Grauwal

Eschrichtius robustus
Synonyme: 
  • Grauwal
Höchstlänge: 
  • Männchen: 14 m
  • Weibchen: 15 m
  • Geburtsgröße: 5 m
Höchstgewicht: 
  • Männchen: 45.000 kg
  • Weibchen: 45.000 kg
Nahrung: 
  • bodenbewohnende Krustentiere (Flohkrebse, Asseln)
  • Weichtiere
  • Polychaeten
  • andere Wirbellose
Weltbestand, geschätzt: 
26.500
IUCN-Kategorie: 
Bestand des Nordostpazifiks: LC; Bestand des Nordwestpazifiks: CR
CITES-Anhänge: 
I
CMS-Anhänge: 
Nicht gelistet
Taxonomie: 

Von allen Großwalen leben die Grauwale in größter Nähe zur Küste, von der sie sich selten weiter als 20 bis 30 km wegwagen. Auch deshalb gehört der Grauwal zu den bevorzugten Zielen der Walbeobachtung. Bekannt ist er auch dafür, eine der längsten Wanderungen zu unternehmen: Jahr für Jahr legt ein Grauwal eine Strecke von 15-20.000 km zurück. Früher gab es drei Grauwalpopulationen, aber jene im Nordatlantik starb im 17. oder 18. Jahrhundert aus ungeklärter Ursache aus. Noch heute legt der Wind auf den Sandstränden North Carolinas manchmal ihre Knochen frei. Von der Population im Nordwestpazifik ist noch ein kleiner Rest von nicht mehr als 130 Individuen übrig. Deren Nahrungsgründe liegen vor der Insel Sachalin. Die heutige Hauptpopulation lebt im Nordostpazifik. Bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts war zwar auch diese auf ein paar hundert Tiere reduziert worden, aber durch Schutzmaßnahmen konnte sich der Bestand wieder erholen und zeigt heute einen positiven Trend.

Morphologie: 

Der Grauwal einen relativ kleinen, schmalen Kopf, der zwischen Blasloch und Schnauze charakteristisch gewölbt ist. Die Bartenplatten sind ca. 50 cm lang. Die namengebende graue Haut kann auch schieferblau oder weißmarmoriert sein und durch kleine, parasitische Krebstiere gelblich erscheinen. Oft tragen Grauwale 100 oder sogar 200 kg Entenmuscheln und Walläuse auf ihrem Kopf und Körper. Jungtiere sind dunkler und haben weniger Entenmuscheln und weiße Stellen. Der Grauwal hat einen kräftigen Körper mit kleinen, paddelförmigen Brustflossen. Statt einer Rückenflosse hat er einen flachen Buckel und „Knöchel” zwischen diesem Buckel und dem Schwanz. Durch sein Aussehen und sein Verhalten ist der Grauwal kaum mit irgendeiner anderen Art zu verwechseln.

Verhalten: 

Grauwale sind lebhaft, neugierig und zutraulich. Oft schwimmen sie zu Schiffen hin. An der Oberfläche zeigen sie mehrere Verhaltensweisen, etwa Springen („breaching”), Umschauen mit emporgestrecktem Kopf („spyhopping”) oder Schlagen mit der Schwanzflosse auf die Wasseroberfläche („lobtailing”). Sie reiten sogar in sehr flachem Wasser in den Brandungswellen. Grauwale besitzen eine Fresstechnik, die sie von allen anderen Bartenwalen unterscheidet. Sie jagen und fressen kleine Tiere, die am Meeresboden leben, indem sie sich auf eine Seite rollen und dann langsam schwimmend das Bodensediment einsaugen. Wie andere Bartenwale auch drücken sie anschließend Wasser und Schlamm durch ihre Bartenplatten hinaus, wobei ihre Nahrungstiere im Maul zurückbleiben. Die meisten Grauwale drehen sich zur Nahrungsaufnahme auf die rechte Seite, aber wie bei den Menschen gibt es auch einige „Linkshänder”. Dementsprechend sind die Barten auf der rechten Seite meist kürzer und abgenutzter als jene auf der linken Seite, und die rechte Kopfseite ist vom Herumwühlen am Meeresgrund stärker zerkratzt. Meist sind Grauwale einzeln oder in Gruppen von nur 2 oder 3 Tieren anzutreffen. Obwohl Grauwale sanftmütige Tiere sind, haben sie von jenen, die Jagd auf sie machten, die Bezeichnung „Teufelsfisch” erhalten, da sie angeblich ihre Schiffe angriffen, was zum Teil auf die heftige Verteidigung ihrer Jungen zurückzuführen ist.

Verbreitung: 

Im Laufe seines Lebens legt ein Grauwal eine Strecke wie von der Erde zum Mond und retour zurück. Grauwale kommen mittlerweile nur noch im Nordpazifik und den angrenzenden Gewässern vor. Die größere Population im Nordostpazifik verbringt den Sommer in den Nahrungsgründen der Bering-, Chukchi- und westlichen Beaufort-See, einige Tiere haben ihre Jagdgründe entlang der Pazifikküste von Vancouver Island (Kanada) bis Kalifornien (USA). Im Herbst wandert diese Population an der Küste entlang zu den Paarungsgebieten an der Westküste der Baja California (Mexiko) und dem südöstlichen Golf von Kalifornien, wo auch ihre Jungen zur Welt kommen. Die viel kleinere Population im Nordwestpazifik verbringt den Sommer im Ochotskischen Meer. Als Hauptnahrungsgründe dieser Population gelten die Gewässer an der Nordostküste von der Insel Sachalin in Russland, aber einige Tiere wurden auch schon in anderen Küstengebieten des Ochitskischen Meeres gesichtet. Über die Wanderroute dieser Population ist nicht sehr viel bekannt. Der Bestand des Nordostpazifiks wird von der IUCN als „nicht gefährdet“ geführt, die Population des Nordwestpazifiks aber gilt als vom Aussterben bedroht. Zu den Gefahren für die nordostpazifischen Grauwale zählen heute Meeresverschmutzung, Nahrungsverknappung, Lebensraumverlust, Störungen durch menschliche Aktivitäten und Ertrinken in Fischernetzen. Dazu kommt in den letzten Jahren die Wiederaufnahme der Jagd in kleinem Umfang durch die Makah in den Gewässern vor Washington State. Die nordwestpazifische Population wird durch großflächige Erdöl- und Erdgas-Exploration und -Förderung in ihren Nahrungsgründen gefährdet, sowie durch Verschmutzung, Fischernetze und Schiffskollisionen.

Verbreitungskarte: