Indopazifischer Großer Tümmler

Tursiops aduncus
Synonyme: 
  • Indopazifischer Großer Tümmler
Höchstlänge: 
  • Männchen: 2,70 m
  • Weibchen: 2,60 m
  • Geburtsgröße: 1,10 m
Höchstgewicht: 
  • Männchen: 230 kg
Nahrung: 
  • Fische
  • Kalmare
Weltbestand, geschätzt: 
6000
IUCN-Kategorie: 
DD
CITES-Anhänge: 
II
CMS-Anhänge: 
II (Populationen der Arafura- und Timorsee)
Taxonomie: 

Ursprünglich galten die Großen Tümmler im Atlantik und im Indopazifik als Vertreter derselben Art, aber heute sind sie als zwei eigenständige, wenn auch nah verwandte Arten anerkannt. Zum komplexen Sozialverhalten der Großen Tümmler beider Tursiops-Arten gehört eine Sozialstruktur, in der sich die Gruppen dynamisch auflösen und wieder neu bilden („fission-fusion society”). Die besonders gut untersuchte Population in der Shark Bay (Westaustralien) lieferte auch das einzige dokumentierte Beispiel von Werkzeuggebrauch einer Wal- oder Delfinart: Diese Delfine tragen einen Schwamm an der Schnabelspitze, wenn sie im Meeresboden nach Nahrung stochern, um den Schnabel vor den Stacheln von Seeigeln zu schützen. 

Die taxonomische Klassifizierung ist hier, wie auch bei anderen Wal- und Delfinarten, kompliziert und teils widersprüchlich. Neuere genetische Untersuchungen der mitochondrialen DNA und so genannter Mikrosatelliten zeigen zum Beispiel große evolutionäre Unterschiede zwischen kleinen nur in Südost-Australien küstennah lebenden Delfinen und den beiden derzeit anerkannten Tursiops-Arten hin. 2011 beschrieben Wissenschaftler diese Delfine als neue Art mit dem Namen „Burrunan-Delfin“ (nach den Überlieferungen der australischen Ureinwohner), Tursiops australis sp. nov. Bis dato gab es aber keine offizielle Anerkennung dieser neuen Art durch die IUCN. 

Morphologie: 

Der Indopazifische Große Tümmler ist dem Gewöhnlichen oder Atlantischen Großen Tümmler sehr ähnlich. Generell ist er aber etwas kleiner und schlanker als sein atlantischer Cousin, hat eine weniger stark ausgeprägte Melone und einen längeren, dünneren Schnabel mit einer höheren Zahl an Zähnen. Die sichelförmige Rückenflosse sitzt auf breiter Basis auf und ist proportional größer als jene des Atlantischen Großen Tümmlers. Die Färbung des Indopazifischen Großen Tümmlers ist ebenfalls ähnlich der seines Verwandten: Sie ist gräulich bis milchig braun mit einem deutlich dunkleren Cape und helleren Bauch. Manche Tiere sind am Bauch gefleckt, aber das ist individuell sehr unterschiedlich und oft auch vom Alter abhängig. Jungtiere sind im Allgemeinen dunkler und einheitlicher gefärbt und haben kaum Flecken. Naheliegenderweise ist die Art am leichtesten mit dem Atlantischen Großen Tümmler zu verwechseln, wo sich ihre Verbreitungsgebiete überschneiden. Aber auch Verwechslungen mit dem Schlankdelfin oder dem Indopazifischen Buckeldelfin sind möglich.

Verhalten: 

Das Verhalten entspricht etwa dem des Atlantischen Großen Tümmlers. Indopazifische Große Tümmler sind neugierige, hochintelligente und anpassungsfähige Beutegreifer. Sie besitzen die Fähigkeit zur Problemlösung, zum Werkzeuggebrauch und eine gewisse Flexibilität in der Nahrungswahl. Sie sind verspielt, springen, reiten auf Bugwellen von Schiffen und spielen mit Fischen, Seegras oder Müll. Meist bilden sie Gruppen von 5 bis 15 Tieren, es können sich aber auch mehrere hundert Delfine zusammenschließen. Sie vergesellschaften sich auch mit Atlantischen Großen Tümmlern und mit Buckeldelfinen.

Verbreitung: 

Der Indopazifische Große Tümmler lebt in den tropischen und gemäßigten Gewässern des Indischen Ozeans und des Westpazifiks. Er ist fast nur über dem Kontinentalsockel anzutreffen und bevorzugt offenbar in seinem gesamten Verbreitungsgebiet flache, küstennahe Gewässer. Große Tümmler werden nach wie vor in großer Zahl in Japan und anderen Gebieten gejagt, einerseits für die Gefangenschaftshaltung und Zurschaustellung, andererseits zur Fleischgewinnung. Ein weiteres großes Problem für diese Art ist die hohe Mortalität als Beifang in der Fischerei, ebenso wie chemische Verschmutzung und andere Formen der Verschlechterung ihrer Küstenlebensräume. Hinzu kommt die Belästigung durch den Schiffsverkehr und die kommerzielle Delfinbeobachtung. Die IUCN stellt die Art insgesamt in die Kategorie „ungenügende Datengrundlage”, aber viele Große Tümmler leben küstennah in kleinen, relativ isolierten Populationen mit entsprechend hohem Gefährdungspotential.

Verbreitungskarte: