und stark konvexen Hinterkante manche an ein „Micky-Maus-Ohr” erinnert. Auch die Brustflossen sind gerundet, während die Schwanzflosse leicht gekerbt und an den Enden zugespitzt ist. Der Neuseeland-Delfin ist sehr bemerkenswert und komplex gefärbt. Der Körper ist vorwiegend grau, die Rückenflosse ist schwarz und seitlich im Gesicht trägt er eine schwarze, dreieckige Maske, die sich bis zu den ebenfalls schwarzen Brustflossen erstreckt. Von dort findet sie mitunter eine Fortsetzung als Trennlinie zwischen den grauen Seiten und dem weißen Bauch. Eine weitere schwarze Linie zieht sich vom Blasloch bis oberhalb des Auges. Der Bereich zwischen Blasloch und Schnauze ist dagegen heller grau. Kehle und Brust sind ebenso weiß wie der Bauch, von dem sich zwei weiße Finger die Seiten hochziehen. Bei Männchen der Unterart hectori befindet sich rund um den Genitalschlitz ein grauer, herzförmiger Fleck. Das ist außer der Größe (der Māui-Delfin ist ein bisschen größer) der einzige bekannte morphologische Unterschied zwischen den beiden Unterarten. Im Verbreitungsgebiet des Neuseeland-Delfins gibt es keine ihm ähnlich schauenden Arten, es besteht also keine Verwechslungsgefahr.

Verhalten: 

Neuseeland-Delfine sind ziemlich gesellige und aktive Tiere, die sich auch gerne über Wasser umschauen, springen und mit der Fluke aufs Wasser klatschen. Sie sind eifrige Bugwellenreiter und begegnen manchmal auch langsamen oder liegenden Schiffen mit Neugierde. Ihre bevorzugte Gruppengröße beträgt 2 bis 8 Tiere, aber gelegentlich sind auch lose Ansammlungen von bis zu 50 Individuen anzutreffen. Ihre Nahrung besteht aus einer großen Bandbreite kleiner Fische und Tintenfische, die sie im weniger als 100 m tiefen Wasser innerhalb von 16 km Abstand zur Küste suchen. Im Sommer sammeln sie sich gerne in seichtem, trübem Wasser, während sie sich in den Wintermonaten großflächiger verteilen.

Verbreitung: 

In den letzten Jahren wurden in neuseeländischen Gewässern zwei Schutzgebiete eingerichtet, die der Erhaltung dieser Delfinart dienen sollen. Allerdings haben die Delfine in den Wintermonaten den Großteil ihres Verbreitungsgebietes außerhalb dieser Schutzzonen, deren Wirksamkeit außerdem durch die anhaltende sowohl kommerzielle als auch hobbymäßige Fischerei mit Kiemennetzen untergraben wird. Das Verheddern in Kiemen- und Schleppnetzen ist die größte Gefahr für den Neuseeland-Delfin - über 60% der Delfine, bei denen die Todesursache geklärt werden konnte, starben als Beifang. Weitere Gefährdungsfaktoren umfassen Umweltverschmutzung, Störung durch Menschen, Krankheiten und Lebensraumzerstörung. Aufgrund des rasanten und ungebremsten Populationsrückgangs - 74% über drei Generationen - listet die IUCN den Hector-Delfin als stark gefährdet.

Verbreitungskarte: