Amazonas-Flussdelfin

Inia geoffrensis
Synonyme: 
  • Inia
  • Amazonas-Flussdelfin
  • Boto
Höchstlänge: 
  • Männchen: 2,50 m
  • Weibchen: 2,30 m
Höchstgewicht: 
  • Männchen: 207 kg
Nahrung: 
  • Süßwasserfische
  • Schalentiere
  • Schildkröten
Weltbestand, geschätzt: 
Unbekannt
IUCN-Kategorie: 
DD
CITES-Anhänge: 
II
CMS-Anhänge: 
II
Taxonomie: 

Der Boto oder Amazonas-Flussdelfin lebt ausschließlich in Südamerika und ist die besterforschte Flussdelfin-Art. Derzeit unterscheidet man drei Unterarten: I. g. geoffrensis im Einzugsbereich des Amazonas in Brasilien, Ecuador und Peru; I. g. humboldtiana im Orinoco-Becken in Venezuela und Kolumbien; und I. g. boliviensisin Bolivien. Neueste genetische Untersuchungen stellen diese Unterteilung jedoch in Frage. 

Die Liste des Taxonomie-Ausschusses der Society for Marine Mammology (SMM) von 2015 beinhaltete zuerst noch eine weitere Art, den Bolivianischen Flussdelfin (Inia boliviensis), der ausschließlich in den Flusssystemen von Bolivien (und im Grenzgebiet zwischen Bolivien und Brasilien) zu finden ist. Jedoch haben weitere genetische Untersuchungen ergeben, dass es sich nicht um eine eigene Art, sondern um eine Unterart handelt. Das gleiche gilt für den zuerst als eigene Art beschriebenen Araguaia-Flussdelfin (Inia araguaiaensis), der ausschließlich im Araguaia-Fluss vorkommt, welcher nicht mit dem Amazonas verbunden ist. Aus verschiedenen Gründen wurde die Anerkennung als eigene Art nicht vorgenommen. Die beiden Unterarten weisen keine morphologischen Unterschiede auf und es ist möglich, dass es sich nur um eine Art handelt. 

Morphologie: 

Der Boto ist ein recht kräftiges Tier mit kleinen, aber funktionsfähigen Augen und einem langen, schlanken Schnabel, der zur Spitze hin leicht abwärts gebogen ist und an der Basis abrupt in eine stark gerundete Melone übergeht. Die Delfine sind in der Lage, die Form ihrer Melone aktiv zu verändern. Als einzige Spezies aller Waltiere haben Botos zwei unterschiedliche Zahntypen im Kiefer: Vorne die üblichen kegelförmigen Zähne, während die weiter hinten liegenden dafür gemacht sind, das Aufknacken der Beutetiere zu unterstützen. Das sichelmondförmige Atemloch ist linksseitig versetzt und der Nacken ist recht flexibel, da die Halswirbel nicht verschmolzen sind. Der Boto hat eine lange Rückenleiste und eine sehr flache Rückenflosse. Brust- und Schwanzflossen sind dreieckig, breit und an den Hinterkanten ausgefranzt. Die Fluke ist an den Enden zugespitzt, während die Flipper stumpfe Enden besitzen. Eines der erstaunlichsten Merkmale des Boto ist seine Färbung, die von weiß/grau bis rosa reicht, wobei der Rücken kräftiger gefärbt ist als der Bauch. Manche Tiere sind regelrecht strahlend pink gefärbt. Die Färbung kann je nach Alter und Sichtbedingungen stark variieren. Da im Lebensraum des Boto nur eine weitere Delfinart vorkommt, der Amazonas-Sotalia, sind Verwechslungen praktisch ausgeschlossen.

Verhalten: 

Ein weiteres Merkmal dieser primitiv anmutenden Art sind die „Pausbacken”, die möglicherweise die Sicht nach unten einschränken und vielleicht der Grund dafür sind, warum Botos oft auf dem Rücken schwimmen. Ihre Hauptaktivitätszeit ist am frühen Morgen und am späten Nachmittag. Botos schwimmen meist langsam, können bei der Jagd aber stark beschleunigen. Meist sind sie einzeln oder paarweise anzutreffen, aber in der Trockenzeit oder bei Ansammlungen von Beutetieren bilden sie auch Gruppen von 10 bis 15 Tieren. Botos sind keine Akrobaten und springen kaum aus dem Wasser. Für das Luftholen tauchen sie in eher flachem Winkel auf, wobei sie Schnabel, Melone und Rückenflosse gleichzeitig zeigen. Botos ernähren sich von Fischen, Schalentieren und sogar kleinen Schildkröten.

Verbreitung: 

Der Boto lebt in den gesamten Becken des Amazonas und des Orinoco - den Hauptflüssen, Zubringern und Seen. In manchen Gebieten wurde sein natürliches Verbreitungsgebiet aber durch wirtschaftliche Erschließung und Dämme eingeschränkt. Die Regenzeit erweitert seinen Lebensraum um die überfluteten Wälder. Die Hauptgefahr für diese Art ist die direkte Tötung durch Menschen, die sie entweder als Konkurrenten um Fische ansehen oder zu Ködern verarbeiten. Weitere Gefährdungsursachen sind Störungen durch Menschen, Verfangen in Fischernetzen, Übernutzung ihrer Beutetiere und Umweltverschmutzung. Auf der Roten Liste der IUCN wird der Boto in der Kategorie „ungenügende Datengrundlage” geführt.

Verbreitungskarte: