Grönlandwal

Balaena mysticetus
Synonyme: 
  • Grönlandwal
Höchstlänge: 
  • Männchen: 18 m
  • Weibchen: 20 m
  • Geburtsgröße: 4 - 5 m
Höchstgewicht: 
  • Weibchen: 90.000 kg
Nahrung: 
  • Krill
  • Ruderfußkrebse
Weltbestand, geschätzt: 
12000
IUCN-Kategorie: 
LC (Bestand von Spitzbergen: CR; Bestand des Ochotskischen Meers und der Baffin Bay/Davis Strait: EN; Bestand von Hudson Bay/Foxe Basin: VU)
CITES-Anhänge: 
I
CMS-Anhänge: 
I
Taxonomie: 

Der Grönlandwal hat die absolut längsten Barten - die einzelnen Bartenplatten werden bis zu 5 Meter lang (jene des Blauwals nur 1 m). Er wurde als zweite Art zum Hauptziel der Walfänger und bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts an den Rand der Ausrottung gejagt. Heute sind vier der fünf verbliebenen Grönlandwal-Bestände gefährdet, stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Da Grönlandwale nur in der Arktis und Subarktis vorkommen, gibt es kaum Verwechslungsgefahr, denn so weit nördlich kommen keine anderen Wale dieser Größe vor, abgesehen von vereinzelten Buckel- oder Grauwalen. Von solchen seltenen Besuchern sind Grönlandwale beim Auftauchen aber leicht anhand ihres charakteristischen zweibuckeligen Profils sowie am Fehlen einer Rückenflosse zu unterscheiden. Im Schädel eines 1993 von Inuit erlegten Wals entdeckte man die Spitzen zweier Steinharpunen aus dem späten 19. Jahrhundert. Das beweist, dass Grönlandwale mehr als 200 Jahre alt werden können - damit gehören sie zu den langlebigsten Tierarten überhaupt.

Morphologie: 

Grönlandwale haben einen enorm gewölbten Oberkiefer und auch ihre Mundlinie ist stark gebogen. Der Kopf macht etwa ein Drittel der Körperlänge aus. Hinter den beiden Atemlöchern liegt eine tiefe Einbuchtung („Nacken”), die den Walen beim Auftauchen ihr charakteristisches zweibuckeliges Aussehen verleiht. Die Atemlöcher liegen weit auseinander, ihr Blas hat daher eine unverwechselbare V-Form. Grönlandwale haben einen runden, glatten Körper ohne Schwielen oder Aufwüchse und einen runden Rücken ohne Rückenflosse, Buckel oder Leiste. Die Fettschicht ist bis zu 70 cm dick. Die Färbung der Grönlandwale ist überwiegend schwarz, mit individuell unterschiedlichen Weiß-Anteilen auf dem Unterkiefer. Die schwarzen Punkte auf den weißen Kiefern sind die Follikel von Kinnhaaren. Weiters gibt es an der schmalsten Stelle des Schwanzansatzes und auf der Fluke gräulich-weiße Stellen, die mit zunehmendem Alter stärker hervortreten. Grönlandwale haben breite, paddelförmige, vorne stumpfe Brustflossen und eine breite, spitz zulaufende Schwanzflosse, die bei manchen Tiere bis zu 6 Meter lang werden kann.

Verhalten: 

Grönlandwale springen manchmal, klatschen mit Brust- oder Schwanzflossen auf das Wasser und können auch zum Spähen auftauchen, wenn sie alleine sind. Die Nahrungsaufnahme erfolgt an oder knapp unter der Wasseroberfläche („skim-feeding”) und möglicherweise auch am Meeresgrund. Das Tauchverhalten der Grönlandwale ist kaum erforscht, aber man nimmt an, dass sie wie andere Großwale auch mehr als 200 m tief tauchen. Die durchschnittliche Tauchzeit beträgt 4 bis 20 Minuten (auch wenn schon mehr als eine Stunde dauernde Tauchgänge beobachtet wurden) und oft kommen sie wieder am selben Ort an die Oberfläche. Um an Atemluft zu gelangen, können Grönlandwale Eisdecken von mindestens 60 cm Dicke durchstoßen, manche Quellen sprechen sogar von noch dickerem Eis. Die Verbindung von Mutter und Kalb ist sehr stark, die Jungen sind neugierig und spielen oft mit auf dem Meer treibenden Objekten. Grönlandwale sind die einzigen Großwale, die ausschließlich in der Arktis leben, und sind selten in größerer Entfernung vom Packeis anzutreffen. Gruppen umfassen meist nicht mehr als drei Tiere, aber in den Nahrungsgründen kommt es auch zu größeren Ansammlungen.

Verbreitung: 

Vor dem 19. Jahrhundert gab es vermutlich eine einzige, die gesamte Arktis umspannende Population des Grönlandwals. Dann wurde die Art aber durch Bejagung an den Rand der Ausrottung gebracht, sodass die IWC heute von fünf Beständen (getrennten Populationen) ausgeht. Die Art wird als Ganzes zwar als nicht gefährdet eingestuft (IUCN, 2008), aber die Lage einiger Populationen ist besorgniserregend. So ist der Bestand um Spitzbergen als vom Aussterben bedroht eingestuft, und jener im Ochotskischen Meer als stark gefährdet. Grönlandwale werden im Rahmen der indigenen Subsistenzjagd mancherorts nach wie vor verfolgt, daher stellt die Jagd weiterhin eine Gefahr für diese Art dar. Weitere Gefährdungsursachen sind Lebensraumverlust, chemische Verschmutzung, Lärm, zunehmender Schiffsverkehr und der Klimawandel.

Verbreitungskarte: