Ganges-Delfin (Südasiatischer Flussdelfin)

Platanista gangetica
Synonyme: 
  • Indus-Delfin
  • Susu
  • Ganges-Delfin
Höchstlänge: 
  • Männchen: 2,20 m
  • Weibchen: 2,60 m
Höchstgewicht: 
  • Weibchen: 84 kg
Nahrung: 
  • Fische
  • Wirbellose
Weltbestand, geschätzt: 
4000
IUCN-Kategorie: 
EN
CITES-Anhänge: 
I
CMS-Anhänge: 
I, II (P. g. gangetica)
Taxonomie: 

Die systematische Stellung des Ganges-Delfins war und ist unter Wissenschaftlern Gegenstand heißer Debatten. Im Jahr 1971 entschied man aufgrund von Unterschieden in der Schädelstruktur und bei den Blutproteinen, es handle sich hier um zwei getrennte Arten: den Indus- und den Ganges-Delfin. Diese Aufteilung wurde aber nie völlig akzeptiert und heute geht man wieder davon aus, dass die beiden Populationen Unterarten derselben Spezies (Platanista gangetica) sind. Die Tiere in Nepal, Indien und Bangladesch werden als P. g. gangetica bezeichnet, jene im Indus in Pakistan hingegen als P. g. minor.

Morphologie: 

Als auffälligstes Kennzeichen hat diese Delfinart einen langen, schmalen Schnabel mit scharfen, spitzen Zähnen. Der Schnabel ist bei Weibchen proportional länger als bei Männchen und darauf ausgelegt, mit schnellen Bewegungen auch sehr flinke Beutetiere zu fassen. Dazu passend sind die Halswirbel bei dieser Art - anders als bei den meisten anderen Waltieren - nicht verschmolzen, sodass der Hals flexibel ist. Der Ganges-Delfin hat eine markante Melone, breite, paddelförmige Brustflossen, einen stämmigen Körper, eine kleine, dreieckige Rückenflosse und eine breite, spitz zulaufende Schwanzflosse. Die Körperfärbung ist variabel und reicht von schokoladenbraun oder gelbbraun bis zu gräulich oder blassblau, wobei der Bauch blasser ist als der übrige Körper. Die Augen sind klein, haben keine Linse und sind weitgehend funktionslos. Vielleicht können sie noch Lichtintensität und -richtung wahrnehmen, aber keine Konturen. Allerdings wäre der Sehsinn im trüben Wasser ihres Lebensraumes ohnehin wenig effizient. Mehrere andere Arten kommen im selben Lebensraum wie der Ganges-Delfin vor, aber wegen seiner einzigartigen Körperform sollte es kaum zu Verwechslungen kommen können.

Verhalten: 

Die Delfine beider Unterarten sind überwiegend einzeln oder paarweise unterwegs, gelegentlich auch in kleinen Gruppen. Über ihr Verhalten wissen wir wenig, denn sie sind scheu und schnell und meiden die Nähe von Schiffen. Sie sind weder auffällig noch akrobatisch. Nur wenn sie in Unruhe versetzt werden, springen sie eventuell, aber das ist ein sehr seltenes Verhalten. Da P. g. gangetica beim Auftauchen oft Schnabel und Kopf in steilem Winkel aus dem Wasser hält, kann er mit dem Gavial verwechselt werden, einem Krokodil, das ebenfalls im Ganges und seinen Nebenflüssen lebt. Ganges-Delfine sammeln sich manchmal in Gegenströmungsbecken bei Einmündungen, scharfen Mäandern oder technischen Bauwerken, die einen ähnlichen Effekt erzeugen. Vermutlich führen diese Strukturen zu einer Konzentration der Beutetiere.

Verbreitung: 

P. g. gangetica lebt in den Fluss-Systemen Ganges-Brahmaputra-Meghna sowie Karnaphuli-Sangu einschließlich ihrer Zuflüsse, während P. p. minor ausschließlich im Indus zu finden ist. Der Lebensraum Fluss bringt es mit sich, dass beide Unterarten durch Aktivitäten des Menschen gefährdet sind, wenn auch in unterschiedlichem Maße.a) P. g. minor: Dammbauten haben den ursprünglichen Lebensraum des Indus-Delfins fragmentiert und damit auch seine Population in getrennte Teile zerschnitten. Ein großer Teil seines Verbreitungsgebietes ist aufgrund schwankender Wasserpegel nicht ganzjährig besiedelbar und der aktuell steigende menschliche Wasserbedarf sowie Dürren verkleinern seinen Lebensraum noch zusätzlich. In der Trockenzeit werden die Bewässerungskanäle zu Fallen für zahlreiche Indus-Delfine. Neben der Lebensraumzerstörung ist die Art auch durch Ertrinken in Fischernetzen und durch Umweltverschmutzung bedroht. b) P. g. gangetica: Der Ganges-Flussdelfin war einem gewissen Maß an illegalen, vorsätzlichen Tötungen ausgesetzt, das inzwischen aber stark zurückgegangen ist. Sie wurden als Fischfang-Konkurrenten verfolgt, wegen ihres in der traditionellen Medizin wertvollen Öls gefangen oder zu Ködern oder Fleisch verarbeitet. Weitere Gefahren sind das verstärkte Wachstum von Wasserpflanzen und die Wasserverschmutzung. Am schwerwiegendsten ist allerdings der Beifang in der Fischerei, v.a. in Kiemennetzen. Es ist schwierig, exakte Populationszahlen dieser Art zu bekommen, aber offenkundig ist ihre Individuenzahl gering und ihr Lebensraum stark eingeschränkt. Das Verbreitungsgebiet des Indus-Delfins wurde gegenüber früher um 80% reduziert. Man schätzt, dass es im Indus keine 1000 Delfine mehr gibt und im Ganges-Gebiet etwa die doppelte Zahl. Von der IUCN wird diese Art als stark gefährdet gelistet (2008).

Verbreitungskarte: