Gewöhnlicher Zwergwal

Balaenoptera acutorostrata
Synonyme: 
  • Nördlicher Zwergwal
Höchstlänge: 
  • Männchen: 9,80 m
  • Weibchen: 10,70 m
  • Geburtsgröße: 2,00 - 2,80 m
Höchstgewicht: 
  • Weibchen: 9.200 kg
Nahrung: 
  • Krill
  • Schulenbildende fische
Weltbestand, geschätzt: 
209.800
IUCN-Kategorie: 
LC
CITES-Anhänge: 
I (except the population of West Greenland which is on Appendix II)
CMS-Anhänge: 
Nicht gelistet
Taxonomie: 

Die Walfangnationen behandeln alle Zwergwale als eine einzige Art, aber es hat sich gezeigt, dass es zumindest zwei verschiedene Arten gibt, die darüber hinaus in getrennte Populationen und/oder Unterarten gegliedert sind. Die beiden anerkannten Arten sind der Antarktische und der Gewöhnliche Zwergwal, von dem es noch eine kleinere Unterart gibt. Diese kommt nur auf der Südhalbkugel vor und ist kleiner als die nordhemisphärischen Gewöhnlichen Zwergwale. Zwei weitere Unterarten des Gewöhnlichen Zwergwals sind bekannt: der Nordatlantische Zwergwal (B. a. acutorostrata) und der Nordpazifische Zwergwal (B. a. scammoni).

Der Gewöhnliche Zwergwal ist die Hauptzielart des „wissenschaftlichen” und kommerziellen Walfangs Japans im Nordpazifik sowie Norwegens und Islands im Nordatlantik.

Morphologie: 

Zwergwale sind die kleinsten und häufigsten Vertreter ihrer Familie. Sie haben eine stark zugespitzte Schnauze mit gerader Mundlinie, eine lange Leiste entlang des Kopfes und zwei Blaslöcher. Von ihrem Oberkiefer hängen mehrere hundert Bartenplatten mit einer Länge von 20 bis 30 cm und von ihrer Kehle bis kurz hinter die Brustflossen ziehen sich 50-70 Kehlfurchen. Diese erlauben ihnen, durch eine enorme Erweiterung des Kehlsackes riesige Wassermengen aufzunehmen, um Nahrung herauszufiltern. Zwergwale sind strömlinienförmig und haben eine glatte Haut ohne Schwielen oder Aufwuchs. Ihre Oberseite ist schwarz, dunkelbraun oder grau, der Bauch ist heller gefärbt. Die Rückenflosse sitzt sehr weit hinter der Rückenmitte. Zwergwale der nördlichen Hemisphäre zeichnen sich durch ein weißes Band auf ihren Brustflossen aus, welches vielen Tieren auf der Südhalbkugel fehlt. Die Schwanzflosse wird selten über die Wasseroberfläche gehoben.

Verhalten: 

Zwergwale scheinen überwiegend einzelgängerisch zu leben, aber jüngste Untersuchungen der Kleinform am Great Barrier Reef zeigten sie sozialer und kommunikativer als zuvor gedacht. Sie sind recht schnelle Schwimmer und von Zeit zu Zeit springen sie („breaching”) oder schauen sich über Wasser um („spyhopping”). Wenn sie zum Atemholen auftauchen, erscheint zuerst ihre Schnauze über der Wasseroberfläche. Etwa 20 Minuten lang können Zwergwale unter Wasser bleiben. Sie schwimmen kaum in der Bugwelle von Schiffen, begleiten diese aber durchaus eine gewisse Strecke. Manchmal kann man sie beim Fressen nahe der Oberfläche unter Schwärmen von Seevögeln beobachten. Gewöhnliche Zwergwale der kleinwüchsigen Unterart sind sehr aktiv und wendig, und können kurzzeitig bis zu 12 Knoten schnell schwimmen. Sie sind auch neugierig und nähern sich oft Schiffen. Wie die nordhemisphärischen Zwergwale sind sie überwiegend einzeln oder paarweise anzutreffen, aber es wurden auch schon Gruppen von mehr als 20 Walen rund um ein Schiff beobachtet.

Verbreitung: 

Gewöhnliche Zwergwale sind in allen Ozeanen verbreitet und auch in Küstennähe anzutreffen. Da sie kältere Gewässer bevorzugen, kommen sie in tropischen Regionen weniger häufig vor. Im Winter wandern sie typischerweise in wärmere Gewässer und im Sommer näher an die Pole. Manche Populationen verbringen aber das ganze Jahr im gleichen Gebiet. Die vorliegenden Sichtungsdaten deuten darauf hin, dass die Kleinform des Gewöhnlichen Zwergwals küstennäher verbreitet ist als der Antarktische Zwergwal. Sie sind weit verbreitet und dürften eine komplexe Populationsstruktur aufweisen. Sichtungen gab es vor Südafrika, Australien, Neuseeland, Neukaledonien und der Ostküste Südamerikas von März bis Dezember. Weiters gibt es einzelne Beobachtungen aus der Subantarktis von Dezember bis März. Gefährdungsfaktoren für Gewöhnliche Zwergwale beider Hemisphären sind die Waljagd, die chemische Meeresverschmutzung und das Ertrinken in Fischernetzen. Der geschätzte weltweite Bestand von 209.800 Tieren setzt sich wie folgt zusammen: 174.000 Exemplare im Nordatlantik, 10.800 Exemplare in den Gewässern westlich von Grönland und 25.000 Exemplare im Nordwest-Pazifik und im Ochotskischen Meer.Die Bestandszahlen des Gewöhnlichen Zwergwals werden derzeit von der IWC neu evaluiert. Von der südhemisphärischen Kleinform liegen allerdings nur wenige Daten vor. Die IUCN (2008) stuft die Art als nicht gefährdet ein.

Verbreitungskarte: