Jangtse-Delfin

Lipotes vexillifer
Synonyme: 
  • Jangtse-Delfin
  • Baiji
  • Chinesischer Flussdelfin
Höchstlänge: 
  • Männchen: 2,30 m
  • Weibchen: 2,60 m
Höchstgewicht: 
  • Weibchen: 167 kg
Nahrung: 
  • Süßwasserfische
Weltbestand, geschätzt: 
Unbekannt
IUCN-Kategorie: 
CR/EX
CITES-Anhänge: 
I
CMS-Anhänge: 
Nicht gelistet
Taxonomie: 

Dem Jangtse-Delfin kommt die traurige Ehre zu, als erste Waltierart vom Menschen ausgerottet worden zu sein. Seit der Mitte des 20. Jahrhunderts war bekannt, dass die Bestände des Jangtse-Delfins stark zurückgingen. Nach einer sechswöchigen Expedition im Jahr 2006, bei der trotz einer Suche im gesamten bekannten Verbreitungsgebiet des Jangtse-Delfins kein einziges Exemplar gefunden wurde, wurde die Art nun für „möglicherweise oder funktionell ausgestorben” erklärt. Das bedeutet, dass vielleicht noch ein paar Individuen in freier Wildbahn leben, aber höchstwahrscheinlich nicht genug, um den Weiterbestand der Population zu ermöglichen.

Morphologie: 

Das Aussehen des Jangtse-Delfins hatte viele Ähnlichkeiten mit anderen Flussdelfinen: ein stämmiger Körper, ein langer, schmaler und leicht aufwärts gebogener Schnabel, und eine nach oben geschwungene Mundlinie. Er hatte eine runde Melone mit einer steilen Stirn und sehr kleine Augen, die weiter oben am Kopf lagen als bei anderen Delfinen. Anders als der Ganges-Delfin, der praktisch blind ist, konnte der Jangtse-Delfin sehen, der Sehsinn war aber sehr schwach ausgeprägt. Die Körperfärbung war meist blaugrau auf der Ober- und grauweiß auf der Unterseite. Auf den Wangen und am Schwanzansatz hatte er helle Flecken. Die dreieckige Rückenflosse setzte auf einer relativ großen Fläche an, war aber flach. Der Jangtse-Delfin war kaum mit einer anderen Art zu verwechseln, denn in seinem Verbreitungsgebiet kommt sonst nur der Indische Schweinswal vor, der viel kleiner und dunkler ist und überdies weder Rückenflosse noch ausgeprägten Schnabel hat.

Verhalten: 

Der Jangtse-Delfin war keine auffällige Art, sein Aktivitätsmaximum lag in den Nachtstunden. Alleine oder in Gruppen bis zu ca. sechs Tieren suchten die Jangtse-Delfine bevorzugt die Bereiche um Sandbänke oder an den Mündungen von Zuflüssen auf. Sie waren ebenso still wie scheu und wichen Booten aus, sodass man sich ihnen kaum nähern konnte. Manche Beobachter berichteten von unsteten Bewegungen mit raschen Richtungswechseln, wobei die Tiere auch am Rücken oder auf der Seite schwammen, andere sahen die Delfine sehr langsam schwimmen. Der Blas des Jangtse-Delfins war schrill und klang wie ein Niesen, ähnlich wie der des Indischen Schweinswals, mit dem er sich gelegentlich vergesellschaftete.

Verbreitung: 

Das Verbreitungsgebiet des Jangtse-Delfins umfasste einst den Mittel- und Unterlauf des Jangtse, aber verschiedene Eingriffe engten seinen Lebensraum stark ein und seit Mitte der 1990er Jahre kam er nur noch flussabwärts des Dongting-Sees vor. China erklärte die Art zu einer „nationalen Kostbarkeit” und stellte sie 1975 unter Schutz, aber dennoch wurden gelegentlich noch Jangtse-Delfine getötet. Als Hauptgefahr wurde die unbeabsichtigte Tötung durch die Fischerei identifiziert, insbesondere Haken- und Elektrofischerei. Auch Kollisionen mit Schiffen, Lebensraumzerstörung, Verschmutzung, Industrialisierung und der Klimawandel haben zum Rückgang des Jangtse-Delfins beigetragen. In den Roten Listen der IUCN scheint der Jangtse-Delfin noch als vom Aussterben bedroht auf, aber da höchstens noch eine Handvoll Individuen leben, wird diese Einstufung wohl bald auf „ausgestorben” geändert werden müssen.

Verbreitungskarte: